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Uni Bayreuth prüft Guttenbergs Dissertation

Opposition verlangt Rücktritt

Karl-Theodor zu Guttenbergs (CSU) Dissertation ist in der Kritik (picture alliance / dpa)
Karl-Theodor zu Guttenbergs (CSU) Dissertation ist in der Kritik (picture alliance / dpa)

Am Mittwoch will die Opposition Karl-Theodor zu Guttenberg wegen seiner umstrittenen Doktorarbeit zur Rede stellen. Wie es aus der Union hieß, werde der Verteidigungsminister dort nicht persönlich Stellung nehmen.

Während die Fraktionschefs der SPD und der Linken, Frank-Walter Steinmeier und Gregor Gysi, mit deutlichen Worten den Rücktritt des Ministers forderten, gab es von CDU und CSU vor allem Solidaritätsbekundungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte demonstrativ darauf verwiesen, dass sie zu Guttenberg allein aufgrund seiner politischen Arbeit zu beurteilen habe, und diese mache er gut.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) (Deutscher Bundestag)Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) (Deutscher Bundestag)Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kündigte an, dass sich auch der Ältestenrat des Bundestages mit der Causa Guttenberg auseinandersetzen werde. Es stünde der Vorwurf im Raum, dass der Politiker den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für seine Arbeit in Beschlag gelegt habe.

Bei einer CDU-Veranstaltung hatte zu Guttenberg am Montag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hessen erklärt, den Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen zu wollen. Dies ist allerdings keine Entscheidung eines Einzelnen. Nur die Universität Bayreuth, an der die Arbeit entstand, kann den Titel formell aberkennen. Derzeit unterzieht sie die Disseration einer eingehenden Prüfung. Präsident Rüdiger Bormann sagte, einen solchen Fall habe es bislang nicht gegeben. Die Hochschule, die mit ihrem prominenten Absolventen wirbt, erwägt derzeit, die Reklame einzustellen.

Hier ist die gesamte politische Kaste in der Pflicht, und diese Pflicht scheint sie gegenwärtig zu verletzen. Oder ist die Geschichte doch noch nicht zu Ende? - kommentiert der Deutschlandfunk den Fall Guttenberg.

Jeder macht Fehler, das will der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele gelten lassen. Aber wenn ein Minister wie Karl-Theodor zu Guttenberg nur sukzessive mit der Wahrheit hantiert, sei das mit dem Ministeramt "nur schwer zu vereinbaren".

Warum ließ die Universität Bayreuth die Arbeit durchgehen?

Zu Guttenberg entschuldigte sich ausdrücklich. Pikant: Für seine Arbeit bekam zu Guttenberg die Bestnote "summa cum laude" - mit höchstem Lob. Die Universität Bayreuth wird sich fragen lassen müssen, wie eine offensichtlich wissenschaftlich fehlerhafte Arbeit eine derartige Auszeichnung bekommen konnte. Dabei hieß es vor wenigen Tagen in einer Stellungnahme der Universität:

"Das Verfahren der Dissertation von Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg an der Universität Bayreuth sei korrekt verlaufen, so Möstl (Möstl ist Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth) weiter. Renommierte Gutachter waren daran beteiligt."

Bundeswehrsoldaten beobachten eine Landstraße am Stadtrand von Kunduz in Afghanistan (AP)Kirsch beklagt, dass die Lage der Bundeswehr in Afghanistan von der Plagiatsdebatte verdrängt wurde. (AP)

Bundeswehrverband kritisiert Medien

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hält die militärische Situation in Afghanistan für wichtiger als die Diskussion um den Doktortitel des Bundesverteidigungsministers zu Guttenberg und plädiert für eine andere Schwerpunktsetzung in den Medien. Er beklagt die mediale Fixierung auf die Plagiatsaffäre. Die Todesfälle der Bundeswehr würden "in den Printmedien irgendwo auf den dritten und vierten Seiten behandelt werden, und die Frage, wie geht es mit dem Doktortitel von unserem Minister weiter, das steht auf der ersten Seite".

Die Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg gefährden vor allem eins: seinen guten Ruf. Es stellt sich die Frage, wie wichtig die Glaubwürdigkeit in der Politik ist.(Audio der Sendung Kontrovers)

Noch am Freitag der vergangenen Woche hatte zu Guttenberg einen Rücktritt abgelehnt,, weil er nicht plagiiert habe. Er wolle aber "vorläufig" auf das Führen seines Doktortitels verzichten.

Interview mit Hans-Christian Ströbele: Guttenbergs Verhalten passt nicht zu Ministeramt
"Irgendwo auf den dritten, vierten Seiten" <br> Bundeswehr beklagt mediale Fixierung auf Plagiatsaffäre - Interview mit Ulrich Kirsch (DKultur)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

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