Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Unendlicher Abgrund

Denkmal für NS-Völkermord an Sinti und Roma wird eingeweiht

Das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)
Das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

67 Jahre hat es gedauert, bis Deutschland auch der von den Nazis ermordeten Sinti und Roma offiziell mit einem Mahnmal gedenkt. Dabei hätte es schon früher soweit sein können, denn schon vor 20 Jahren wurde die Gedenkstätte beschlossen. Heute weiht Bundeskanzlerin Angela Merkel sie ein.

Deutschland gedenkt: der ermordeten Juden Europas mit dem Holocaust-Mahnmal in der Nähe des Brandenburger Tors, der verfolgten Homosexuellen gleich gegenüber im Tiergarten, der Widerstandskämpfer an der Gedenkstätte im Bendlerblock. Für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma gab es bisher keine eigene Gedenkstätte, obwohl sie keine kleine Opfergruppe darstellen: Nach verschiedenen Schätzungen – genaue Zahlen gibt es nicht – haben die Nazis zwischen 200.000 und 500.000 Sinti und Roma umgebracht. Zwanzig Jahre hat es vom Beschluss bis zur Eröffnung des Mahnmals gedauert, heute ist es soweit: Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Gedenkstätte am Mittag einweihen. Diese befindet sich ebenfalls im Berliner Tiergarten, in der Nähe des Reichstagsgebäudes. Unsere Autorin Melanie Longerich stellt im Deutschlandfunk das Denkmal vor.

Schwere des Mahnmals soll auf das Herz drücken

Der Piepenbrock Preis für Skulptur 2004 geht an Dani Karavan (AP Archiv)Der israelische Künstler Dani Karavan hat das Mahnmal entworfen. (AP Archiv)Der Besucher findet dort eine schwarz glänzenden Wasserfläche, die den Eindruck eines unendlichen Abgrunds erzeugen soll, im Dreieck angeordnet, in der Mitte eine überflutete Granitplatte mit einer Blume. Der israelische Künstler Dani Karavan erklärte die erwünschte Wirkung im Interview im Deutschlandradio Kultur so: "Dieses Dreieck symbolisiert eben dieses schändliche Abzeichen, das sie tragen mussten, mit dem sie stigmatisiert wurden, weil man sie nicht mehr als Menschen und menschlich behandelt hat. Und dieser Stein symbolisiert eine Schwere, die auf das Herz, auf die Blume drückt, innerhalb dieses Dreiecks." Dazu ertönt Tag und Nacht der Geigenton eines Sinti-Musikers.

20 Jahre Querelen bis zur Einweihung

Das neue Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma hat eine lange Geschichte. Erst 1982 erkannte die Bundesregierung unter Helmut Schmidt den Porajmos – den Völkermord an den Sinti und Roma – an. Erst war ein gemeinsames Denkmal für alle Opfergruppen geplant, doch jüdische Vertreter wollten die Einmaligkeit des Völkermordes an den Juden mit einem eigenen Denkmal gewürdigt wissen. So kam es in der Folge 1992 zur Entscheidung, auch den Sinti und Roma ein eigenes Mahnmal zu widmen. Doch es gab Streit über den Standort, die Inschrift, um Zuständigkeiten, den Bau sowie zwischen dem Künstler und der Berliner Bauverwaltung.

Zumindest diese Konflikte sollen heute vergessen werden. Neben der Bundeskanzlerin kommt auch Bundespräsident Joachim Gauck zur Einweihung. Und selbstverständlich sind auch Sinti und Roma prominent vertreten, etwa durch den Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, und den Zeitzeugen Zoni Weisz. Er ist einer von insgesamt noch etwa 90 Sinti und Roma, die von der Zeit damals erzählen können.


Mehr auf dradio.de:

Späte Würdigung von NS-Opfern - Das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma
Porträt des Künstlers Dani Karavan - Beitrag von Jürgen König (MP3-Audio)
Die Musik zum Mahnmal - Über den Komponisten Romeo Franz (MP3-Audio)
Tag und Nacht ein Geigenton - Das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin

Bitte erinnern Sie sich hier - Tagesthema "Mahnmal" in Dradio Wissen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Peter Altmaier"Es wird für kein Land eine Sonderbehandlung geben"

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU). (AFP/Berry)

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) hat davor gewarnt, Großbritannien bei den EU-Austrittsverhandlungen einen Bonus einzuräumen. "Wir sollten klarmachen – und das haben wir klargemacht –, dass man dieses Referendum nicht benutzen kann, um einen besseren Deal oder etwas Ähnliches zu verhandeln", sagte er im Interview der Woche des DLF. Bis zum Abschluss der Verhandlungen sei Großbritannien Mitglied der EU - mit allen Rechten und Pflichten.

Schauspieler wurde 77 Jahre altGötz George ist gestorben

Der Schauspieler Götz George bei der Verleihung "GQ Mann des Jahres 2013" in der Komischen Oper in Berlin. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Der Theater- und Filmschauspieler Götz George ist tot. Er wurde 77 Jahre alt und starb laut "Bild"-Zeitung bereits am 19. Juni. In unzähligen Rollen spielte er sich in die Herzen der Zuschauer. Seine Rolle als "Tatort"-Kommissar Schimanski machte ihn unsterblich.

Sahra Wagenknecht"Europa ist wesentlich unsozialer und brutaler geworden"

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht. (Imago / Metodi Popow)

Nach dem britischen Votum für einen Brexit hat die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht, ein sozialeres Europa angemahnt. Gerade Regionen mit einer hohen Arbeitslosigkeit hätten für den Austritt aus der EU gestimmt, sagte sie im DLF. Der Sozialstaat dürfe nicht weiter zerstört, sondern müsse wiederhergestellt werden.

Schule hinter GitternWie Lernen im Knast funktioniert

Mehrere Häftlinge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ravensburg stehen am 18.03.2014 an der geschlossenen Eingangstür zum Schultrakt. (picture alliance / dpa / Felix Kästle)

Die Gefangenen sitzen hier nicht nur ihre Strafe ab: Die JVA Berlin-Tegel ermöglicht es ihnen, ihren Schulabschluss nachzuholen. Viele Inhaftierte können sich hinter Gittern erstmals auf den Unterricht und auf das Lernen konzentrieren.

Reaktionen in den USADie Beziehung zu den Briten kühlt ab

US-Präsident Obama wirbt in einer außenpolitischen Rede in Hannover für einstarkes und geeintes Europa. (AFP PHOTO/ Jim Watson)

Washington reagiert besorgt auf das Brexit-Votum. Nicht nur zu Großbritannien wird die Beziehung der USA komplizierter, sondern auch zur EU. Innenpolitisch könnte allerdings einer profitieren.

Referendum als perfekter Serien-TwistGame of Brexit

Leave! Bei Game of Thrones wäre die Brexit-Abstimmung der perfekte Cliffhanger gewesen. Und wie in der Serie verlieren die Guten viel zu oft. Unser Autor Stephan Beuting ist trotzdem gaaanz leicht optimistisch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Spanien  Volkspartei beansprucht Recht auf Regierungsbildung | mehr

Kulturnachrichten

Götz George im Alter von 77 Jahren gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Jagd per Zeppelin  Meereswirbel in der Ostsee aufgespürt | mehr