Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ultimatum an Rebellen im Kongo

Nachbarländer wollen anderenfalls einmarschieren

M23-Rebellen am Tag nach der Einnahme von Goma, Kongo (picture alliance / dpa / Tim Freccia)
M23-Rebellen am Tag nach der Einnahme von Goma, Kongo (picture alliance / dpa / Tim Freccia)

Die Nachbarländer der Demokratischen Republik Kongo drohen mit einem militärischen Eingreifen gegen die Rebellengruppe M23. Sie geben den Milizen zwei Tage Zeit, sich aus der Stadt Goma zurückziehen. Die UNO erwägt den Einsatz unbewaffneter Drohnen.

Auf der Internationalen Konferenz der Großen Seen Afrikas in der ugandischen Hauptstadt Kampala sprachen die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs ein Ultimatum aus. Innerhalb von 48 Stunden sollen sich die Rebellen mindestens 20 Kilometer nach Norden aus der Provinzhauptstadt Goma zurückziehen. Andernfalls würden Truppen entsandt. Das sagte der Außenminister Ugandas, Sam Kutesa, nach dem Gipfel.

Die Vereinten Nationen erwägen nach Angaben eines Sprechers, unbewaffnete Drohnen zur Überwachung des umkämpften Ostkongos einzusetzen. Ihre Informationen sollen den Schutz der Zivilbevölkerung vor Angriffen verbessern, sagte ein Sprecher der UN-Abteilung für Friedenserhaltende Maßnahmen in New York der Nachrichtenagentur dpa. Ein entsprechender Vorschlag werde dem Sicherheitsrat in dieser Woche unterbreitet.

Die Rebellen teilten unterdessen mit, sie hätten Goma bereits geräumt. Nachdem die Stadt von der M23 "entmilitarisiert" worden sei, hätten nun Militär und Polizei die Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen, sagte ein Sprecher der Miliz der Nachrichtenagentur AFP. Zuletzt hatten die Aufständischen direkte Friedensgespräche mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila zur Bedingung eines Rückzugs aus Goma gemacht.

Ruanda und Uganda sollen Rebellen unterstützen

Kabila zählt zu den Teilnehmern des Gipfels, an dem auch die Staatschefs von Kenia, Tansania und Uganda teilnahmen. Der ruandische Staatschef Paul Kagame ließ sich von seiner Außenministerin Louise Mushikiwabo vertreten. Sowohl Ruanda als auch Uganda werden beschuldigt, die Rebellenmiliz M23 zu unterstützen, was die Regierungen jedoch bestreiten.

Die Rebellentruppe M23 hat sich erst im April formiert und zählt über 5000 Mann. Zu den Kommandeuren gehören zahlreiche Ex-Mitglieder der Miliz CNDP, deren Anführer der vom UN Kriegsverbrechertribunal gesuchte Kriegsfürst Bosco Ntaganda war. In einerDeutschlandfunk-Reportage über die Rebellen erklärt ein Sprecher, warum sich die Milizen M23 nennen:

"Unser Name, M23, leitet sich vom Datum des 23. März 2009 ab, als wir das Abkommen mit der Regierung geschlossen hatten. Es umfasst einige, für uns wichtige Punkte. Zum Beispiel die Bekämpfung bestimmter Rebellen und ein Rückkehrrecht für alle kongolesischen Flüchtlinge aus den Nachbarländern in ihre Heimat. Doch keiner der Punkte wurde erfüllt."

Kampf um ein rohstoffreiches Gebiet

Flüchtlinge im Kongo auf der Flucht (picture alliance / dpa / Alain Wandimoyi)Flüchtlinge im Kongo auf der Flucht (picture alliance / dpa / Alain Wandimoyi)Die jüngsten Kämpfe im rohstoffreichen Osten des Kongo hatten vor rund einer Woche begonnen. Diamanten, Kupfer und das für die Mobilfunkindustrie wichtige Coltan werden in der Region abgebaut. Am Dienstag hatten die Rebellen Goma, das an der Grenze zu Ruanda liegt, in einer Offensive eingenommen und die Regierungstruppen vertrieben. Tags darauf nahmen sie die Stadt Sake ein. Aus Angst vor dem Konflikt sind zehntausende Menschen auf der Flucht.


Weitere Informationen auf dradio.de:

Immer mehr Kindersoldaten im Kongo
Hilfsorganisation Oxfam: Kampf um Bodenschätze wird auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen (Interview)

"Gott behüte die Raia Mutomboki"
Im Ostkongo wehren sich Dorfmilizen verzweifelt gegen Rebellenübergriffe

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:40 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Weltzeit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

KatholikentagLöhrmann begrüßt AfD-Ausschluss

Sylvia Löhrmann (Die Grünen), Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen. (imago / IPON)

AfD-Politiker sind bereits im Vorfeld von den Diskussionen des 100. Deutschen Katholikentages ausgeschlossen worden. Sylvia Löhrmann, Grünen-Politikerin und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, hält das für richtig. Die Katholische Kirche stehe für eine humane Flüchtlingspolitik, und die AfD bekämpfe diese in Teilen, sagte sie im DLF.

PopulismusWir sind ein Land der Opfer geworden

Teilnehmer einer Kundgebung der fremden- und islamfeindlichen Pegida haben sich am Königsufer in Dresden versammelt. (Hendrik Schmidt, dpa picture-alliance)

Populistische Bewegungen und Parteien erleben in Europa wieder starken Aufwind - von rechts wie von links. Deren Botschaft lautet "Ihr seid Opfer, und wir sind die Einzigen, die euch verstehen", meint der Philosoph Christian Schüle. Einen Ausweg sieht er nur in mühsamer Demokratie-Arbeit.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

Haseloff zum Integrationsgesetz"Sonst verlieren wir die Unterstützung der Menschen"

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU). (imago / Simone Kuhlmey)

Reiner Haseloff sieht im geplanten Integrationsgesetz "die richtigen Schwerpunkte gesetzt". Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt fordert aber eine stärkere Beteiligung des Bundes an den Kosten der Integration. "Wenn wir kommunale Aufgaben nicht mehr erfüllen können, verlieren wir die Unterstützung der Menschen", sagte er im Deutschlandfunk.

VenezuelaIn den Supermärkten fehlt es an allem

Sie sehen eine Frau, die einen Fisch putzt, rechts und links stehen Kinder. (AFP / Juan Barreto)

Der Leiter des Büros der Friedrich Ebert Stiftung (FES) in Caracas, Benjamin Reichenbach, sieht Venezuela nah am Staatsbankrott. Es komme zu Protesten und Plünderungen, weil es an Lebensmitteln fehle und das Land aus der Wirtschaftskrise nicht herauskomme.

Goethe-Institut in NowosibirskTheater in der Dunkelkammer

"Küchengespräche" auf der Bühne in der als "Dunkelkammer" eingerichteten mobilen Bühne in einem Kaufhaus in Nowosibirsk. (Goethe-Institut Nowosibirsk / Alexej Ziller)

Im sechsten Stock eines Luxuskaufhauses im sibirischen Nowosibirsk richteten Berliner Theatermacher eine "Dunkelkammer" ein. Dort luden sie Experten und Zuschauer zu "Küchengesprächen" über Totalitarismus und den russischen Aktionskünstler Pjotr Pawlenski ein.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Katholikentag  Gauck dankt Christen für "selbstlosen Einsatz" | mehr

Kulturnachrichten

Kassel erwirbt unbekannte Gebrüder Grimm-Briefe  | mehr

Wissensnachrichten

Wohnen  Hotel Mama liegt voll im Trend | mehr