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Uni Düsseldorf erstattet Anzeige im Fall Schavan

Verdacht auf Weitergabe vertraulicher Informationen

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) gerät in Erklärungsnot (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) gerät in Erklärungsnot (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Die Veröffentlichung eines Universitäts-Gutachtens zu möglichen Plagiaten in der Doktorarbeit von Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) beschäftigt nun die Justiz. Die Universität Düsseldorf hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Nach Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit von Annette Schavan (CDU) aus dem Jahr 1980 prüft der Promotionsausschuss der Heinrich-Heine-Universität seit Mai ihre Arbeit. Am Wochenende hatten mehrere Medien aus einem Uni-Gutachten über die Dissertation zitiert, in dem von einem "charakteristischen Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" die Rede ist. Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit Textpassagen ohne sauberen wissenschaftlichen Beleg von fremden Autoren übernommen zu haben. Sie soll bewusst getäuscht haben. Die Ministerin bestreitet die Vorwürfe.

Uni Düsseldorf gerät unter Druck

Die Heinrich-Heine-Universität steht nach den Veröffentlichungen unter Druck und geht mit der Strafanzeige in die Offensive. Die Uni bedauere, dass Inhalte aus dem Prüfungsverfahren gegen Schavan "unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt sind", heißt es in einer Presseerklärung. Der Vorfall sei sowohl für die Ministerin als auch für die übrigen Beteiligten verletzend. Das Verfahren werde "ordentlich und mit aller notwendigen Sorgfalt" weitergeführt, versichert die Hochschule. Heute tagt die zuständige Promotionskommission. "Es wird aber wohl noch keine Empfehlung geben", sagte ein Sprecher weiter. Wann dies der Fall sein wird, gab die Universität nicht bekannt.

Kritik am Prüfungsverfahren der Uni

Vertreter der deutschen Wissenschaft kritisierten das Plagiatsverfahren gegen die Ministerin scharf und forderten ein Zweitgutachten. Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sprach von "schweren Fehlern" in dem Prüfverfahren und forderte eine Untersuchung durch einen zweiten Gutachter. Es sei "skandalös", dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den Vorwürfen erfahren habe, sagte Schwarz weiter.

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder hat das Vorgehen der Universität Düsseldorf bei der Prüfung der Doktorarbeit scharf kritisiert: "Ich glaube, dass dieses Verfahren nicht in dieser Form zu Ende gebracht werden kann", sagte Kauder. Der CDU-Politiker sprach sich ebenfalls für ein zweites Gutachten aus. Er machte deutlich, dass von Befangenheit der Gutachter auszugehen sei, nachdem vertrauliche Informationen vorab öffentlich wurden.

Das NRW-Wissenschaftsministerium hat als Rechtsaufsichtsbehörde bisher jedoch keine Bedenken gegen das Vorgehen der Universität. "Die Universität ist Herrin des Verfahrens, und es gibt im Moment keinen Grund anzunehmen, dass sie das nicht im Griff hat", sagte eine Sprecherin.

Union nimmt Schavan in Schutz

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Untersuchungsausschuss (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Angela Merkel (CDU) spricht Schavan vollstes Vertrauen aus (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)In der Plagiatsaffäre erhält die Ministerin zunehmend Rückendeckung aus der Wissenschaft und den eigenen Reihen. Führende Unionspolitiker warnten vor einer Vorverurteilung. Kanzlerin Angela Merkel hatte Schavan zuletzt "vollstes Vertrauen" ausgesprochen. Auch Schavans Doktorvater, der Pädagogik-Professor Gerhard Wehle, wies Vorwürfe gegen die CDU-Politikerin zurück. Er habe keine Zweifel an Schavans wissenschaftlicher Eigenleistung gehabt. Sonst hätte er der Fakultät die Arbeit nicht zur Annahme empfohlen. "Sie ist eine absolut integere Person", sagte er.

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte dagegen den Rücktritt der Ministerin: "Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, frage ich mich, wie ausgerechnet die für Wissenschaft und Forschung zuständige Ministerin ihr Amt noch glaubwürdig ausüben will."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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