Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Türkei rüstet an Grenze zu Syrien auf

Kampfflugzeug drängt syrischen Hubschrauber ab

Ein F-16-Jet im Einsatz (Archivbild)
Ein F-16-Jet im Einsatz (Archivbild) (picture alliance / dpa / EPA / Pantelis Saitas)

Die Spannungen zwischen Syrien und der Türkei lassen nicht nach: Die Regierung in Ankara hat weitere Kampfjets und Panzer an die Grenze entsandt. Ein NATO-Waffenexperte soll bei der Untersuchung der beschlagnahmten Fracht eines syrischen Flugzeugs helfen.

Die türkische Luftwaffe soll 15 Kampfjets aus anderen Landesteilen ins südostanatolische Diyarbakir entsandt haben, berichtet die türkische Tageszeitung "Hürriyet". Die Zahl der Panzer wurde um noch einmal 60 auf jetzt 250 erhöht. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge soll es außerdem zu einem weiteren Zusammenstoß an der türkisch-syrischen Grenze gekommen sein. Ein syrischer Hubschrauber habe sich demnach der Grenze genähert, um die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin zu bombardieren. Daraufhin habe ein türkisches Kampfflugzeug den Hubschrauber abgedrängt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte vor einer "Eskalationsspirale, an deren Ende dann ein Flächenbrand steht". Auf dem Rückweg von seiner dreitägigen China-Reise wolle er einen Zwischenstopp in der Türkei einlegen, um Ankara Deutschlands Unterstützung zuzusichern. "Es ist nicht akzeptabel, dass Waffen an das syrische Regime geliefert werden", betonte Westerwelle in Peking. Er wolle sich von seinem türkischen Amtskollegen Ahmet Davutoglu aus erster Hand die Hintergründe des Zwischenfalls schildern lassen. Auch der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi wird dort erwartet.

Moskau reagiert verärgert

Unterdessen hat die Türkei einen NATO-Waffenexperten hinzugezogen, um die Fracht des am Mittwoch abgefangenen syrischen Passagierflugzeugs zu untersuchen. Wie die Zeitung "Takvim" unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, soll geprüft werden, ob unter den beschlagnahmten Materialien Teile sind, die zu Raketensprengköpfen montiert werden können.

Die Türkei und Russland streiten um den Inhalt der zwölf beschlagnahmten Kisten. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan spricht von "militärischen Gütern", das Wort Waffen nimmt er aber nicht in den Mund. Eine russische Zeitung hingegen meldete, das Passagierflugzeug habe Teile eines Frühwarnsystems an Bord gehabt. Die Ladung sei für die Reisenden ungefährlich gewesen, sagte ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter der russischen Rüstungsbranche der Zeitung "Kommersant".

Der Zwischenfall ist deshalb brisant, weil das Flugzeug auf dem Weg von Moskau nach Damaskus war. Russland reagierte verärgert: Kremlchef Wladimir Putin sagte eine für Montag geplante Reise in die Türkei ab.

Damaskus: Erdogan "lügt"

Die erzwungene Landung hat die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei verschärft. Damaskus dementierte die türkischen Angaben und bezichtigte Erdogan der Lüge. "Der türkische Ministerpräsident führt seine Reihe lügenhafter Erklärungen fort, die darauf abzielen, das feindselige Verhalten seiner Regierung gegenüber Syrien zu rechtfertigen", erklärte das syrische Außenministerium.

Syriens Verkehrsminister Mahmud Said warf der Türkei "Luftpiraterie" vor. Was die Türkei getan habe, widerspreche allen Regeln und Bestimmungen der zivilen Luftfahrt, sagte Said dem libanesischen Fernsehsender Al-Manar.


Mehr zum Thema:

Neudeck wirft Assad-Regime barbarisches Tun vor - Leiter der Hilfsorganisation "Grünhelme" über die Lage in Syrien
Erdogans Spiel mit dem Feuer - Die Türkei lässt den Konflikt mit Syrien eskalieren
Warnung vor "sehr gefährlichen Überlegungen" im Konflikt mit Syrien - Sicherheitspolitiker Horst Teltschik spricht sich gegen NATO-Unterstützung für die Türkei aus
Türkei feuert wieder auf Ziele in Syrien - Gefecht im türkisch-syrischen Grenzgebiet

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

KryonikEiskalt in die Zukunft

Ärzte präparieren im Labor der Firma Alcor, der "Stiftung für Lebensverlängerung" in Scottsdale, Arizona, eine Leiche für die Konservierung.

Es gibt Menschen, die den Tod nicht als das Ende akzeptieren wollen. Sie lassen sich einfrieren und lagern in flüssigem Stickstoff bei Minus 196 Grad. Und hoffen, in der Zukunft wieder aufgetaut zu werden, wenn die Medizin Fortschritte gemacht hat.

Bündnis 90/Die Grünen Ein grässliches Jahr

Die Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sprechen am 10.01.2014 in Weimar (Thüringen) nach der Neujahrsklausur der Grünen- Bundestagsfraktion bei einer Pressekonferenz.

Bereits im Vorfeld der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen hat es Aufregung und Widersprüche innerhalb der Partei gegeben. In Hamburg wird am Freitag über Außen- und Klimapolitik beraten - und erneut über die Pädophilie-Vorwürfe. Die Grünen haben ab nächstem Jahr so Einiges vor.

KatarHässliche Kratzer auf der Oberfläche

Luftaufnahme von Doha in Katar am Persischen Golf

Katar ist ein kleines Land, das weltweite Diskussionen erregt, nicht zuletzt wegen der Fußball-WM 2022. Das Emirat pflegt Kontakte zu den Taliban und zur Hamas, aber auch zu den USA und Israel. Einblicke in einen Zwergenstaat der Superlative.

Europäische ZentralbankKritiker wollen "beim Umzug helfen"

Außenansicht des EZB-Neubaus in Frankfurt in der Abenddämmerung. Hinter einem langgestreckten Gebäude erhebt sich ein gewundener Turm.

Das linke Blockupy-Bündnis in Frankfurt am Main meldet sich wieder zu Wort. Vor gut zwei Jahren brachte es noch bis zu 10.000 Menschen gegen die europäische Sparpolitik auf die Straße. Ab heute wollen die Aktivisten wieder protestieren. Ihr Motto: "Umzug zur neuen EZB. Wir packen mit an!"

MuseenBerliner Architekten machen Gutbrod-Bau museumstauglich

Der Architekt Wilfried Kühn

Das Kunstgewerbemuseum, entworfen von Rolf Gutbrod in den 60er-Jahren, gilt vielen Kritikern als das hässlichste Museum Berlins. Nun ist es nach Entwürfen der Architekten Kühn und Malvezzi umgebaut - und dabei neu entdeckt worden.

LiteraturSchwabbeliges Geschreibe - Deutsche Romane am Pranger

Bücherwand mit einer Auswahl von Sachbüchern

Der Bielefelder Literaturwissenschaftler Ingo Meyer klagt er über den Verfall des deutschen Romans. Jeder schreibe inzwischen irgendwas, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Medien:  Vodafone-Tochter half Geheimdiensten beim Ausspähen | mehr

Kulturnachrichten

"Reifeprüfung"-Regisseur  Mike Nichols ist tot | mehr

Wissensnachrichten

Kunst  Norwegen bekommt stilvolle Pässe | mehr