Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Unklarheit über Lage im Atomkraftwerk Fukushima

Spekulationen über Kernschmelze in dem Reaktor

Aus dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kräuselt weißer Rauch - im Reaktor 1 gab es eine Explosion
Aus dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kräuselt weißer Rauch - im Reaktor 1 gab es eine Explosion (AP Photo/NTV Japan via APTN)

Nach der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist weiter unklar, ob es in dem Reaktor zu einer Kernschmelze gekommen ist. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kann äußerte sich besorgt über die Lage. Von einer Kernschmelze sprach er jedoch nicht.

Bei der Explosion im Kernkraftwerk Fukushima I wurde ein Reaktorgebäude zerstört. Wie ein Sprecher der Regierung in Tokio erklärte, wurde das Stahlgehäuse, das den Reaktor schützt, beim Einsturz der umgebenden Wände nicht beschädigt. Unklar ist weiterhin, ob eine Kernschmelze Ursache der Detonation in der Anlage war. In der Umgebung war die radioaktive Strahlung erhöht. Der Evakuierungsradius rund um den Reaktor wurde auf 20 Kilometer ausgeweitet. Rund 140.000 Menschen verließen den Gefahrenbereich.

Bundesumweltminister Röttgen sagte im ARD-Fernsehen, es lägen uneinheitliche Informationen vor. Die Indizien sprächen aber sehr stark dafür, dass sich eine Kernschmelze ereignet habe.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde wurde der zulässige Grenzwert überschritten. Von japanischer Seite wurde der Vorfall auf Stufe vier der siebenstufigen INES-Skala für die Beschreibung der Tragweite von Atomzwischenfällen eingestuft. Nach der Definition ist das ein Atomunfall mit lokalen Konsequenzen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, dass die japanischen Behörden Jod an die Bevölkerung in der Nähe der Atomanlagen Fukushima Daiichi und Fukushima Daini verteilen wollen. Jod kann den Auswirkungen radioaktiver Strahlung entgegen wirken.

Atomenergiebehörde bemängelt Informationspolitik Japans

Im Fall der japanischen Atomkraftwerke wirkt die IAEO alles andere als zufrieden mit dem gegenwärtigen Informationsstand, berichtet Jörg Paas im Deutschlandfunk. Wiederholt werde betont, dass man zwar die Berichterstattung der Medien genau verfolgte, aber von offizieller Seite noch nicht genügend wisse, um die Lage umfassend einschätzen zu können und deshalb dringend auf weitere Nachrichten aus Japan warte.

Ausmaß des Störfalls noch unklar

Man gehe davon aus, dass es sich bei den Vorgängen in Japan um einen GAU handelt, sagte Carsten Smid, Atomkraftexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Die Anzeichen sprächen nicht nur für einen GAU, sondern für einen Super-GAU, erklärte Lothar Hahn, ehemaliger Leiter der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Bei einem GAU habe man die Situation noch unter Kontrolle. Gefilterte Druckentlastung, Messungen erhöhter Radioaktivität innerhalb und außerhalb der Anlage, Explosion und Evakuierung wären Signale dafür, dass es einen Kernschmelzunfall gegeben habe.

Edmund Lengfelder, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Strahlenschutz geht davon aus, dass die Kernschmelze im Reaktor Fukushima 1bereits eingetreten ist. Die Gefahrenzone sei entscheidend davon abhängig, in welche Richtung der Wind wehe, sagte Lengfelder im Deutschlandfunk.


Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen reagieren mit punktuellen Programmänderungen, hier geht es zum Live-Stream der Programme:

Deutschlandfunk Live-Stream Flash
Deutschlandradio Kultur Live-Stream Flash
DRadio Wissen Live-Stream Flash

Programmhinweis: DLF, DKultur und DRadio Wissen berichten ausführlich in ihren Nachrichtensendungen über die weitere Entwicklung in Japan in den folgenden Sendungen:

Ortszeit Audios
Information und Musik
Informationen am Morgen
Informationen am Mittag
Informationen am Abend
Hintergrund
Forschung Aktuell
Wissenschaft und Technik
Fazit

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Das Kulturgespräch

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Literatur

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

SchädlingsbefallMassives Waldsterben befürchtet

Nebel im Wald

Gleich eine ganze Reihe von Schädlingen suchen die Wälder in Ostdeutschland heim. Die Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt fordern deshalb einen breiten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Umweltschützer halten das für völlig übertrieben.

Deutsch-deutsche GeschichteDas einzige Schlupfloch

Am 14. August 1961, dem Tag nach dem Beginn des Mauerbaus, war der Flüchtlingsansturm auf das Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde besonders groß.

Das 1953 gegründete Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde war die erste Anlaufstelle für viele DDR-Flüchtlinge. Heute ist die Erinnerungsstätte das zentrale Museum zum Thema Flucht und Ausreise aus der DDR.

Ig-Nobelpreis 2014Von Hundehaufen und Toastbrotgesichtern

Der Ig-Nobelpreis ist die höchste Auszeichnung, die Wissenschaftler für abstruse Forschung bekommen können. Vor allem aber zeigen die Forscher, dass Wissenschaft ziemlich lustig sein kann und trotzdem wichtige Erkenntnisse liefert.

KielAbrechnung der Ex-Bürgermeisterin

Susanne Gaschke bei ihrer Rücktrittserklärung im Kieler Rathaus.

Susanne Gaschke war "Zeit"-Redakteurin, dann wechselte sie in die Politik, wurde Oberbürgermeisterin von Kiel, bevor ein Steuerfall sie zum Rücktritt zwang. Zurück am Schreibtisch arbeitet sie ihre Zeit im Rathaus in einem neuen Buch auf.

DDR-Refugium HiddenseeDer Fluch der schönen Erinnerung

Der Leuchtturm in dem Ort Kloster auf Hiddensee

Lutz Seilers DDR-Roman "Kruso" gilt als Favorit für den Deutschen Buchpreis. Er spielt auf Hiddensee, das damals Künstler und Intellektuelle anzog. Unter ihnen war auch die Autorin Susanne Schädlich - die heute mit gemischten Gefühlen auf die Insel schaut.

Social-Media-AppIch sehe das, was du jetzt siehst

Sehen, was deine Freunde sehen - das verspricht die Smartphone-App "Sup", die es seit August für IOS und seit dieser Woche auch für Android gibt. Die App ist ein witziges Gimmick. Und eine Form der Kontrolle.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Chinesischer Online-Händler Alibaba absolviert weltweit größter Börsengang | mehr

Kulturnachrichten

Streit um Goebbels-Biografie  | mehr

Wissensnachrichten

Tempolimits  Autofahrer fahren schneller, wenn Baustellen still stehen | mehr