Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ungarn will den Euro doch nicht

Ministerpräsident Orbán trifft Bundeskanzlerin Merkel

Ungarns Regierungschef Viktor Orban
Ungarns Regierungschef Viktor Orban (AP Photo/Bela Szandelszky)

Ungarns autoritärer Ministerpräsident Viktor Orbán lehnt eine Einführung des Euro in seinem Land ab. Warum, das erklärt er heute Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Staatsbesuch in Berlin. Menschenrechtler Gáspár Miklós Tamás nennt Ungarns Lage "potenziell gefährlich".

Der Euro ist nicht mehr so beliebt wie noch 2004. Damals hatte sich Ungarn mit dem EU-Beitritt dazu verpflichtet, die europäische Gemeinschaftswährung einzuführen. Heute sieht Ministerpräsident Viktor Orbán keine Notwendigkeit mehr für sein Land, dies zu tun und den ungarischen Forint abzuschaffen. "Als wir den Beitrittsvertrag unterschrieben haben, sah die Euro-Zone ganz anders aus", sagte Orbán dem "Handelsblatt". "Eine Beitrittspflicht zur Währungsunion kann deshalb nicht mehr automatisch sein."

Zum jetzigen Zeitpunkt wäre die Einführung des Euros für sein Land sogar "unverantwortlich", sagte Orbán weiter. Sein Land ist allerdings wegen seiner wirtschaftlichen Rahmendaten derzeit auch kein Wunschkandidat für die Eurogruppe; sie liegen weit über den Konvergenzkriterien. Inflationsrate und Neuverschuldung betrugen zuletzt jeweils sechs Prozent. Weil das Haushaltsdefizit zu hoch ist, hatte die EU-Kommission eine halbe Milliarde Euro Fördergeld für das kommende Jahr eingefroren.

Orbán: Eurokrise wird zur Führungskrise

Der ungarische Premierminister ist sich sicher: Spätestens in fünf Jahren werde sich die Euro-Krise sich zu einer politischen Führungskrise ausweiten. "Unsere heutigen demokratischen Systeme haben eine eingebaute Führungsschwäche", sagte Orbán dem Blatt. "Ein Präsidialsystem ist wahrscheinlich geeigneter als ein parlamentarisches System, wenn es darum geht, schwierige Reformen durchzusetzen." Kritiker werfen Orbán vor, mit verschiedenen Reformen die Demokratie Ungarns in Gefahr zu bringen, etwa in punkto Verfassung und Mediengesetz.

Oppositioneller Tamás: "Die Lage von Ungarn ist wirklich verzweifelt"

Im Deutschlandradio Kultur bezeichnete der ungarische Oppositionelle und Philosoph Gáspár Miklós Tamás die Lage in Ungarn als "wirklich verzweifelt" und "potenziell gefährlich". In seinem Land übe eine militante Minderheit die Macht aus. Die Regierung Orbán verfolge die Taktik, Ausländer als die Verursacher der Krise darzustellen. Das zeige sich unter anderem an einer Kampagne gegen den Internationalen Währungsfonds. Der linksdemokratische Menschenrechtler forderte Deutschland dazu auf "Solidarität mit dem ungarischen Volk" zu zeigen und die Situation "sehr, sehr sorgfältig und konsequent" zu beobachten.

Besuch in Berlin

Heute besucht der ungarische Regierungschef Berlin. Außer über den Euro will er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch über die bilateralen Beziehungen, die innenpolitische Entwicklung in beiden Ländern und regionale Fragen sprechen. Anschließend hält Orbán eine Rede bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung über den Stand und die Zukunft der europäischen Integration. Deutschland ist für Ungarn einer der wichtigsten Handelspartner und steht für ein Viertel aller Ein- und Ausfuhren des Landes.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:10 Uhr Büchermarkt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Nach UrteilSteuergewerkschaft wirbt für Neugestaltung der Erbschaftssteuer

Die Erbschaftssteuer soll nach dem Willen der Steuergewerkschaft neu ausgearbeitet werden

Als "deutliches Warnzeichen" für den Bund bezeichnet der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, die Karlsruher Entscheidung zur Änderung der Erbschaftssteuerregelung für Unternehmen. Im DLF-Interview riet er der Großen Koalition zu einer grundsätzlichen Neugestaltung der Erbschaftssteuer.

Handelsexperte kritisiert Streik "Amazon schafft ordentlich bezahlte Arbeitsplätze"

Streikende vor einer Betriebsstätte von Amazon in Leipzig am 8. Dezember 2014

Ein Streik bei Amazon sei "Unsinn", Verdi solle sich lieber an anderen Unternehmen "abarbeiten", sagt der Handelsexperte Thomas Roeb. Für Amazon spreche, dass das Unternehmen Arbeit in Gegenden bringe, wo es sonst keine Arbeit gebe.

Nobelpreisträgerin Herta Müller"In Apfelkernen ist der Tod drin"

Nobelpreisträgerin Herta Müller zu Gast bei Deutschlandradio Kultur

In ihrem neuen Buch erzählt die Schriftstellerin Herta Müller, wie sie die Kindheit und Jugend in der rumänischen Diktatur erlebte und überlebte. Ohne diese Erfahrungen wäre sie "bestimmt was anderes geworden", sagte die Literaturnobelpreisträgerin.

Arena von VeronaDenkmalpflege vom Sponsor

Zu sehen ist die große Freiluftbühne der Arena di Verona in der gleichnamigen italienischen Stadt. Auf der Bühne findet eine Opernaufführung statt: der Maskenball von Guiseppe Verdi.

Die meisten Unesco-Weltkulturgüter liegen in Italien. Es sind so viele, dass der italienische Staat mit ihrem Erhalt überfordert ist. Mit dem sogenannten Kultur-Bonus will die Regierung in Rom private Sponsoren anlocken, indem sie Steuererleichterungen gewährt. Eines der ersten Projekte ist die Restaurierung der Oper von Verona.

Katholischer Bischof Schick"Christen dürfen bei Pegida nicht mitmachen"

Porträtbild des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ruft die Christen auf, sich von der Anti-Islam-Bewegung "Pegida" zu distanzieren. Dort herrschten Rassismus, Nationalismus und diffuse Ängste.

ErdmöbelShoppen ist herrlich

Konsumkritik? Fehlanzeige. Die Erdmöbels shoppen gerne - digital und analog. Ihr Weihnachtsalbum will euch nicht vom Schenken abhalten. Noch dazu hat die Band Tipps, um entspannt Weihnachten durchzustehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Grüne:  Pkw-Maut ist "Verkehrspolitik absurd" | mehr

Kulturnachrichten

Sony zieht nach Hacker-Drohungen Nordkorea-Satire zurück  | mehr

Wissensnachrichten

Polen  Keine Ehe für Schwule und Lesben | mehr