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UN: Syrische Armee greift auch Kinder an

Land auf "Liste der Schande" gesetzt

Der jüngste UN-Bericht erregt die Besorgnis der Weltgemeinschaft (picture alliance / dpa / Valeriy Melnikov)
Der jüngste UN-Bericht erregt die Besorgnis der Weltgemeinschaft (picture alliance / dpa / Valeriy Melnikov)

Die Vereinten Nationen haben Syrien erstmals auf eine Liste mit Staaten gesetzt, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet, sexuell missbraucht und rekrutiert werden. 15 Monate nach Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime scheint eine friedliche Lösung des Konflikts in immer weitere Ferne zu rücken - die Gewalt eskaliert.

Die Erkenntnisse, die über die Situation in Syrien gewonnen werden, rufen internationales Entsetzen hervor. Sowohl reguläre Truppen als auch die mit ihnen verbündete Schabiha-Miliz hätten sich Übergriffe auf Kinder zuschulden kommen lassen, hieß es in einem in New York vorgelegten Bericht. Selbst Neunjährige seien unter den Opfern, seien getötet, verstümmelt, willkürlich verhaftet, gefoltert, sexuell misshandelt und als menschliche Schutzschilde missbraucht worden. Die UN-Sondergesandte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, sagte der BBC, Kinder hätten erzählt, dass sie sich auf Panzer hätten setzen müssen, damit diese nicht von Aufständischen angegriffen würden. Zugleich erhob sie Vorwürfe gegen die oppositionelle Freie Syrische Armee, die ebenfalls Kinder in Gefahr bringe, indem sie für Hilfsarbeiten rekrutiert würden. "In fast allen aufgezeichneten Fällen waren Kinder unter den Opfern von Militäroperationen der Regierungstruppen - einschließlich der Streitkräfte, der Geheimdienste und der Schabiha-Miliz - im Konflikt mit der Opposition", schreiben die Autoren des UN-Berichts. Infolge dieses Berichts setzten die Vereinten Nationen Syrien auf die "Liste der Schande". Ebenfalls neu auf der Liste sind Jemen und der Sudan.

Ban schlägt Alarm

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)UN-Generalsekretär Ban hat sich tief besorgt über die eskalierende Gewalt in Syrien geäußert. Die Beobachter der Vereinten Nationen hätten von einer Ausweitung der Kämpfe zwischen Truppen der Regierung und der Rebellen berichtete, erklärte Bans Büro. Auf beiden Seiten sei eine Änderung der Strategie zu beobachten. Der verstärkte Beschuss von Rebellen-Hochburgen durch das Militär habe zu zahlreichen Opfern in der Zivilbevölkerung und Menschenrechtsverletzungen geführt. Zugleich gehe die Opposition vermehrt zu koordinierten Attacken auf Regierungstruppen über. "Das Blutvergießen und die Kämpfe müssen sofort eingestellt werden", wurde in der Erklärung gefordert. Beide Seiten müssten den Friedensplan des internationalen Syrien-Sondergesandten Kofi Annan befolgen, dem sie zugestimmt hätten.

Berichte über Aufmarsch von Regierungstruppen

Die Zerstörung nimmt kein Ende - hier in der Provinz Idlib. (dpa / Ärzte ohne Grenzen)Die Zerstörung nimmt kein Ende - hier in der Provinz Idlib (dpa / Ärzte ohne Grenzen)Ähnlich wie Ban hatte sich bereits Annan geäußert. Sein Sprecher verwies auf den Beschuss der Stadt Homs und Berichte über den Einsatz von Artillerie, Hubschraubern und Panzern in al-Haffa an der Küste. Es gebe Anhaltspunkte, dass viele Zivilisten diesen Städten eingeschlossen seien, erklärte der Sprecher. Angesichts dieser Berichte über einen Aufmarsch der Regierungstruppen forderte Ban nun einen Zugang der UN-Beobachter zu der Stadt al-Haffa nahe der türkischen Grenze.

Allein am Montag kamen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte landesweit mehr als 100 Menschen ums Leben. Die bewaffnete Opposition in Syrien setzt inzwischen verstärkt auf eine militärische Lösung des Konflikts. Auch mehren sich die Hinweise darauf, dass die Bewaffnung der Gegner von Präsident Baschar al-Assad jetzt deutlich besser ist als noch vor etwa zwei Monaten.

Annans Friedensplan für Syrien steht vor dem Scheitern - weder Regierung und Opposition halten sich an die darin festgelegte Waffenruhe. Seit den jüngsten Massakern rückt diese in immer weitere Ferne. Die Zahl der Toten seit dem Beginn des Aufstands im März 2011 gab die Beobachtungsstelle zuletzt mit mehr als 14.100 an. Eine schärfere Verurteilung Syriens im UN-Sicherheitsrat scheiterte bislang am Widerstand Russlands und Chinas.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

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