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Tunesien hat die freie Wahl

Großer Andrang bei erstem unabhängigen Urnengang in der Geschichte des Landes

Es sind die ersten freien Wahlen in Tunesien seit der Unabhängigkeit vor 50 Jahren. (picture alliance / dpa / Zacarias Garcia)
Es sind die ersten freien Wahlen in Tunesien seit der Unabhängigkeit vor 50 Jahren. (picture alliance / dpa / Zacarias Garcia)

Neun Monate nach dem Sturz des Diktators Ben Ali wird heute in Tunesien die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt. Vor einzelnen Stimmlokalen bildeten sich bereits kurz nach der Öffnung lange Schlangen.

Erstmals seit der Unabhängigkeit von Frankreich vor mehr als 50 Jahren sind rund sieben Millionen Wahlberechtigte zur freien Stimmabgabe aufgerufen. Nicht nur das Interesse der Wähler, auch die Beteiligung der Kandidaten ist groß: 11.618 Tunesier in mehr als 100 Parteien bewerben sich um einen der 217 Plätze in der Nationalversammlung, die eine Übergangsregierung bestimmen und ein Grundgesetz erarbeiten soll. Nach spätestens zwölf Monaten sollen dann reguläre Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Islamisten könnten bis zu ein Drittel der Stimmen erhalten

Mit Spannung wird erwartet, welches politische Lager die Mehrheit in der Versammlung stellen wird. Neben linken und liberalen Parteien sowie Ablegern der früheren Regierungspartei RCD wirbt auch die islamistische Ennahda-Bewegung um die Gunst der Wähler.

Mit 20 bis 30 Prozent der Stimmen könnte sie Umfragen zufolge stärkste Einzelpartei werden. Da sie nur wenige potenzielle Koalitionspartner hat, werden ihr allerding nur wenig Chancen auf die politische Führung eingeräumt.

Inwieweit die Bewegung dennoch politischen Einfluss in Tunesien ausüben wird, ist der SPD-Politikerin Herta Däubler-Gmelin zufolge ungewiss. "Die offizielle Führung der Ennahda-Partei sagt natürlich, dass sie selbst auf die Trennung von Religion und Staat Wert legen", so Däubler-Gmelin im Deutschlandradio Kultur. Es könne jedoch sein, dass die Parteimitglieder nach der Wahl "von eher traditionell muslimischen Kreisen unter Druck gesetzt werden".

Die Wahllokale schließen um 20 Uhr unserer Zeit. Die Ergebnisse aus den 27 tunesischen Wahlkreisen werden morgen erwartet.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Ex-Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin über die politische Situation in Tunesien (DKultur)



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

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