Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Tschernobyl - Die Reaktorkatastrophe und ihre Folgen

Sendungen in Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur

Blick auf die von einem Sarkophag umhüllte Reaktoranlage in Tschernobyl. (AP)
Blick auf die von einem Sarkophag umhüllte Reaktoranlage in Tschernobyl. (AP)

Die Chronik der Reaktorkatastrophe beginnt mit der Nacht vom 25. zum 26. April 1986, als im ukrainischen Lenin-Atomkraftwerk von Tschernobyl ein Experiment gestartet wird. Kurz nach Mitternacht unterläuft der Betriebsmannschaft ein Fehler, sie schaltet das Sicherheitssystem aus.

Innerhalb von Sekunden steigt die Leistung des Reaktors von Block 4 auf das 100-fache der Normalleistung. Eine Notabschaltung kann nichts mehr ändern, Block 4 explodiert. Der größte anzunehmende Unfall, für den wir inzwischen das Kürzel GAU gebrauchen, wird Wirklichkeit. GAU: Das ist die Realität des Unwahrscheinlichen, in der Mensch und Technik versagt haben wo sie niemals hätten versagen dürfen, weil die Folgen unabsehbar sind.

Bei der Explosion am 26. April wurde etwa ein Viertel der radioaktiven Stoffe sofort freigesetzt, der Rest gelangte im Laufe der nächsten 14 Tage in die Umwelt. Bedrohliche Radioaktivität, für menschliche Sinne nicht fassbar, verteilte sich in drei Wolken über Europa: zuerst über Polen nach Skandinavien, dann über Tschechien, Österreich nach Deutschland und weiter nach Frankreich und Großbritannien, eine dritte Wolke zog in den Süden Europas. Tief in das Bewusstsein der Menschen grub sich die unheimliche Gefährdung ein, die wie kaum sonst abhängig machte von verlässlichen Informationen. Bis heute werden die Defizite erinnert und mit möglichen und wirklichen Gesundheitsschäden in Verbindung gebracht.

In dem Feature "Happy Birthday, Tschernobyl" (Deutschlandradio Kultur, 22. April) wird dies am Beispiel der französischen Informationspolitik erzählt, in der damals von einer gefährdenden Strahlungswolke über unserem Nachbarland keine Rede war und damit auch Vorsichtsmaßnahmen verzichtbar erschienen. In dem Hörspiel "Tschernobyl oder die Woche, in der wir nicht draußen spielen durften" (Deutschlandradio Kultur, 24. April) ist der Schauplatz Deutschland. Der Autor hat nach akustischen Spurenelementen gesucht und ein Tagebuch jener Wochen erstellt, in denen "die Wolke" über Europa hing.

Mit Tschernobyl und seinen Folgen für die Bevölkerung in Europa wurde der Zweifel an der friedlichen Nutzung der Kernenergie und damit an einem zentralen wissenschaftlichen Heilsversprechen des 20. Jahrhunderts erwachsen. Aber dieser Zweifel braucht immer wieder Belege. So wendete sich IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs - vehement gegen eine eher moderate Studie der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom September 2005 (Deutschlandradio Kultur, 26. April, "Weltzeit") zur Bewertung genetischer Schäden und Fehlbildungen in Europa und stellte schwerwiegende Befunde dagegen. Deutschlandradio Kultur überträgt am 27. April in einer Aufzeichnung das von IPPNW veranstaltete Benifizkonzert zugunsten der Stiftung "Kinder von Tschernobyl".

Es ist heute nicht zu sagen, wie lange der "Unfall des Bewusstseins", den Kulturkritiker wie Paul Virillio und Swetlana Alexijewitsch in der Reaktorkatastrophe von 1986 sehen, als Menetekel der Moderne weiterwirken wird (Deutschlandradio Kultur, 26. April, "Zeitreisen"). Heilsversprechen haben, weil sie in die Zukunft wirken, eine eigene Dynamik und so wird im Ringen um eine nachhaltige Energiepolitik auch Tschernobyls Nachhaltigkeit immer wieder geprüft werden.


Deutschlandradio Kultur


Sa 22. April 18:05 Uhr
Feature
Happy Birthday, Tschernobyl
oder: Wie ich die Atomwolke überlebte, weil ich das Glück hatte, in Frankreich zu leben.

So 23. April 9:05 Uhr
Menschen und Landschaften
100 Kilometer vor Tschernobyl
Leben in Novosybkov

Mo 24. April 0:05 Uhr
Freispiel
Tschernobyl oder Die Woche, in der wir nicht draußen spielen durften

Di 25. April 11:10 Uhr
Radiofeuilleton
"Tschernobyl fängt erst an für uns"
Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch

Di 25. April 14:33 Uhr
Kritik
Ein Denkmal für unbekannte Helden
Igor Kostins bewegender Bildband "Tschernobyl Nahaufnahme"

Mi 26. April 5:45 Uhr
Kalenderblatt
Experiment mit Folgen
Vor 20 Jahren explodierte der Reaktor von Tschernobyl

Mi 26. April 13:07 Uhr
Länderreport
Die Aufregung war groß
Krisenmanagement und Konsequenzen in Deutschland

26. April 18:07 Uhr
Weltzeit
Alles halb so schlimm?
Eindrücke aus Tschernobyl und Umgebung

26. April 19:30 Uhr
Zeitreisen
Verblassendes Menetekel
Tschernobyl und die Zukunft der Atomkraft

27. April 20:03 Uhr
Konzert
Zum 20. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl
IPPNW-Benefizkonzert

Deutschlandfunk


Fr 7. April 19:15 Uhr
Dossier
Mythos oder Menetekel?
Der Streit um die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Sa 8. April 11:05 Uhr
Gesichter Europas
Wenn mit dem Wind die Angst kommt
Weißrussland 20 Jahre nach Tschernobyl

Do 20. April 16:35 Uhr
Forschung aktuell
Die ungezählten Opfer von Tschernobyl
Organisationen streiten weiter um Folgen der Reaktorkatastrophe

Mo 24. April 9:10 Uhr
Europa heute
Mehr Angst vor Moskau als vor dem Atom
Die Ukraine setzt auf Kernkraft

Mo 24. April 9:10 Uhr
Europa heute
Atomkraft - ja bitte
20 Jahre nach Tschernobyl regiert in Skandinavien das Vergessen

Di 25. April 11:35 Uhr
Umwelt und Verbraucher
Ein Risiko bleibt
Konferenz zur Tschernobyl-Katastrophe debattiert über Atommüllendlagerung

Mi 26. April 9:05 Uhr
Kalenderblatt
Experiment mit Folgen
Vor 20 Jahren explodierte der Reaktor von Tschernobyl

Mi 26. April 9:10 Uhr
Europa heute
Gewandelte Stimmung
Die Schweden fürchten die Atomkraft nicht mehr

Mi 26. April 16:35 Uhr
Arbeit für 100 Jahre
Die Sicherung des Tschernobyl-Reaktors dauert lange

Mi 26. April 18:40 Uhr
Hintergrund Politik
20 Jahre nach Tschernobyl
Wie sicher sind die Atomkraftwerke im Osten Europas?



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Gedenken an die Opfer von Tschernobyl

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:16 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Spielraum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Jesper Wung-Sung: "Weg mit Knut!"Mit der Macht der Fantasie überleben

Buchcover "Weg mit Knut!" von Jesper Wung-Sung. Im Hintergrund eine Kinderkrebsstation. (Hanser Verlag / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Ein Junge kämpft gegen den Krebs: William stellt sich in "Weg mit Knut!" der bedrohlichen Erkrankung, die er in seiner Fantasie zu einer Figur mit eigenem Namen macht. Jesper Wung-Sung erzählt diese besondere Krankheitsgeschichte sensibel und ohne Pathos.

KleidungDer Hoodie ist zurück

Der Kapuzenpulli ist wieder da - und zwar in der High Fashion und bei den Instagram Hipstern. Ursprünglich diente der Hoodie dazu Sportler warm zu halten, dann war er Lieblingspulli von HipHoppern und später von Studenten. Politische Bedeutung hat er auch. Wir sagen euch, wie ihr den Hoodie richtig stylt.

Korruption in EU-Staat"Die Rumänen vertrauen dieser Regierung nicht länger"

Die Europaabgeordnete und frühere rumänische Justizministerin Monica Macovei. (AFP / DANIEL MIHAILESCU)

Nach Ansicht der früheren rumänischen Justizministerin Monica Macovei verfügt das Land über sehr effiziente Antikorruptions-Institutionen. Das Problem: "Es gibt überhaupt keinen politischen Willen, die Korruption zu bekämpfen." Die Menschen würden deshalb weiter auf die Straße gehen, sagte Macovei im DLF.

Nudging bei FacebookSubtiles Stupsen gegen den Terror?

Eine Lupe vor einem Computer-Bildschirm mit Facebook-Logo. (picture alliance/dpa/Sergei Konkov TASS)

Facebook sucht nach Nutzern, die für Terror-Propaganda anfällig sind, und füttert sie ungefragt mit Gegendarstellungen. Geht das Unternehmen damit einer ethischen Pflicht nach oder ist das Manipulation? Das "Nudging" müsse öffentlich kontrolliert werden, fordert die Politologin Lena Ulbricht.

Wahlkampf in FrankreichFemen-Aktivistin stört Le-Pen-Veranstaltung

Eine Femen-Aktivistin störte die Pressekonferenz von Marine Le Pen. (Deutschlandradio/Anne Raith)

Es sollte eine präsidiale Pressekonferenz werden: Die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hatte zahlreiche Granden ihrer Partei und der internationalen Politik geladen, um ihre Pläne für die Außenpolitik zu skizzieren. Doch dann stürmte eine Femen-Aktivistin die Veranstaltung.

Ausstellung "Post Peace" in Stuttgart Der Krieg in unserem Frieden

Eines der Werke aus der Ausstellung "Post-Peace" im Württembergischen Kunstverein Stuttgart: belit sağ, "Ayhan and me / Ayhan ve ben" ("Ayhan und ich"), 2016 (belit sağ)

Die Stuttgarter Ausstellung "Post-Peace" zeigt Kunstwerke, die sich damit auseinandersetzen, wie viel Krieg in unserem Frieden steckt. Der Direktor des Württembergischen Kunstvereins, Hans D. Christ, beklagt Fälle von Zensur im Kunstbetrieb.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Weißes Haus schließt CNN, NYT und Politico von Briefing aus | mehr

Kulturnachrichten

Unesco vereinbart Schutz von irakischen Kulturgütern  | mehr

Wissensnachrichten

Nervengift VX  Ein Milligramm kann töten | mehr