Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Trauer um einen großen Theaterförderer

Früherer Theaterintendant Ivan Nagel ist tot

Ivan Nagel, Theaterwissenschaftler, Intendant, Publizist, ist mit 80 Jahren in Berlin verstorben. (picture alliance / dpa - Kay Nietfeld)
Ivan Nagel, Theaterwissenschaftler, Intendant, Publizist, ist mit 80 Jahren in Berlin verstorben. (picture alliance / dpa - Kay Nietfeld)

Er war eine der prägenden Gestalten der Theatergeschichte der letzten Jahrzehnte, nun ist Ivan Nagel in Berlin verstorben. Sein Leben bestand aus vielen unterschiedlichen Facetten: Er war Theaterintendant und -kritiker, Philosoph und Universitätsprofessor.

Ivan Nagel wurde 1931 in Budapest geboren. Während des Zweiten Weltkrieges musste er als Kind jüdischer Eltern untertauchen. Nach dem Krieg kam er 1948 nach Frankfurt am Main, wo er u.a. Philosophie bei Theodor W. Adorno studierte. Adorno sorgte auch dafür, dass Nagel nicht abgeschoben wurde.

Nach dem Studium arbeitete er als Musik- und Theaterkritiker, ab 1960 als Chefdramaturg der Münchner Kammerspiele. Von 1972 bis 1979 war er Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, später dann Schauspielchef in Stuttgart.

In den späten 1960er Jahren sei man mit einer großen Erwartung ins Theater gegangen, sagte Nagel einmal in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur. Diese Erwartung sei auch wichtig, so Nagel weiter, denn:

"Ohne die große Erwartung ist das Theater nichtig, wird das Theater leer und uninteressant und ein Getändel, das eigentlich keinen wirklich richtig interessiert."

Nagel war zuletzt Professor für Geschichte und Ästhetik der Darstellenden Künste an der Universität der Künste in Berlin. Außerdem gründete er das Festival "Theater der Welt", das bis heute stattfindet. Zu seinen Büchern gehören "Autonomie und Gnade - Über Mozarts Opern", "Der Künstler als Kuppler - Goyas Nackte und Bekleidete Maja", "Kortner Zadek Stein" und "Falschwörterbuch". Seit 2010 erscheint sein Gesamtwerk im Suhrkamp Verlag.

Erst kürzlich erzählte er in Interviews mit dem Deutschlandradio Kultur ausführlich aus seinem Leben - davon, wie er als Jugendlicher die Zeit von Judenverfolgung und Holocaust überlebte, als auch von den Bedingungen, unter denen sich Homosexualität in den 1950er-Jahren leben ließ. Entstanden ist so eine akustische Autobiografie in sechs Gesprächen mit Jens Malte Fischer (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Wolfgang Hagen (Deutschlandradio Kultur).


Weitere Links auf dradio.de:

"Streitbar und polarisierend" - Der Kulturjournalist Wolfgang Hagen über den verstorbenen Theatermacher Ivan Nagel

"Dieses Rätsel will ich leben" - Der Kulturwissenschaftler Jens-Malte Fischer führte gemeinsam mit Wolfgang Hagen letzte Interviews mit Ivan Nagel

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:35 Uhr Wirtschaft am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Länderreport

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Röttgen zu Trump "Der Westen kommt in seinem Denken nicht vor"

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages (CDU).  (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen erkennt in den Interview-Äußerungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump vor allem eines: Protektionismus. Darin liege eine Gefahr, sagte Röttgen im DLF. Denn ein Resultat sei außenpolitischer Rückzug. Die gegen deutsche Unternehemen ausgesprochenen Drohungen seien durchaus ernstzunehmen.

Philosoph Carlo StrengerFreiheit ist ein Abenteuer, das auch weh tut

Blick auf die Freiheitsstatue vor dunklen Wolken. (picture alliance / dpa / Klaus Nowottnick)

Der Psychologe und Philosoph Carlo Strenger wirft immer wieder einen kritischen Blick auf die westliche Welt. Seine Überzeugung: Wir sind zu satt und zu bequem. Seine Antwort: das Leben in seiner "tragischen Struktur" begreifen - und bewusst gestalten.

Wohntrend "Hygge"Die neue Gemütlichkeit

In Köln startet die Internationale Möbelmesse imm. Der Blick in die Kristallkugel der Wohntrends zeigt: Angesagt ist gerade vor allem ein ganz bestimmtes Wohnkonzept aus Dänemark: Hygge (sprich: Hühge).      

DGB im Wahljahr"Der soziale Zusammenhalt steht auf dem Spiel"

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (Imago)

DGB-Chef Reiner Hoffmann hat eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer und höhere Steuern auf große Einkommen gefordert. "Arm bleibt arm, reich wird reicher" - gegen diesen Trend müsse etwas getan werden, sagte Hoffmann im Deutschlandfunk.

Kongress europäischer RechtspopulistenIm Abwehrkampf gegen die freie Presse

Beatrix von Storch beugt zu Marcus Pretzell herüber. (dpa / EPA / Patrick Seeger)

Von einer Konferenz der europäischen Rechtspopulisten sollen nur ausgesuchte Journalisten berichten, kritischen Geistern wird der Zutritt verweigert. Das habe mit Demokratie und freier Presse nicht mehr viel zu tun, kritisiert der SWR-Journalist Georg Link.

25 Jahre Friedensschluss in El SalvadorEin Vertrag ohne Versöhnung

Flagge von El Salvador, 30.01.2007 - EPA/RPBERTO ESCOBAR (picture alliance / dpa / EPA/RPBERTO ESCOBAR)

Über zehn Jahre lang kämpfte in El Savador die linksgerichtete Guerilla-Bewegung FMLN gegen das Militär-Regime. 1992 beendete ein Friedensvertrag die Kämpfe, die Ursachen der Gewalt aber beseitigte er nicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Trump-Interview  Bundesregierung reagiert zurückhaltend | mehr

Kulturnachrichten

Faire Social Media: Journalistenschule für Jedermann  | mehr

Wissensnachrichten

Fruchtfliegen  Alkohol ist kein Problem - nur warum? | mehr