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Trotz Kritik von der Kirchenbasis

Katholischer Missbrauchsbeauftragter will pädophile Priester weiterbeschäftigen

Von Ludger Fittkau

Steht in der Kritik: Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (dpa / Fredrik Von Erichsen)
Steht in der Kritik: Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (dpa / Fredrik Von Erichsen)

Ausgerechnet der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, beschäftige sieben als pädophil aufgefallene Pfarrer, behauptet "Der Spiegel". Das Bistum bestätigt diese Zahl nicht. Klar ist aber: Es gibt die Täter im kirchlichen Dienst. Die Kirchenbasis kritisiert vor allem, dass sie in der Seelsorge eingesetzt werden.

Stephan Ackermann hat ein Problem: Seit zwei Jahren ist der Trierer Bischof der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Funktion muss er vor allem dafür Sorgen, dass die Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche Gehör finden.

Doch dann sind da auch die Täter. Oft pädophile Priester, deren Taten manchmal Jahrzehnte zurückliegen. Alleine sieben dieser Täter stehen weiterhin in Diensten des Trierer Bischofs, behauptet jetzt der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe. Das Bistum bestätigt diese Zahl auf Anfrage des Deutschlandfunks nicht. Klar ist aber: Es gibt die Täter im kirchlichen Dienst. Der Umgang mit ihnen ist kompliziert. Laut den neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum "Sexuellen Missbrauch" vom August 2010 können Täter unter gewissen Umständen weiterbeschäftigt werden. Allerdings nicht in der Kinder- und Jugendarbeit, so der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

"Wir haben vor allem gesagt in den letzten Jahren, wir wollen vor allem auf die Opfer schauen. Aber wir müssen auch auf die Täter schauen. Wie geht das? Und es gibt unterschiedliche Lösungen. In den USA gibt es die "Null-Toleranz". Wir haben uns aber für die Lösung entschieden, nach einer forensischen Begutachtung: Wo ist ein Einsatz möglich?"

Kritik von der Kirchenbasis in Trier bekommt der Bischof vor allem dafür, dass pädophile Priester auch weiterhin in der Seelsorge eingesetzt werden. So war ein Täter, der eigentlich in der Krankenhausseelsorge nur mit Erwachsenen in Kontakt kommen sollte, als Aushilfspfarrer in einer Gemeinde wieder mit minderjährigen Messdienern zusammengekommen. Das Bistum betont jedoch, man habe dafür gesorgt, dass der Täter niemals mit Kindern alleine in der Sakristei war. Dies geht vielen an der Kirchenbasis nicht weit genug. Sie fordern, Täter ganz aus der Seelsorge fernzuhalten.

Heiner Buchen, katholischer Pastoralreferent aus Saarbrücken, das zum Bistum Trier gehört: "Ich glaube, die Kirche muss, das finde ich richtig, einen würdigen Umgang auch mit den Tätern praktizieren. Meiner Ansicht nach gehört dazu, dass man die Täter von kirchlicher Seite so begleitet, dass sie in der Lage sind, ihr Verbrechen zuzugeben und ein Schuldbekenntnis abzulegen. Und danach, das finde ich auch, gehören diese Männer nicht mehr in die Seelsorge, sondern man muss andere Aufgaben für sie finden."

Doch die neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz erlauben es durchaus, dass die Täter unter Auflagen weiterhin in der Seelsorge eingesetzt werden. Entscheidend sei aber, so das Bistum Trier, dass "es nicht zu einer Gefährdung von Minderjährigen kommt". Deshalb seien bei einer Versetzung eines Klerikers oder Ordensangehörigen, der eine minderjährige Person sexuell missbraucht hat, die neuen Dienstvorgesetzten über die besondere Problematik schriftlich zu informieren. Bischof Stephan Ackermann räumt ein, dass das in der Vergangenheit nicht immer geklappt hat - etwa in einem Fall in Saarbrücken im vergangenen Jahr, als ein verdächtiger Pfarrer nach einer längeren Krankheit wieder in seine Gemeinde ging, ohne dass die unmittelbaren Vorgesetzten von dem dringenden Verdacht wussten:

"In dem Moment, wo wir klar Anhaltspunkte haben oder jemand auch eingesteht, dass er sexuelle Gewalt angewendet hat, dann muss sofort gehandelt werden und natürlich die, die Verantwortung tragen, etwa ein Dechant, ein Dekan, die müssen einbezogen werden, damit sie um die Situation wissen. Das war ja auch ein Fehler, den wir ja auch offen eingestanden haben."

Bleibt jedoch die Frage, ob man in Fällen von sexuellem Missbrauch Kleriker nicht grundsätzlich aus der Seelsorge fernhalten sollte, um eine Wiederholungstat zu vermeiden. Das Bistum Trier sagt dazu "Nein" und will die ungenannte Zahl von Tätern trotz der Kritik der Kirchenbasis weiterbeschäftigten. Denn vor allem "unter präventiven Gesichtspunkten" bevorzugten Fachleute den weiteren Einsatz unter Auflagen "gegenüber einer völligen Entlassung eines Täters aus dem Klerikerstand", so heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Bistums. Soll wohl heißen: In Kirchenräumen hat man Täter eher unter Kontrolle, als wenn man sie als Arbeitslose auf die Straße schickt. Informationsfehler wie im Saarbrücker Fall sollte sich der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz dann aber besser nicht leisten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

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