Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

UN-Behörde warnt vor Rezession in Europa

Arbeitsorganisation: Sparpolitik schafft keine neue Jobs

ILO warnt vor Folgen der Sparpolitik für den Arbeitsmarkt (AP)
ILO warnt vor Folgen der Sparpolitik für den Arbeitsmarkt (AP)

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt vor "zerstörerischen Auswirkungen" der Sparpolitik in kriselnden EU-Staaten auf den Arbeitsmarkt. Die Maßnahmen seien bislang "kontraproduktiv" gewesen. Ohne Wachstumsimpulse drohten Rezession und Unruhen.

Sparmaßnahmen als Antwort auf die Staatsschuldenkrise haben nach Ansicht der ILO in vielen Euro-Ländern wenig gebracht. "Die Strategie des Sparens und Regulierens sollte zu mehr Wachstum führen, was jedoch nicht geschieht", sagte der ILO-Direktor für internationale Arbeitsmarktstudien, Raymond Torres. Mehrere Euro-Länder sind am Sparkurs gescheitert.

Trotz aller Kürzungen hätten die Regierungen ihre Sparziele verfehlt, heißt es in dem Arbeitsmarktbericht, der heute in Genf vorgestellt wurde. Wenn die "wenig durchdachte" Sparpolitik nicht bald durch Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen kombiniert werde, drohten Unruhen. Weltweit erreicht die Arbeitslosigkeit einen Höchstwert.

Der Euro in der Krise (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Euro-Länder verzeichnen mehr Arbeitslose (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)Als Beispiel nennt der Bericht Spanien. Dort sei das Haushaltsdefizit trotz drastischer Einsparungen nur von rund neun Prozent im Jahr 2010 auf 8,5 Prozent 2011 gesunken. Das Land hat die höchste Arbeitslosigkeit in Europa. Jeder zweite Jugendliche hat keinen Job. Im Vergleich: Deutschland hat mit 8,3 Prozent die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit.

In zwei Dritteln der europäischen Länder wächst laut ILO seit zwei Jahren die Arbeitslosigkeit. "Der schmale Fokus vieler Staaten der Eurozone auf Sparprogramme vertieft die Jobkrise und könnte sogar zu einer neuen Rezession in Europa führen", warnte Torres.

Aussicht auf Wachstumspakt

Michel Barnier, französischer Außenminister nach seinem Treffen mit Präsident Chirac, 5.9.2004 (AP)EU-Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier (AP)Nach der wachsenden Kritik am strikten EU-Sparkurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind neue Maßnahmen in Aussicht gestellt worden. Der Fiskalpakt mit seiner Schuldenbremse solle um einen Wachstumspaket ergänzt werden, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier der Zeitung "Die Welt".

"Wir müssen auch Arbeitsplätze schaffen, wettbewerbsfähiger werden und zum Wachstum zurückfinden." Dies sei nun die Herausforderung für die Euro-Zone. "Kurzfristig wirksam wäre beispielsweise die Ausweitung der Förderung durch die Europäische Investitionsbank."

Auch die Kanzlerin will beim EU-Gipfel im Juni das Thema Wachstum auf die Agenda setzen. Die Finanzpolitik allein reiche nicht aus. Mit Wachstum und Beschäftigung sollten die Staaten wieder wettbewerbsfähig gemacht werden, "aber nicht wieder ein Wachstum auf Pump".

Schärfster Kritiker der Kanzlerin ist der aussichtsreiche Kandidat für das französische Präsidentenamt, François Hollande. Wird bei den Stichwahlen am 6. Mai zum Präsidenten gewählt, will er den Fiskalpakt neu verhandeln. Merkel bewege sich beim Sparkurs, sagte Hollande dem Radiosender J. Der Sozialist rechne damit, dass Merkel sich nach der Stichwahl in Frankreich "noch einmal bewegen" werde.

US-Notenbank besorgt über Euro-Krise

Auch die blicken voller Sorge nach Europa. "Ich bin sehr besorgt über das Risiko einer neuerlichen Verschärfung in der Schuldensituation der europäischen Staaten und im europäischen Finanzsystem", sagte John Williams, Vorstandsmitglied der US-Notenbank, dem "Handelsblatt". "Das Schlimmste ist noch nicht vorbei." Er sei skeptisch, ob der drastische Sparkurs in vielen europäischen Ländern der richtige Weg zur Lösung der Krise ist.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Religionen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz"Der bildungspolitische Flickenteppich gehört abgeschafft"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz präsentiert am 16.07.2017 in Berlin seinen Zukunftsplan "Das moderne Deutschland - Zukunft, Gerechtigkeit, Europa" (dpa / picture alliance / Maurizio Gambarini)

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fordert eine umfassende Bildungsreform: "Ich will den Föderalismus nicht abschaffen, aber ihn ermutigen, dass wir zu gemeinsamen national verbindlichen Zielen kommen", erklärte Schulz im Deutschlandfunk.

Große Reden, große Redner?Kritische Kunst aus Propagandaplatten

Die Klangkünstler Dani Gal und Achim Lenger (privat)

In manchen Reden verdichten sich Schlüsselmomente der Zeitgeschichte. Aber welche Bedeutung hat die Redekunst in einer Zeit, in der Politik von immer schneller zirkulierenden Bildern vermittelt wird? Und welche Wirkung kann das gesprochene Wort noch positiv wie negativ entfalten, wenn die Bilder fehlen?

Kunsthalle Baden-BadenLiang Shuo ist nur mit einer Idee angereist

In der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden (Baden-Württemberg) wird am 19.07.2017 die Plastik ·DISTANT tantamount MOUNTAIN· des chinesischen Künstlers Liang Shuo aus dem Jahr 2017 gezeigt.  (dpa-Bildfunk / Uli Deck)

Mit ausgedienten Brettern und Planken hat der chinesische Künstler Liang Shuo die Kunsthalle der Kurstadt Baden-Baden in eine begehbare Berglandschaft verwandelt. Dazu hat sich der 41-Jährige vor Ort inspirieren lassen.

Neue deutsche TürkeipolitikMit Erdogan darf es keine Beitrittsgespräche geben

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD). (Kay Nietfeld/dpa)

Die Luft ist dick zwischen Deutschland und der Türkei, meint Michael Thumann im Dlf. Außenminister Sigmar Gabriel habe diese Woche die finanziellen Daumenschrauben ausgepackt. Auch die EU stehe vor einer klaren Entscheidung.

Kräfteverhältnisse vor der WahlAlles Merkel – oder was?

Angela Merkel steht in einem hellblauen Blazer am Rednerpult des Bundestags. (dpa/Bernd von Jutrczenka)

Kritik, Attacken und Gemeinheiten - all das scheint Angela Merkel nichts auszumachen. Vor der Wahl im September zieht bislang keine Angriffstaktik der anderen Parteien. Der Politikwissenschaftler Thorsten Faas spricht über das "Phänomen Merkel".

Holyday SicknessDie erfundene Urlaubskrankheit

Eine Strandaußenaufnahme (imago / CHROMORANGE)

Vor allem britische Urlauber verklagen Reiseveranstalter, weil sie sich im Urlaub an einer Magen-Darm-Grippe angesteckt haben - angeblich. Die Regierung will dagegen vorgehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Erdogan betont Rechtsstaatlichkeit seines Landes | mehr

Kulturnachrichten

Affleck will weiter Batman spielen  | mehr

 

| mehr