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UN: Geld für Syrien-Nothilfe bleibt aus

Heftige Kämpfe in Damaskus

Das Rote Kreuz spricht inzwischen von einem Bürgerkrieg in Syrien (picture alliance / dpa / Local Coordination Committes Lcc)
Das Rote Kreuz spricht inzwischen von einem Bürgerkrieg in Syrien (picture alliance / dpa / Local Coordination Committes Lcc)

Angesichts der schwachen Spendenbereitschaft von Geberstaaten haben die Vereinten Nationen vor einer akuten Lücke bei der Finanzierung humanitärer Hilfe für Syrien gewarnt. Bisher sei erst ein Fünftel der zugesagten Beträge eingegangen.

Trotz anderslautender Zusagen hätten Regierungen bislang nur 21 Prozent der erbetenen 180 Millionen Dollar (147 Millionen Euro) für humanitäre Hilfe in Syrien bereitgestellt, sagte der Chef des UN-Nothilfeorganisation OCHA, John Ging. Auch von den für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in Nachbarländern benötigten 193 Millionen Dollar (157 Millionen Euro) seien lediglich 20 Prozent überwiesen worden.

In Syrien sind UN-Schätzungen zufolge mehr als 1,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe wie Nahrungsmittel und Medikamente angewiesen. OCHA unterstützt zudem mehr als 100.000 Flüchtlinge in Nachbarländern wie der Türkei.

"Wir haben die Lage als 'entsetzlich, ausweglos und kläglich' beschrieben", sagte Ging in Genf. "Langsam finden wir keine Worte mehr, um zu beschreiben, was die syrische Bevölkerung durchmacht." Zudem werde die Nothilfe in Syrien durchSicherheitsprobleme und Behinderungen durch syrische Behörden behindert, berichteten internationale Hilfsorganisationen bei einem Treffen in Genf.

Tote bei Gefechten in Damaskus

Eine Artilleriegranate auf einer Straße in einem Wohnviertel von Homs, Syrien (picture alliance / dpa / David Manyua / UNO)Die Gefechte zwischen Regierungstruppen und Aufständischen in Damaskus haben sich offenbar zugespitzt (picture alliance / dpa / David Manyua / UNO)Unterdessen ist die syrische Hauptstadt Damaskus ist nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten von den heftigsten Kämpfen seit dem Beginn der Rebellion im März 2011 erschüttert worden. Regierungstruppen feuere Mörsergranaten auf Stadtteile, in denen sich Kämpfer der Freien Syrischen Armee verschanzt hätten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Es habe in mehreren Bezirken bewaffnete Auseinandersetzungen gegeben, sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Mehrere Zivilisten sollen getötet worden sein.

Die örtlichen Koordinierungskomitees der Aufständischen berichteten von schwarzem Rauch über dem Stadtteil Tadamon und von lauten Explosionen in Nar Aischa. Nach Berichten von Augenzeugen rollten Schützenpanzer in den südlichen Stadtbezirk Midan; Scharfschützen bezogen auf Dächern Position. Der oppositionelle Syrische Nationalrat warf der syrischen Armee vor, Gegenden der Hauptstadt in ein "Schlachtfeld" verwandelt zu haben.

Natioanalrat fordert erneut Intervention

Das Mitglied im Syrischen Nationalrat, Sadiqu al-Mousllie, hat die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, in den Konflikt einzugreifen. Die syrische Regierung nehme keine Rücksicht auf die Menschen, sagte Mousllie im Deutschlandfunk. Es gebe daher keinen anderen Weg mehr. Die Vereinten Nationen müssten nun eine Resolution im Sicherheitsrat erzwingen. Sollten China und Russland dies verhindern, müsse die Weltgemeinschaft andere Wege der Intervention finden.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden allein gestern in Syrien 105 Menschen getötet - 48 Zivilisten, 16 Rebellen und 41 Soldaten. Sie beziffert die Gesamtzahl der Toten seit dem Beginn des bewaffneten Aufstandes im März 2011 auf mehr als 17.000.

Scharfe Töne aus Moskau

UN-Sondergesandte Kofi Anna und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa / Justin Lane)Der UN-Sondergesandte Kofi Annan und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon setzen ihre diplomatischen Bemühungen fort (picture alliance / dpa / Justin Lane)Der Druck auf Damaskus soll nach dem Überfall auf Tremseh Ende vergangener Woche erhöht werden. Der Syrien-Sondervermittler Kofi Annan besucht nach Bagdad und Teheran nun Moskau, während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach China reist. Der Kreml bekräftigte seine Unterstützung für den Friedensplan Kofi Annans.

Doch vor einem Treffen mit dem Sondergesandten kritisierte Außenminister Sergej Lawrow die Haltung des Westens scharf. Einige westliche Länder würden den Bürgerkrieg in Syrien hervorrufenen, indem sie auf Sanktionen des UN-Sicherheitsrats bestünden, sagte er. Kritik an der Weigerung Russlands und Chinas, die Entschließungen in dem Gremium zu unterstützen, wies er zurück, wie Christina Nagel berichtet. Moskau stehe in dem Konflikt auf keiner Seite, betonte Lawrow. Zudem sei es unrealistisch zu erwarten, dass sein Land Syriens Machthaber Assad zum Rücktritt bewegen könne.

Annan war bereits Ende März in Moskau. Am Veto Russlands und Chinas waren bisher zwei UN-Resolutionen gescheitert, mit denen der Westen den Druck auf Syriens Staatschef Baschar al-Assad erhöhen wollte.

UN-Beobachter suchen derweil weiter nach Beweisen für ein Massaker in Tremseh. Die Regierungstruppen sollen vor allem Regimegegner im Visier gehabt haben. Die Inspektuere kehrten gestern an den Ort zurück und befragten Dorfbewohner. Wie viele Menschen bei den Kämpfen getötet wurden, ist nach UN-Angaben noch immer nicht zu beziffern.


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Menschenrechtler: Assad lässt systematisch Gefangene foltern - Human Rights Watch über die Lage in Syrien
"Protest auf die brutalst mögliche Art unterdrücken" - Wissenschaftler über die Meldungen über Massaker in Syrien
"Dieser Krieg wird sehr lange werden, sehr blutig sein" - Michael Lüders sieht Friedenspläne in Syrien zum Scheitern verurteilt
Warum der Westen Assad nicht das Handwerk legt - Eine militärische Intervention in Syrien ist unwahrscheinlich

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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