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Tote und Verletzte in Ägypten

Proteste gegen Militärrat dauern an

Ausschreitungen vor dem ägyptischen Innenministerium in Kairo (picture alliance / dpa / Mohamed Omar)
Ausschreitungen vor dem ägyptischen Innenministerium in Kairo (picture alliance / dpa / Mohamed Omar)

Ägypten kommt nicht zur Ruhe: In der Hauptstadt Kairo und in Suez haben sich auch am Freitag hunderte Demonstranten versammelt. Steine fliegen, die Polizei reagiert mit Tränengas.

Zu den Auseinandersetzungen in Kairo war es nach dem Freitagsgebet gekommen. Wie Korrespondenten berichten, entzündeten Demonstranten ein Feuer in einer Straße im Stadtzentrum. Eine wütende Menge stürmte die Steuerbehörde.

Auch in Suez gab es Unruhen - Polizisten setzten Rauchbomben ein. Bereits am Vormittag und in der Nacht war es in beiden Städten zu blutigen Zusammenstößen gekommen, bei denen drei Menschen ums Leben kamen. Offiziellen Angaben zufolge gab es etwa 1500 Verletzte.

Westerwelle fordert Aufklärung

Die Demonstranten werfen dem Militärrat vor, nichts gegen die Krawalle vom Mittwoch im Fußballstadion von Port Said unternommen zu haben. Sie vermuten, dass die Auseinandersetzungen von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle forderte, die Vorkommnisse aufzuklären. Der Militärrat müsse seine Versprechen für mehr Demokratie einhalten.

Situation hat sich hochgeschaukelt

Der frühere Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo, Michael Lange, sagte im Deutschlandfunk, es bestehe die Gefahr, dass die Entwicklung in Ägypten aus dem Ruder laufe: "Die Konfliktparteien haben die Kontrolle über ihre Anhänger verloren." In Ägypten werde nicht so schnell Ruhe einkehren. "Es könnte zum Konflikt der Mehrheit der Bevölkerung und der Minderheit der Protestierenden kommen."

Zu den Fußball-Krawallen vom Mittwoch sagte Lange, er bezweifele, dass solche Prozesse kontrolliert in Gang gesetzt werden könnten. "Wir wissen aus Europa, dass Fußballspiele solcher Art oft auch in ein Chaos wechseln können, wenn die Emotionen der Menschen entsprechend gelagert sind."

Anders äußerte sich der frühere ARD-Nahost-Korrespondent Martin Durm. Er betont, es seien vor allem konservative und lokale Kräfte gewesen, die für diese Schlachten gesorgt hätten. Die Polizei betrachte die Fußballfans von Al-Ahly als Stoßtrupp der Revolution. "Es sieht so aus, als sei eine alte Rechnung aufgemacht worden." Die Atmosphäre von Chaos und Anarchie diene nun vor allem dem ägyptischen Militärrat, erklärt Durm.

Politologin: Revolution noch nicht am Ende

Die Politologin Cilja Harders von der Freien Universität Berlin wollte im Deutschlandfunk nicht von einer geplanten Aktion des Militärrates sprechen. Man könne jedoch davon ausgehen, "dass auf jeden Fall Gewalt in Kauf genommen wurde. Es gibt auch Stimmen, die sagen, die Sicherheitskräfte sind inkompetent und zu wenig, die waren überrascht." Auch wenn das Militär die Revolution derzeit "gekidnappt" habe, sei "der Transformationsprozess im vollen Gange."

Links bei dradio.de

Ein Jahr danach - Koptische Mönche und die gesellschaftlichen Veränderungen in Ägypten

Amnesty International: Menschenrechte müssen besser geachtet werden - Menschenrechtsorganisation zur Lage in Ägypten und Syrien

Unvorhersehbare Entwicklung - Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kairo fürchtet um die demokratische Entwicklung in Ägypten (DKultur)



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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