Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Trübe Aussichten für Deutschland

Moody's stuft Ausblick für Kreditwürdigkeit herab

Moody's befürchtet eine Bedrohung für den Euro (dpa / picture alliance / Andrew Gombert)
Moody's befürchtet eine Bedrohung für den Euro (dpa / picture alliance / Andrew Gombert)

Deutschland droht eine Abwertung seiner Kreditwürdigkeit. Die amerikanische Ratingagentur Moody's senkte den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit von stabil auf negativ. Das Finanzministerium in Berlin reagierte betont gelassen.

Die gute Nachricht: Deutschland behält bei der Kreditwürdigkeit die Bestnote AAA. Die schlechte: Damit könnte es schon bald vorbei sein. Moody's, eine der großen US-Ratingagenturen, hat den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit gesenkt. Bislang galt er als "stabil", nun wird er als "negativ" eingeschätzt. Ebenso erging es den Niederlanden und Luxemburg. Finnland dagegen behielt seinen stabilen Ausblick.

Moody's begründete seine Entscheidung mit dem "Ausmaß der Ungewissheit über den Ausblick für den Euroraum". Die möglichen Auswirkungen plausibler Szenarien über Mitgliedsstaaten rechtfertigten keinen stabilen Ausblick mehr. So wäre ein griechischer Austritt aus dem Euro eine "materielle Bedrohung" für die Gemeinschaftswährung, glaubt die Agentur. Denn er könnte eine "Kettenreaktion von Schocks im Finanzsektor und einen Liquiditätsdruck auf Staaten und Banken" auslösen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könne. Das Risiko werde von der Schuldenlast Spaniens und Italiens weiter erhöht.

Bundesregierung: Deutschland bleibt Stabilitätsanker

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (AP)"Nehmen die Meinung zur Kenntnis" - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (AP)Das Bundesfinanzministerium in Berlin versuchte zu beruhigen. Moody's vergebe für Deutschland weiter das Höchstrating - eine Bestätigung der anerkannten Stärken der deutschen Wirtschaft und Politik. Deutschland bleibe ein Stabilitätsanker für die Eurozone. Die Senkung des Ausblicks nehme man als "Meinung" zur Kenntnis. Zugleich kritisierte das Ministerium aber die Einschätzung: "Die Eurozone hat eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, die zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Eurozone führen werden."

Ähnlich die Ansicht des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer. Er riet im Deutschlandfunk dazu, die Absenkung des Ausblicks nicht überzubewerten. Es sei grundsätzlich keine Neuigkeit, dass auch Deutschlands Wirtschaftskraft seine Grenze habe.

Debatte über "Grexit"

Wirtschaftsminister Rösler und andere deutsche Politiker hatten laut über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nachgedacht. Doch nicht einmal innerhalb der FDP ist man da einer Meinung. Röslers Äußerungen seien "grob fahrlässig", meint der FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis. Wenn in Griechenland die Mehrwertsteuer auf 23 Prozent steige, könne man nicht behaupten, dort sei nichts passiert, sagte Chatzimarkakis im Deutschlandfunk. Als Vizekanzler und Wirtschaftsminister hätten Röslers Worte Gewicht an den Börsen. Deshalb müsse er auch die Verantwortung für daraus folgende negative Entwicklungen an den Märkten übernehmen, so der Abgeordnete im Europaparlament.

Wenig erfreut über die Gedankenspiele zeigt sich auch Evangelos Antonaros von der griechischen Regierungspartei Nea Dimokratia. Seine Landsleute seien "sehr irritiert" über die widersprüchlichen Töne aus Deutschland, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Athen wolle seine Hausaufgaben machen und zügig mit den Reformen vorangehen, aber "Geduld ist wichtig im Moment".

IWF: Lassen Griechenland nicht fallen

Der Internationale Währungsfonds hat Berichte zurückgewiesen, nach denen die Hilfen für Griechenland eingestellt werden könnten. Heute sollen Vertreter der sogenannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF nach Athen reisen. Die Experten sollen prüfen, inwieweit Griechenland die zugesagten Sparauflagen umsetzt. Vom Abschlussbericht der Troika wird abhängen, ob das Land weitere Kredite erhält.

Lutz Goebel, Vorsitzender des Verbandes der Familienunternehmer, hält einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für verkraftbar. "Die einzige Chance, die es dort gibt, ist, dass sie aus dem Euro aussteigen und somit wieder wettbewerbsfähig werden können", sagte Goebel im Deutschlandfunk.

Auch Spanien steht weiter unter Druck. Das Land muss immer höhere Risikoaufschläge für seine zehnjährigen Staatsanleihen zahlen. Gestern stiegen die Zinsen auf fast 7,5 Prozent. Ein solcher Wert gilt längerfristig als nicht tragbar für einen Staat.

Programmtipp

"Die Eurozone bleibt in diesen Wochen in höchstem Alarmzustand", meint "Le Monde" aus Frankreich. "Der Hilfsplan für die spanischen Banken hat keine Beruhigung gebracht. Es gilt außerdem, eine Katastrophe in Griechenland zu verhindern." Diese und andere Pressestimmen in der Internationalen Presseschau um 12.50 Uhr im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Sonntag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Hörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

ZeitforschungImmer schneller, immer mehr

Der Soziologe Hartmut Rosa hält unsere Gesellschaft für krank: Weil wir in immer kürzerer Zeit immer mehr erreichen wollen, rauben wir uns Zeit und Zufriedenheit. "Das ist vollständig bekloppt," sagt Rosa.

Folgen des Vietnam-Kriegs"Unglaubliche Kränkung für die USA"

Da Nang, Süd-Vietnam  (imago)

Vor 40 Jahren endete der Vietnam-Krieg mit einer Niederlage für die USA. Danach habe sich das US-Militär zunächst auf die Position zurückgezogen, sich nie wieder auf "kleine Kriege" dieser Art einzulassen, sagte der Historiker Bernd Greiner im DLF. Dann kam Afghanistan.

Das PhilosophiemagazinAuf den Hund gekommen?

Kostümierter Hund bei internationaler Hunde-Show "Eurasia - 2015" (picture alliance / dpa / Evgenya Novozhenina/)

Martin Balluch ebnet den Gattungsunterschied zwischen Tier und Mensch ein. Kuksi heißt der Hund, der immer an seiner Seite ist. Für ihn und alle anderen Vierbeiner hat der Österreicher das Buch „Der Hund und sein Philosoph" geschrieben. Er plädiert für die juristische Anerkennung von Tieren.

RomanGanz weit draußen

Wolken, Sterne, Galaxien: Manchmal wünscht man sich ganz weit raus. So wie Jeanette in "Weiter als der Himmel", die hinter ihrem Teleskop das Unsichtbare sucht. Der Roman von Pippa Goldschmidt ist das perfekte Buch für den Moment, in dem du dich hinaus ins weite Weltall wünschst.

Unterwandert von rechtsNeonazis im thüringischen Kloster Veßra

Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra besichtigen Besucher die denkmalgeschützte Anlage. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Ein Dorf wird nicht einfach so rechtsradikal. Wie bestehende Strukturen gezielt unterwandert werden, zeigt das Beispiel Kloster Veßra in Thüringen. Dort hat ein rechter Aktvist das Dorfgasthaus übernommen und einen neuen Szenetreff aufgebaut.

EU-Flüchtlingspolitik"Organisierte Nichtverantwortung"

Ein Dutzend Flüchtlinge drängen sich auf einem kleinen Boot im Mittelmeer, bevor sie auf das Schiff der Küstenwache gelangen können. (picture alliance / dpa / Alessandro Di Meo)

Der Soziologie Ludger Pries glaubt nicht daran, dass sich die EU künftig mehr um Flüchtlinge kümmert. Die Beschlüsse des EU-Gipfels zeigten, dass es um Abschottung gehe, sagte er im DLF. Er macht Vorschläge, wie die EU zu einer besseren gemeinsamen Flüchtlingspolitik kommen kann.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nepal:  Mehr als 2.500 Erdbeben-Tote | mehr

Kulturnachrichten

Erdbeben auch kulturgeschichtliche Katastrophe  | mehr

Wissensnachrichten

Namensstreit  Hersteller darf seine Brennstoffzelle weiter "Kraftwerk" nennen - auch wenn die Band dagegen ist | mehr