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Türkische Polizei löst neue Massendemonstrationen auf

Erdogans Gegner wurden gewaltsam vom Taksim-Platz vertrieben

Demonstranten auf dem Taksim-Platz (picture alliance / abaca / ABACA)
Demonstranten auf dem Taksim-Platz (picture alliance / abaca / ABACA)

Sechs Tage lang war die Lage auf dem Taksim-Platz in Istanbul relativ ruhig – bis die Polizei am Abend wieder Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten einsetzte. Diese hatten friedlich gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan protestiert.

Zum ersten Mal seit knapp einer Woche hatten sich in Istanbul wieder Zehntausende zu einer Großdemonstration auf dem Taksim-Platz zusammengefunden. Die Menschen riefen Parolen wie "Taksim ist überall" und "das ist nur der Anfang". Dabei blockierten sie Zugänge zu dem zentralen Platz, auch der Verkehr kam zum Erliegen. Die türkische Polizei rief die Demonstranten deswegen dazu auf, die Straßen an dem Platz freizugeben.

Demonstranten: Polizisten, verratet eure eigenen Leute nicht

Da die Protestbewegung der Aufforderung nicht nachkam, begann die Polizei, den Platz zu räumen. Demonstranten riefen "Polizisten, verratet eure eigenen Leute nicht". Vereinzelt warfen sie Flaschen auf Beamte und Wasserwerfer – zum Teil auch Blumen. In den sozialen Netzwerken, über die sich die Demonstranten wie schon bei ihren Protesten zuvor organisiert hatten, war dazu aufgerufen worden, rote Nelken mitzubringen. Sie stehen für die Arbeiterbewegung.

Nach Mitternacht gelang es der Polizei, den Taksim-Platz unter ihre Kontrolle zu bringen – er wurde zunächst abgeriegelt und dann wieder für den Verkehr geöffnet. Am Rande des Platzes waren jedoch weiter Demonstranten zu sehen, die friedlich beisammenstanden. Auch in der Hauptstadt Ankara gingen wieder Menschen gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf die Straße. "Niemand hatte mit diesem Aufstand gerechnet - weder Erdogan noch seine Gegner, weder Politikwissenschaftler noch Soziologen", ordnet der Istanbuler Politikwissenschaftler Birol Caymaz die seit Wochen andauernden Proteste ein. "Wir alle sind überrascht von dieser Generation, die als apolitisch galt. Das hier ist ihr Aufstand."

Friedliche Proteste auch in Deutschland

Proteste gegen Erdogan auf dem Heumarkt in Köln. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)Proteste gegen Erdogan auf dem Heumarkt in Köln. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)Das gewaltsame Vorgehen der türkischen Regierung gegen die friedlichen Demonstranten hat auch zehntausende Menschen in Deutschland auf die Straßen gebracht. In Köln demonstrierten gestern rund 30.000 bis 40.000 Menschen gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Die Kundgebung hatte das Motto "Überall ist Taksim". Die Demonstranten hielten Transparente mit Parolen wie "Erdogan, der Wolf im Schafspelz" und forderten seinen Rücktritt und anschließend Neuwahlen in der Türkei.

In Istanbul hatte es zuletzt vergangenen Sonntag schwere Zusammenstöße gegeben. In der Hauptstadt Ankara und anderen türkischen Städten war es dagegen auch in den vergangenen Tagen noch zu Auseinandersetzungen gekommen. Sie zeigen, wie sehr die türkische Gesellschaft gespalten ist: Während Erdogan sich in erster Linie auf religiöse Konservative stützt, gehen vor allem liberale Türken gegen ihn auf die Straße.

Erdogan nennt Demonstranten "Terroristen"

Die türkische Regierung steht wegen der gewaltsamen Polizeiaktionen international in der Kritik. Die Bundesregierung tritt bei den Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei auf die Bremse. Das hatte in den vergangenen Tagen für diplomatische Verstimmungen gesorgt. Regierungschef Erdogan weigert sich jedoch weiter, einzulenken. Die überwiegend friedlichen Demonstranten nannte er "Terroristen" und "Gesindel".

Gut drei Wochen dauern die Proteste in der Türkei nun schon an. Auslöser waren Pläne der Regierung, den Gezi-Park im Zentrum Istanbuls zu bebauen.

Programmhinweis: In der Sendung Kontroversgeht es am Montag auch um das Thema "Europa, Erdogan und die Protestbewegung"


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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