Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Trauer um Margaret Thatcher

Britische Ex-Premierministerin wurde 87 Jahre alt

Margaret Thatcher ist im Alter von 87 Jahren gestorben. (Aufnahme von November 2005) (picture alliance / dpa / Geoff Caddick)
Margaret Thatcher ist im Alter von 87 Jahren gestorben. (Aufnahme von November 2005) (picture alliance / dpa / Geoff Caddick)

"So verneige ich mich mit stillem Gruß und in tiefem Respekt", erklärte Alt-Bundeskanzler Kohl zum Tod der ehemaligen britischen Premierministerin Thatcher. Die Politikerin litt bereits seit mehreren Jahren unter einer Demenz und hatte sich zuletzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die "Eiserne Lady" war von 1979 bis 1990 britische Regierungschefin. Damit regierte sie länger als jeder andere Regierungschef Großbritanniens im 20. Jahrhundert. Während ihrer Regierungszeit leitete sie umfassende Wirtschafts- und Sozialreformen ein. Dabei kürzte sie Sozialleistungen und fuhr Subventionen für Staatsbetriebe zurück. Es kam zu massiven Protesten, vor allem von Seiten der Gewerkschaften. Deren Einfluss drängte Thatcher nach und nach zurück.

Der amtierende britische Premier David Cameron (rechts) mit Margaret Thatcher vor der 10 Downing Street (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)Der amtierende britische Premier David Cameron (rechts) mit Margaret Thatcher vor der 10 Downing Street (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)Während der Wendejahre 1989/1990 stand sie einer Wiedervereinigung Deutschlands skeptisch gegenüber. Sie befürchtete, Deutschland könne sich erneut als Großmacht gerieren. Deshalb verlangte sie eine fünfjährige Übergangsfrist bis zu einer Wiedervereinigung. Erst im Februar 1990 gab sie ihren Wiederstand gegen ein schnelles Zusammengehen beider deutscher Staaten nach und nach auf.

Krieg um die Falklandinseln

1984 überlebte Margaret Thatcher unverletzt einen Bombenanschlag der irischen Terrororganisation IRA. Im Jahr 1982 führte die Premierministerin Großbritannien in einen Krieg gegen Argentinien um die Falklandinseln, der mit der Kapitulation Argentiniens endete. Auf europäischer Ebene setzte sie den sogenannten "Briten-Rabatt"durch. Seither zahlt Großbritannien im Verhältnis weniger Beiträge an die Europäische Union als es das Land von seiner Wirtschaftskraft her eigentlich müsste.

Trauer und Kritik

International ist die Nachricht von Thatchers Tod überwiegend mit Bestürzung aufgenommen worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte sie als eine " der überragende Führungspersönlichkeiten ihrer Zeit". Thatcher habe früh die Kraft der Freiheitsbewegungen Osteuropas erkannt und sich für sie eingesetzt, erklärte Merkel. Indem sie sich zu Zeiten, als dies noch nicht selbstverständlich gewesen sei, als Frau im höchsten demokratischen Amt behauptet habe, habe sie vielen ein Beispiel gegeben.

Der amtierende britische Premierminister David Cameron brach seine Europa-Reise ab und kehrte nach London zurück. Über Twitter teilte er mit: "Wir haben eine großartige Führerin, eine großartige Premierministerin und eine großartige Britin verloren. Die britische Königin Elisabeth II. äußerte sich über ihre Homepage. Sie habe den Tod Thatchers mit tiefer Trauer aufgenommen und werde eine persönliche Botschaft an die Familie Thatchers übermitteln. US-Präsident Barack Obama würdigte die ehemalige britische Premierministerin als große Anwältin der Freiheit.

Kohl: Eine "großartige" Frau und Politikerin

"So verneige ich mich mit stillem Gruß und in tiefem Respekt", ließ Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl erklären. Der CDU-Politiker bezeichnete sie als "großartige" Frau und Premierministerin.

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (dpa / Uwe Anspach)Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (dpa / Uwe Anspach)In Kohls Amtszeit hatte es etliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Politikern gegeben, unter anderem über den Kurs der EU und die deutsche Einheit, der Thatcher zunächst skeptisch gegenüberstand. Der Alt-Kanzler räumte ein, dass sein Verhältnis zu Thatcher immer auch ein "Wechselbad der Gefühle" gewesen sei.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte: "Sie wird genauso für ihre Beiträge wie für ihre Vorbehalte gegenüber unserem gemeinsamen Vorhaben in Erinnerung bleiben."

Da sie in den vergangenen Jahren an einer Demenz erkrankt war, lebte Thatcher zuletzt sehr zurückgezogen. In die öffentliche Debatte kehrte sie vergangenes Jahr unfreiwillig zurück, nachdem ihr Leben mit US-Schauspielerin Meryl Streep in der Hauptrolle verfilmt wurde. Der Film stieß unter Kritikern und britischen Politikern auf ein geteiltes Echo.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Kammermusik

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Reich werdenDie erste Million ist die schwerste!

US-Dollar-Scheine (picture alliance / dpa / Xie Zhengyi)

Geld regiert die Welt - im Fall von Donald Trumps Kabinett mit mehreren Milliardären und Multimillionären scheint das buchstäblich zuzutreffen. Doch wie wird man eigentlich reich und sind wir auf dem Weg zu einer globalen Oligarchie?

Manchester-Attentat"Die Zerstörung der Popkultur ist ein Mittel zum Zweck"

Notfallhelfer helfen Verletzten nach dem Attentat auf die Manchester Arena am 22. Mai 2017 (imago stock&people/Zumba Press)

Dass sich der Selbstmordattentäter in Manchester ausgerechnet auf dem Konzert der Sängerin Ariana Grande in die Luft sprengte, sei eher zufällig, sagte der Islamexperte Bamdad Esmaili im DLF. Die Terroristen wollten möglichst viele junge Leute treffen. 

Musik und SpiritualitätDas ästhetische Grauen des Sakropop

Schwester Teresa bei den Proben zu ihrem Musical "Bergpredigt". (picture alliance / dpa / Stefan Kiefer)

Neben Diskussionsrunden und Messen wird es auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag viele Konzerte christlicher Bands geben. Doch deren Musik ist nicht nur ästhetisch fragwürdig, ihr fehlt auch jegliche Spiritualität, findet Wiglaf Droste.

Attac-Aktivist Christian Felber"Wir sind nicht gezwungen, uns egoistisch zu verhalten"

Politikwissenschaftler, Buchautor, Publizist und Mitbegründer der Attac Christian Felber, aufgenommen bei der Eröffnung der oberösterreichischen Kulturvermerke 2015 im Stadttheater in Gmunden (imago/Rudolf Gigler)

Die Spielregeln unserer Wirtschaft belohnen Kapitalismus, Maßlosigkeit und Gier, kritisiert der Attac-Aktivist und Autor Christian Felber. Er hat Vorschläge für eine Umverteilung von Reichtum und Macht: Alle wirtschaftliche Tätigkeit sollte auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.

Haftanstalt Silivri in der Türkei"Wie ein Konzentrationslager des 21. Jahrhunderts"

70 Kilometer außerhalb von Istanbul liegt Gefängnis und Gericht von Silivri. (imago/Le Pictorium)

Die Haftanstalt in der türkischen Stadt Silivri kann bis zu 13.000 Gefangene aufnehmen. Can Dündar, Ex-Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", war dort und beschreibt das Gefängnis als Internierungslager für Erdogan-Gegner, Oppositionelle sprechen von einem Konzentrationslager. "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt immer noch dort ein.

36. Evangelischer KirchentagChristentreffen der Superlative

Vorbereitungen zum Kirchentag: ein Kreuz auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor in Berlin (epd-bild/JensxSchlueter)

100.000 erwartete Dauergäste, 2.500 Veranstaltungen und Ex-US-Präsident Barack Obama als Ehrengast: Der 36. Evangelische Kirchentag in Berlin, Wittenberg und neun weiteren deutschen Städten hat im Reformationsjahr einiges zu bieten. Mit 23 Millionen Euro ist er aber auch der bisher teuerste. Das sorgt für Kritik - nicht nur bei Atheisten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Islam  Schäuble sieht Chance durch muslimische Zuwanderung | mehr

Kulturnachrichten

Art Berlin zeigt auch Kunst des 20. Jahrhunderts  | mehr

 

| mehr