Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ungarn begeht 50. Jahrestag des Volksaufstands

Opposition boykottiert offizielle Gedenkfeier

Gedenkfeier zum Volksaufstand von 1956 (AP)
Gedenkfeier zum Volksaufstand von 1956 (AP)

Ungarn hat mit Gedenkfeiern an den Volksaufstand vor 50 Jahren erinnert. In einer feierlichen Zeremonie vor dem Parlamentsgebäude am Ufer der Donau wurde mit militärischen Ehren die Staatsflagge gehisst und die Nationalhymne gespielt. Im Parlament wurde eine "Budapester Deklaration" verabschiedet. Darin heißt es: "Mit Gewissheit und tiefer Überzeugung stellen wir fest, dass die Freiheit unbezwingbar ist, dass jeder Mensch und jede Nation frei geboren werden und ihr ganzes Leben hindurch nach Freiheit streben."

An den offiziellen Gedenkfeiern nahmen ungarische Spitzenpolitiker und 18 Staats- und Regierungschefs aus Europa teil, darunter auch Bundespräsident Horst Köhler. Vertreten waren auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

Der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany betonte während des Festaktes den Wert der Freiheit und die Verantwortung, die mit ihr einhergehe. Einen Vergleich zwischen dem Aufstand von 1956 und den jüngsten Protesten gegen seine Regierung wies er zurück. Während es beim Aufstand 1956 darum gegangen sei, die Freiheit zu erringen, gehe es heute darum, sie zu gestalten, sagte Gyurcsany. Die Mehrheit der Ungarn sei überzeugt, dass die parlamentarische Demokratie am besten geeignet sei, ein freies Ungarn zu gestalten, hob der Ministerpräsident hervor.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen findet das Gedenken an den ungarischen Volksaufstand vor 50 Jahren statt (AP)Polizeiaufmarsch vor der Gedenkveranstaltung (AP)Die sozial-liberale Regierung und die rechtsnationale Opposition gedachten des Aufstands in getrennten Veranstaltungen. Während die offiziellen Feierlichkeiten auf dem Heldenplatz vor dem Parlament begangen wurden, versammelte sich die Opposition an dem Ort, an dem es vor 50 Jahren zu schweren Gefechten kam. Oppositionsparteien und Veteranenverbände lehnten es im Vorfeld ab, gemeinsam mit Vertretern der Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Gyurcsany die Feierlichkeiten zu begehen. Sie sprachen den Sozilisten als Nachfolger der Kommunisten das Recht ab, die Feierlichkeiten anzuführen.

Schlagstockeinsatz und Festnahmen

Unweit der zentralen Gedenkfeier kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und etwa 50 Demonstranten. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke ein und nahmen zehn Demonstranten fest, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MIT.
Bereits wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung hatte die Polizei über 200 Demonstranten von dem Platz vor dem Parlamentsgebäude vertrieben.

Aufständische kapern 1956 in Budapest einen Panzer. (AP)Aufständische kapern 1956 in Budapest einen Panzer. (AP)

Aufstand mit blutigem Ende

1956 hatte der Aufstand in Ungarn mit einer Demonstration gegen das kommunistische Regime und die sowjetische Präsenz im Land begonnen. Hunderttausende Ungarn schlossen sich den Demonstrationen spontan an. Bei der gewaltsamen Niederschlagung durch sowjetische Truppen im November wurden rund 2600 Menschen getötet und Zehntausende verhaftet. 200.000 Ungarn flüchteten außer Landes.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:19 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Musikszene

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Alte Musik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Designierter SPD-KanzlerkandidatMartin Schulz - ein Mann der klaren Worte

Martin Schulz spricht in ein Mikrofon (dpa/picture alliance/Kay Nietfeld)

Martin Schulz habe das EU-Parlament als sein Präsident sichtbarer gemacht, loben ihn sogar Abgeordnete anderer Parteien. Er sei ein Mann mit Ecken und Kanten. Nach seinem Wechsel von Brüssel nach Berlin soll Schulz die SPD in die Bundestagswahl führen.

US-Protektionismus"Ein Trend, mit dem wir uns beschäftigen müssen"

US-Präsident Donald Trump mit dem Dekret zum Ausstieg aus dem Handelsabkommen TPP (pa/dpa/AP/Vucci)

Trumps Wirtschaftspolitik wird die Globalisierung verlangsamen, prophezeit der Ökonom Michael Burda. Aber sie werde der Weltwirtschaft zunächst einen gewissen Schub verpassen. Auch für die EU könnte sich der US-Protektionismus als vorteilhaft erweisen.

ÜberblickIm Dschungel der Freihandelsabkommen

Es war eine der ersten Amtshandlungen von Donald Trump: Aufkündigung der US-Beteiligung aus TPP. Nicht zu verwechseln mit TTIP. Bei der Gesamtzahl an Freihandelsabkommen, die den globalisierten Handel regeln, kann man auch leicht den Überblick verlieren. Etwa 600 Stück gibt es mittlerweile.

EU-Krise"Keine dieser Aufgaben kann ein Nationalstaat alleine bewältigen"

Der Europa-Abgeordnete Elmar Brok während einer Tagung zum Thema Europa in Tutzing (imago / Oryk Haist)

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament blickt Elmar Brok mit Sorge in die Zukunft der EU. Man habe selten vor so vielen Herausforderungen gestanden. Kein Nationalstaat könne diese Aufgaben noch alleine bewältigen, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

US-Protektionismus"Ein Trend, mit dem wir uns beschäftigen müssen"

US-Präsident Donald Trump mit dem Dekret zum Ausstieg aus dem Handelsabkommen TPP (pa/dpa/AP/Vucci)

Trumps Wirtschaftspolitik wird die Globalisierung verlangsamen, prophezeit der Ökonom Michael Burda. Aber sie werde der Weltwirtschaft zunächst einen gewissen Schub verpassen. Auch für die EU könnte sich der US-Protektionismus als vorteilhaft erweisen.

Männerbewegung in der katholischer Kirche Auf der Suche nach der verlorenen Männlichkeit

Schulpfarrer Philippe de Maistre befürwortet Geschlechtertrennung im Unterricht und Initiationsrituale für Jungen. (Bettina Kaps)

Eine neue Männerbewegung breitet sich unter französischen Katholiken aus. Ihre These: In Gottesdiensten und in der Seelsorge würden vor allem weibliche Tugenden propagiert, Männlichkeit habe ein negatives Image. Und so gibt es immer mehr Angebote für katholische Männer, ihre Maskulinität zu entdecken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

SPD-Personalien  Anerkennung und Skepsis nach Gabriels Verzicht | mehr

Kulturnachrichten

Elbphilharmonie: Kritik an verkürzter Arte-Übertragung  | mehr

Wissensnachrichten

Gerüche  Pflanzen reagieren anders auf Exoten | mehr