Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ukraine droht ein Patt

Nach Hochrechnungen hat Oppositionsführer Janukowitsch die Stichwahl in der Ukraine gewonnen

Wahlhelfer leeren in einem Kiewer Wahllokal eine Urne. (AP)
Wahlhelfer leeren in einem Kiewer Wahllokal eine Urne. (AP)

Der ukrainische Oppositionsführer Janukowitsch hat nach dem derzeitigen Stand der Auszählung die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Wie die zentrale Wahlkommission in Kiew mitteilte, kann Janukowitsch mit rund 48,6 Prozent der Stimmen rechnen. Seine Rivalin, Regierungschefin Timoschenko, kommt demnach auf etwa 45,8 Prozent.

Ausgewertet sind rund 90 Prozent der Wahllokale. In einem Fernsehinterview beanspruchte Janukowitsch den Sieg für sich. Er war bereits nach der Abstimmung 2004 zunächst zum Sieger erklärt worden. Nach wochenlangen Protesten wegen Wahlfälschung ordnete das Oberste Gericht der Ukraine eine Neuwahl an, die der damalige Oppositionschef Juschtschenko gewann.

Erbitterter Wahlkampf: Auch über den Wahltag hinaus?

Julia Timoschenko und Viktor Janukowitsch hatten sich einen erbitterten Wahlkampf geliefert, in dem sich beide gegenseitig mit Schmähungen überzogen. Die beiden waren nach einer ersten Wahl, bei der der amtierende Präsident Viktor Juschtschenko ausschied, in die Stichwahl gekommen.

Der ukrainische Regierungschef Viktor Janukowitsch (AP)Viktor Janukowitsch, nach Hochrechnungen der Wahlsieger der Stichwahl. (AP)Doch auch nach dem Duell um das Präsidentenamt droht der Ukraine wieder ein Patt, eine erneute Hängepartie mit ungewissem Ausgang: Nach Presseberichten bereitet sich der "Block Julija Timoschenko" darauf vor, das Ergebnis der Wahl vor Gericht anfechten zu lassen.

"Ich hoffe, dass die beiden Kontrahenten erkennen, dass sie eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft dieses Landes haben", unterstreicht der SPD-Politiker Gert Weisskirchen im Deutschlandfunk. Die Wähler in der Ukraine seien der Auseinandersetzung müde. Dies bestätigte auch die Europaparlamentarierin Barbara Weiler (SPD), Mitglied der EU-Wahlbeobachterdelegation, im Deutschlandfunk: Sie stellte eine gedämpfte Stimmung bei den Wählern fest.

Ernüchternde Realität

Die ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko gibt in Kiew eine Erklärung ab. (AP)Julia Timoschenko, amtierende Premierministerin, hat die Wahl wohl verloren. (AP)Bei der Wahl erinnert nur noch wenig an die Euphorie der "Orangenen Revolution", die vor fünf Jahren stattfand: Damals wollten die Bürger der Ukraine Demokratie - und bekamen vor allem Probleme: politische, soziale, wirtschaftliche.

Die Ukraine leidet vor allem unter der schweren wirtschaftlichen Lage: Zwar erwartete Osteuropabank-Präsident Thomas Mirow im Interview mit dem Deutschlandfunk keinen Staatsbankrott im Osten Europas, aber vor allem die Lage in der Ukraine sei kompliziert.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Der jüdische EruvWas die Schnur an Manhattans Straßenlaternen bedeutet

Straße in Manhattan, durch die Luft gespannt und an einer Laterne befestigt ist ein dünner Nylonfaden. (Kai Clement)

Der Eruv spannt sich in einem Teil Manhattans von Laternenmast zu Laternenmast. Der Nylonfaden ist fast unsichtbar und erleichtert doch das Leben vieler orthodoxer Juden, die hier leben. Korrespondent Kai Clement war bei der wöchentlichen Kontrolle dabei.

Die Krim nach der AnnexionLeben mit Sanktionen

Ein Bogen wird an der Brücke über die Meerenge von Kertsch errichtet. Die Brücke soll einmal 19 Kilometer lang werden und Russland mit der Halbinsel Krim verbinden. (imago / Sergei Malgavko / TASS)

Das Leben auf der Krim dreieinhalb Jahre nach der russischen Annexion: Güter müssen aufgrund der Sanktionen per Flugzeug oder Fähre aus Russland angeliefert werden, was sie teuer macht. Die Tourismussaison war ein Flop. Doch die meisten Menschen sind guter Dinge. Gegen Kritiker wird allerdings mit aller Härte vorgegangen.

Pro Quote Bühne "Das Publikum hat ein Recht auf Qualität und Vielfalt"

Die Schauspieler Marcel Kohler und Lorna Ishema bei einer Fotoprobe zum Theaterstück "Unterwerfung" 2016 im Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Theater werden zu 80 Prozent von Männern geleitet. Nur bei den Souffleusen, also im Niedriglohnbereich, ist das Verhältnis umgekehrt. Angelika Zacek vom Verein Pro Quote Bühne fordert die Häuser auf, in der nächsten Spielzeit 50 Prozent Regisseurinnen zu engagieren.

Per Molander: "Die Anatomie der Ungleichheit"So entsteht Armut - und setzt sich fort

Vordergrund: Buchcover von Per Molanders "Die Anatomie der Ungleichheit". Hintergrund: Ein Mann kniet auf einem belebten Bürgersteig und bettelt. (Westend Verlag, dpa picture alliance/ Markus C. Hurek)

Je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto ineffizienter ist sie auch. Diese These kann der Mathematiker Per Molander in "Die Anatomie der Ungleichheit" eindrucksvoll belegen. Und hat auch Vorschläge, wie sich der Mangel reduzieren lässt.

Sexismus-Debatte"Wir reden über Sexismus ja schon seit 50 Jahren"

Ein Smartphone mit dem Hashtag "#MeToo" (dpa-Zentralbild)

Kompliment oder sexistische Bemerkung? Der Fall der Staatssekretärin Sawsan Chebli hat eine erneute Sexismus-Debatte in Gang gesetzt. Die Soziologin Sabine Hark sagte im Dlf, noch immer werde nur Männlichkeit mit Kompetenz konnotiert - Weiblichkeit jedoch nicht. Auf diese Zuschreibungen habe auch die Sprache Einfluss.

Kunstauszeichnung in BerlinAgnieszka Polska bekommt Preis der Nationalgalerie

(© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA)

Der Preis der Nationalgalerie 2017 geht an die in Berlin lebende polnische Künstlerin Agnieszka Polska. Unser Kunstkritiker Carsten Probst begrüßt die Entscheidung: Polska habe als einzige der Nominierten einen völlig eigenständigen künstlerischen Stil hervorgebracht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

BMW  Keine neuen Kooperationen mehr mit Wettbewerbern geplant | mehr

Kulturnachrichten

Nina Hoss erhält Braunschweiger Filmpreis | mehr

 

| mehr