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Unbekannte Meisterwerke unter Kunstfund

Ermittler: Durchsuchung fand erst 2012 statt

Der spektakuläre Kunstfund in München umfasst auch bislang unbekannte Meisterwerke von Otto Dix und Marc Chagall. Neben Bildern der klassischen Moderne seien auch einige ältere Gemälde gefunden worden, hieß es bei der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft in Augsburg.

Der Fund einer Kunstsammlung in München gilt über die Kunstwelt hinaus als Sensation. Daher war die heutige Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft in Augsburg mit Spannung erwartet worden. Bei dem Termin äußerte sich auch die von den Ermittlern hinzugezogene Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann zu den Bildern. Hoffmann gilt international als Expertin für von den Nationalsozialisten als "entartet" verbotene Kunst. Viele der in München entdeckten Gemälde sollen dazu gehören.

Die Sammlung sei von außerordentlicher ästhetischer Qualität und großem wissenschaftlichem Wert, sagte die Kunstexpertin. Es handele sich nicht nur um Werke der klassischen Moderne, sondern auch um deutlich ältere Bilder. So seien ebenfalls Bilder des 19. Jahrhunderts dabei gewesen. Das älteste Werk stamme aus dem 16. Jahrhundert.

Unbekannte Werke von "hohem kunsthistorischen Wert"

Mehrere Bilder berühmter Avantgarde-Künstler wie Otto Dix oder Marc Chagall seien bisher unbekannt und nicht in Werkverzeichnissen erfasst gewesen. Als Beispiel nannte die Expertin ein Selbstporträt von Otto Dix und ein bisher gänzlich unbekanntes Werk von Chagall, bei dem es sich um eine allegorische Szene handele, deren Herkunft noch nicht eindeutig bestimmt sei. Das Bild datiere wohl auf Mitte der 1920er-Jahre, so Hoffmann. Es sei von einem "ganz besonders hohen kunsthistorischen Wert".

Nach Angaben des Augsburger Oberstaatsanwalts Reinhard Nemetz beschlagnahmten die Behörden 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder, insgesamt also 1406 Werke. Darunter seien Gemälde von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann, Dix, Kokoschka, Schmidt-Rottluff, Toulouse-Lautrec und Kirchner. Zum geschätzten Wert der Sammlung machte Nemetz keine Angaben.

Bisher hatte es geheißen, der Kunstschatz sei 2011 gefunden worden. Das wurde aber nun von den Ermittlern dementiert. Der Leiter des Zollfahndungsamtes München, Siegfried Klöble, stellte klar, dass die Wohnung des 79-jährigen Rentners in München-Schwabing erst am 28. Februar 2012 durchsucht wurde und nicht bereits 2011. Die Ermittler seien in einem der Räume auf die Bilder gestoßen. "Die Gemälde waren in diesem Raum fachgerecht gelagert und in einem sehr guten Zustand", sagte Klöble. Hoffmann ergänzte, die Bilder seien zum Teil verschmutzt gewesen, aber nicht beschädigt.

Wohl kein zweites Lager

Anders als in den Medien bisher spekuliert worden war, gehen die Ermittler nicht davon aus, dass der Rentner Cornelius Gurlitt noch ein zweites Lager hatte. Das Gemälde "Löwenbändiger" von Max Beckmann sei noch vor der Durchsuchung versteigert worden, hieß es. Wo die Gemälde derzeit untergebracht sind, dazu schwiegen sich die Ermittler aus. Sie verneinten lediglich, dass sie in einem Depot in Garching bei München gelagert würden.

Kritik gibt es an der langen Geheimhaltung der Behörden. Sein Unverständnis darüber äußerte auch der Rechtsanwalt und Kunstexperte Peter Raue in Deutschlandradio Kultur. Er forderte eine schnelle Klärung der Eigentumsverhältnisse. Dazu müssten die Werke zügig ins Internet gestellt werden. Dagegen betonte Staatsanwalt Nemetz, Fotos der Gemälde sollten nicht online gestellt werden, um die Interessen von möglichen Anspruchsberechtigten nicht zu verletzen. Expertin Hoffmann rechnet damit, dass die Ermittlungen, bei welchen Bildern es sich um Raubkunst handelt, noch lange dauern werden.

Cornelius Gurlitt besitze vermutlich die meisten der in der Nazi-Zeit enteigneten oder beschlagnahmten Werke rechtmäßig, sagte Uwe Hartmann, der Leiter der Arbeitsstelle für Provenienzforschung beim Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin, im Deutschlandfunk. Dies erscheine aus moralisch-ethischen Gesichtspunkten allerdings fragwürdig.

Ermittelt wird wegen Verdachts auf Steuerstraftat und Unterschlagung

Auf die Spur der Bilder kamen die Ermittler nach einer Personenkontrolle am 22. September 2010 in einem Schnellzug von Zürich nach München. Dabei habe sich der Anfangsverdacht einer Steuerstraftat ergeben, sagte Nemetz. Ermittelt werde auch wegen möglicher Unterschlagung.

Der Kunsthändler-Sohn Cornelius Gurlitt soll auch ein Haus im Salzburger Stadtteil Aigen besitzen, das noch nicht durchsucht wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Salzburg haben sich die deutschen Behörden bisher nicht mit einem Rechtshilfeverfahren an die österreichischen Ermittler gewandt.

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Letzte Änderung: 11.11.2013 23:12 Uhr

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