Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Türkei schließt Grenzübergänge zu Syrien

UNO zieht die Hälfte ihrer Beobachter ab

Syrische Rebellen an einem Grenzübergang zur Türkei (picture alliance / dpa / Ugarit News)
Syrische Rebellen an einem Grenzübergang zur Türkei (picture alliance / dpa / Ugarit News)

Wegen der andauernden Kämpfe in Syrien hat die Türkei alle Grenzübergänge zu ihrem Nachbarland geschlossen. Die Vereinten Nationen kürzten ihre Beobachtermission, die Hälfte der 300 Blauhelmsoldaten haben das Land bereits verlassen. Regierungstruppen und Aufständische bekämpfen sich mit aller Härte.

In Syrien stehen die Hauptstadt Damaskus und die Wirtschaftsmetropole Aleppo den sechsten Tag in Folge unter schwerem Beschuss. Mit Kampfhubschraubern hat die Armee laut Regierungsgegnern einen Stadtteil im Süden von Damaskus beschossen. Auch in Aleppo erobert das Regime offenbar immer mehr Gebiete von den Rebellen zurück. Eine "große Anzahl von Soldaten" sei aus der Provinz Idlib abgezogen und nach Aleppo entsandt worden, sagte ein Sprecher des Militärrats der oppositionellen Freien Syrischen Armee der Nachrichtenagentur AFP. Gleichzeitig sollen immer mehr Freiwillige nach Aleppo strömen, die sich dem Kampf gegen das Assad-Regime anschließen wollen (mp3), berichtet Jürgen Stryjak im Deutschlandfunk.

Bis zu 30 Tote bei Massaker in Moschee

Zudem gibt es Berichte über ein Massaker an Gläubigen. Regierungstruppen sollen in einem Dorf nahe der Stadt Hama eine Moschee angegriffen haben. Laut Regierungsgegnern sind bis zu 30 Menschen bei dem Angriff getötet worden. Die Angaben können nicht überprüft werden, da die syrische Führung die meisten unabhängigen Medien in dem Land verboten hat.

UN-Blauhelme auf dem Rückzug

UN-Blauhelme in der syrischen Hauptstadt Damaskus (dpa / Syrian Arab News Agency)UN-Blauhelme in der syrischen Hauptstadt Damaskus (dpa / Syrian Arab News Agency)Unterdessen haben die Vereinten Nationen die Hälfte ihrer 300 Beobachter aus dem Land abgezogen. 150 Mitglieder der UN-Überwachungsmission hätten Syrien verlassen, sagten zwei der Beobachter in Damaskus der Nachrichtenagentur AFP. Sie seien gestern und heute ausgereist "und werden nicht zurückkommen", fügte einer der Beobachter hinzu.

Die Beobachtermission sollte eine Waffenruhe zwischen den Aufständischen und den Sicherheitskräften von Präsident Baschar al-Assad überwachen, die jedoch nie eingehalten wurde. Erst in der vergangenen Woche hatte der UN-Sicherheitsrat das Mandat für die Beobachter nach schwierigen Verhandlungen nochmals um 30 Tage verlängert. Die USA verwiesen allerdings darauf, dass die Verlängerung nur noch dazu diene, den Beobachtern einen "sicheren und geordneten Rückzug" zu ermöglichen.

Unruhe an syrischen Grenzen

Syrische Flüchtlinge im türkischen Lager Boynuyogun (picture alliance / dpa / Alexander Roth-Grisard)Syrische Flüchtlinge im türkischen Lager Boynuyogun (picture alliance / dpa / Alexander Roth-Grisard)Als erstes Nachbarland Syriens hat die Türkei ihre sieben Grenzposten geschlossen. Ausgenommen davon sind die Einreise von Flüchtlingen und türkischen Staatsbürgern und die Einfahrt von Handelsfahrzeugen. An den Grenzposten auf syrischer Seite hatte es in den vergangenen Tagen heftige Kämpfe zwischen Rebellen und der syrischen Armee gegeben. Ähnlich angespannt war die Lage im Grenzgebiet zum Irak, auch der Libanon kritisierte erstmals die Gewalt an der gemeinsamen Grenze.

In der Türkei trafen laut dem Außenministerium erneut zwei desertierte Generäle der syrischen Armee ein. Damit flohen bislang 27 ranghohe Deserteure in die Türkei. Das Land nahm zudem seit dem Beginn des Aufstands im März 2011 rund 44.000 syrische Flüchtlinge auf.

Tlass: Syrer müssen sich jetzt zusammenschließen

Manaf Tlass (rechts) war ein enger Vertrauter von Baschar al-Assad (Archiv) (picture alliance / dpa / Sana)Manaf Tlass (rechts) war ein enger Vertrauter von Baschar al-Assad (Archiv) (picture alliance / dpa / Sana)Der Anfang Juli desertierte syrische General und ehemalige Vertraute von Präsident Baschar al-Assad, Manaf Tlass, warf den Regierungstruppen Verbrechen vor. Das Regime sei korrupt, sagte der ins Ausland geflohene Tlass dem Sender al-Arabija.

Alle Syrier müssten gemeinsam auf eine neue Ära nach Assad hinarbeiten. Es sei "die Pflicht aller Syrer, sich zusammenzuschließen, um ein freies und demokratisches Syrien aufzubauen", forderte Tlasser. Der frühere hochrangige Kommandeur der Republikanischen Garden äußerte sich erstmals öffentlich.

Russland warnt Syrien vor Einsatz von Chemiewaffen

Sorge bereiten Diplomaten die Chemiewaffen, über die Assad verfügt. Nach Angaben der Rebellen wurden die Kampfstoffe an grenznahe Flughäfen des Landes verlegt. Ein Sprecher des syrischen Außenministeriums hatte am Dienstag die Verwendung von chemischen Kampfstoffen gegen "ausländische Aggressoren" nicht ausgeschlossen.

Mittlerweile warnte auch Russland Syrien vor dem Einsatz von Chemiewaffen. Das russische Außenministerium erklärte in Moskau, Syrien habe ein Konvention zum Verbot von Chemiewaffen unterzeichnet. Die russische Regierung erwarte, dass die Führung in Damaskus ihre internationalen Verpflichtungen einhalte.

Das syrische Regime ruderte dann auch wieder zurück. "Es hieß entschärfend: Nein, man werde auf keinen Fall biologische oder chemische Waffen einsetzen" (mp3), erklärte die Journalistin und Autorin Kristin Hellberg im Deutschlandfunk. "Diese Androhung mit den Chemiewaffen war nur mehr eine Reaktion auf die Spekulationen im Ausland."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:30 Uhr Essay und Diskurs

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Ölunfall im Golf von MexikoDie vergessene Katastrophe

Die brennende Ölplattform Deepwater Horizon im April 2010. (picture alliance / dpa / US Coast Guard)

Am 20. April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Bohrinsel Deepwater Horizon und löste die bislang schwerste Umweltkatastrophe in den USA aus. Fünf Jahre später liegen immer noch Teer-Klumpen an der Küste - und das Ausmaß der Katastrophe bleibt unklar.

Kino in Angola"Wir wollen unsere Säle zurück"

Uferstraße mit Skyline, aufgenommen am 26.03.2014 in Luanda in Angola. Zahlreiche Hochhäuser wachsen hinter der neugebauten Uferpromenade, der Bahia de Luanda in die Höhe. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Kino ist in dem afrikanischen Land Angola ein zentrales Kulturgut. Ein Bildband zeigt die vergangene Pracht und Bedeutung der "Cinemas Angolas" - es geht jetzt um ihre Rettung und um Angolas Seele, sagt Miguel Hurst, der ehemalige Leiter des dortigen Filminstituts.

Third Man RecordsVinyl is not dead

Mit seinem Plattenlabel haucht Jack White einer Untoten Leben ein: Third Man Records produziert nur Schallplatten und hat großen Erfolg damit. Die Vinylscheiben stehen hoch im Kurs bei Musikliebhabern.

Hillary ClintonKeine Königin der Transparenz, aber gut gerüstet

Hillary Clinton will US-Präsidentin werden. (AFP / Ronaldo Schemidt)

Es gebe viele Gründe, Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur zu misstrauen, meint Markus Feldenkirchen vom "Spiegel". Zum Beispiel wäre es schön, zu wissen wofür sie eigentlich inhaltlich stehe, vor allem innenpolitisch. Dennoch sei sie weit besser für das Amt gerüstet als all ihre Konkurrenten.

NationalsozialismusVom Wert erfahrungsgeschichtlicher Erinnerung

Bei der Gedenkveranstaltung vor dem Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz ist ein Überlebender des Holocaust auf einer großen Leinwand zu sehen. (afp / Odd Andersen)

Mit einer auf sieben Bände angelegten neuen Geschichte des "Dritten Reiches" will der Historiker Norbert Frei die Zeit des Nationalsozialismus für die jüngere Generation erfahrbar machen. Er will zeigen: "Es ist eine moderne Gesellschaft, die 1933 abstürzt."

TherapiePsychische Krankheiten viel früher erkennen

Wenn ein psychisch Erkrankter in Behandlung kommt, ist sein Leidensweg meist schon sehr lang, Erkrankungen wie etwa Depression oder Schizophrenie sind stigmatisiert. Forscher arbeiten an Möglichkeiten, psychische Krankheiten viel früher zu erkennen, um sie besser behandeln, vielleicht sogar ganz vermeiden zu können. 

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erneut Flüchtlingsboot  im Mittelmeer gekentert | mehr

Kulturnachrichten

R&B-Sänger Johnny Kemp ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Weltraum  Espresso-Maschine auf ISS angekommen | mehr