Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

UNO: Angriffe in Tremseh galten Rebellen

Syrisches Regime bestreitet Einsatz schwerer Waffen

UNO-Beobachter gestern in Tremseh
UNO-Beobachter gestern in Tremseh (picture alliance / dpa / EPA /STR)

Nach Einschätzung der UNO-Beobachter in Syrien galt der Angriff auf die Ortschaft Tremseh offenbar in erster Linie "Aktivisten und bewaffneten Deserteuren". Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat das Assad-Regime für die Gewalt verantwortlich gemacht. Die syrische Regierung bestreitet den Einsatz schwerer Waffen.

"Das Assad-Regime setzt schwere Waffen wie Hubschrauber, Geschütze und Panzer für grausame Gewalt, für einen regelrechten Krieg gegen das eigene Volk ein. Das ist unsere klare Erkenntnis aus den Berichten über die Geschehnisse von Tremseh", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle der "Bild am Sonntag". Bei dem mutmaßlichen Massaker im zentralsyrischen Dorf Tremseh starben nach Angaben von Aktivisten mindestens 115 Menschen.

UNO: Häuser von Deserteuren und Aktivisten attackiert

UN-Beobachter im Gespräch mit Bürgern in Damakus, Syrien, Mai 2012UNO-Beobachter in Syrien (Archiv) (picture alliance / dpa / Sana / Handout)Gestern hatten die UNO-Beobachter in Syrien bekannt gegeben, dass der Angriff in Tremseh offenbar in erster Linie Aufständischen und Regierungsgegnern galt. Es seien allem Anschein nach vor allem Häuser von "Aktivisten und bewaffneten Deserteuren" attackiert worden, erklärte die Sprecherin der Beobachtermission, Sausan Ghosheh, nach einem Besuch in der Ortschaft.

"Es gab Blutlachen und Blutflecken in den Räumen mehrerer Häuser sowie Patronenhülsen", erklärte Ghosheh weiter. Viele der Häuser seien zerstört und teilweise abgebrannt worden. Bei der Untersuchung vor Ort seien Artilleriegeschosse und Granaten gefunden worden, über die nur die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad verfügen.

Assad-Regime: Keine Panzer oder Artillerie eingesetzt

Doch die Regierung in Damaskus bestreitet den Einsatz schwerer Waffen: Die Armee habe keine Panzer, Flugzeuge, Helikopter oder Artillerie in Tremseh eingesetzt, erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Dschihad Makdissi, bei einer Pressekonferenz. Es seien ausschließlich Truppentransporter und leichte Waffen wie Panzerabwehrraketen benutzt worden.

Die gegenteilige Behauptung des internationalen Sondergesandten Kofi Annan sei "sehr übereilt" gewesen und entspreche nicht den Fakten, sagte der Sprecher. Annan hatte in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat nach der Stürmung der Kleinstadt in der Provinz Hama durch die syrische Armee am Donnerstag den Einsatz von "Artillerie, Panzern und Helikoptern" kritisiert.

In Tremseh habe kein Massaker stattgefunden, sondern es habe Gefechte mit bewaffneten Gruppen gegeben, die in dem Dorf Kommandozentralen eingerichtet und die Bewohner terrorisiert und gefoltert hätten, erklärte Makdissi. Dabei seien 37 Bewaffnete und zwei Zivilisten umgekommen. Die UNO hatte keine Zahl von Toten genannt. Oppositionelle zählten bis zu 200 Leichen, darunter Dutzende in umliegenden Ortschaften oder bis zur Unkenntlichkeit verbrannte. Sie befürchteten, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte, da Hunderte Menschen noch als vermisst galten. Einwohner vermuteten weitere Leichen auf den Feldern oder im Fluss Orontes, der durch das Gebiet fließt.

Ban: China muss seinen Einfluss nutzen

UNO-Generalsekretär Ban Ki MoonUNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa / Antonio Lacerda)UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte unterdessen China dazu auf, bei der Lösung des Syrienkonflikts eine aktive Rolle zu spielen. Bei einem Telefongespräch mit Chinas Außenminister Yang Jiechi habe Ban darauf gedrungen, dass China "seinen Einfluss" nutzen müsse, um eine "vollständige und sofortige Umsetzung" des Sechs-Punkte-Plans des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan und der Beschlüsse der Syrien-Aktionsgruppe sicherzustellen, sagte ein UNO-Sprecher. Ban hatte zuvor gewarnt, sollte der UNO-Sicherheitsrat den Druck auf die Führung in Damaskus nicht erhöhen, wäre dies eine "Lizenz für weitere Massaker".

China hat gemeinsam mit Russland bisher zwei Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats blockiert, mit denen der Westen den Druck auf Syriens Staatschef Assad erhöhen wollte. Seit Kurzem wird in New York über einen neuen Resolutionsentwurf verhandelt. Ban reist in den kommenden Tagen zu politischen Gesprächen nach China. Der UNO-Sondergesandte für Syrien, Kofi Annan, wird am Montag in Moskau erwartet.

In Syrien tobt seit März 2011 ein Volksaufstand gegen die Herrschaft von Präsident Assad. Nach Angaben der in London beheimateten, oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seitdem mehr als 17.000 Menschen getötet, darunter etwa 12.000 Zivilisten. Die Führung in Damaskus spricht dagegen von einem Kampf gegen Terroristen, die Tausende Soldaten und Polizisten getötet haben sollen.

Mehr zum Thema:
"Protest auf die brutalst mögliche Art unterdrücken" - Wissenschaftler über die Meldungen über Massaker in Syrien
Westen mit neuem Resolutionsentwurf gegen Syrien - Russland will Sankionen nicht unterstützen
"Freunde Syriens" fordern Assads Rücktritt - Krisengipfel in Paris fordert China und Russland zum Handeln auf
Mißfelder: Die UNO kommt an dieser Stelle nicht weiter - Syrien-Friedensverhandlungen in Genf drohen zu scheitern
Assads Regime macht Jagd auf jede einzelne Kamera - Der documenta-Künstler Rabih Mroué über syrische Scharfschützen und ihren Krieg gegen Bilder
Wortwechsel - Kein Ende in Sicht
"Dieser Krieg wird sehr lange werden, sehr blutig sein" - Michael Lüders sieht Friedenspläne in Syrien zum Scheitern verurteilt
Araber rücken weiter von Assad ab - NATO: Keine militärische Intervention in Syrien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 02:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Bangladeschs TextilindustrieNiedrige Löhne und gefährliche Arbeit

"So billig kommt ihr nicht davon!" - Demonstranten fordern Entschädigung für die Opfer von Rana Plaza

Bei dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch starben vor einem Jahr mehr als 1.100 Menschen. In der Kritik stehen die großen Modeketten und Handelshäuser in Europa und den USA.

Schwerpunktthema600 Jahre Konzil in Konstanz

Der tschechische Reformator Jan Hus vor dem Konstanzer Konzil

Es ging um nicht weniger als die Überwindung der Spaltung der Kirche, das Große Abendländische Schisma, auf dem vierjährigen Konzil zu Konstanz. Und sie kamen zu Tausenden aus allen Teilen der westlichen Welt.

GesundheitWenn der Tic zum Symptom wird

Eine schreiende junge Frau

Sie stoßen Laute aus, machen Tiergeräusche nach oder grimassieren unkontrolliert: Die Variabilität der Tics bei Menschen mit Tourette-Syndrom ist extrem groß. Oft wird die Krankheit deshalb gar nicht erkannt.

FacebookUmsatzplus von mehr als 70 Prozent

Ein Mann vor dem "Gefällt-mir"-Daumen von Facebook in Silicon Valley in Kalifornien (USA)

Das soziale Netzwerk Facebook hat seine Probleme gelöst: Ein Konkurrent, der Nachrichtendienst WhatsApp, der sich zunehmender Beliebtheit erfreute, wurde aufgekauft. Auch an der Schwierigkeit, mit Werbung auf mobilen Geräten Geld zu verdienen, wurde lange gearbeitet.

Corso-Gespräch"Wir berichten, bevor wir recherchieren!"

"Postillon24 - Wir berichten, bevor wir recherchieren" Die Satire-Website "Der Postillon" kommt zum NDR: Ab dem 25. April 2014 wird es immer freitags um 0.00 Uhr im NDR Fernsehen 15-minütige satirische Nachrichten unter dem Titel "Postillon24 - Wir berichten, bevor wir recherchieren" geben. Präsentiert von Anne Rothäuser und Thieß Neubert (Foto).

Im Netz folgen schon Tausende dem satirischen Nachrichtenportal "Der Postillion", das 2013 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Nun startet die Site den Angriff auf die alten Medien: In der Nacht auf Samstag laufen die TV-Nachrichten "Postillon24" ab Mitternacht im NDR.

TextilindustrieFehlende Unterstützung für Öko-Labels

Neben einem Ständer mit Kleidung hängt in einer Boutique in München eine Spielzeugpuppe aus Öko-Wolle.

Die Konsumforscherin Lucia Reisch fordert ein "gutes Investitionsklima" für Firmen, die auf die Entwicklung nachhaltiger und fair gehandelter Textilprodukte setzen. Hier könne die Politik mehr tun und kreativer werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kerry richtet in Ukraine-Krise  scharfe Warnung an Russland | mehr

Kulturnachrichten

Russland  treibt Gesetz gegen Blogger voran | mehr

Wissensnachrichten

Kunst  Kunst: Unbekannte Warhol-Werke von 1985 auf Floppy-Disks aufgetaucht | mehr