Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

UNO-Hochkommissarin will Fakten über die Tötung Bin Ladens

Zweifel an der Zuverlässigkeit Pakistans

Blick auf das Anwesen im pakistanischen Abbottabad, in dem Terroristenführer Osama bin Laden ermordet wurde. (AP)
Blick auf das Anwesen im pakistanischen Abbottabad, in dem Terroristenführer Osama bin Laden ermordet wurde. (AP)

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navanethem Pillay, hat detaillierte Angaben zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gefordert. Zur Beurteilung des Einsatzes wäre es hilfreich, wenn man die genauen Fakten erfahren würde, sagte sie in Genf. Auch bei Anti-Terror-Einsätzen müsse internationales Recht beachtet werden.

Am Dienstagabend hatte das Weiße Haus mitgeteilt, dass Bin Laden bei seiner Tötung nicht bewaffnet gewesen sei. Zugleich bekräftigte die US-Regierung, der Al-Kaida-Chef habe sich gegen seine Festnahme gewehrt und sei daraufhin erschossen worden. Ein Sprecher betonte, es sei noch nicht entschieden, ob Fotos des Toten veröffentlicht würden. Die Taliban hatten zuvor Zweifel am Tod Bin Ladens geäußert. Bisher komme die Nachricht nur von einer Seite, ohne dass es Beweise gebe, meinte ein Sprecher.

Rolle Pakistans in der Diskussion

Nicht in einer unzugänglichen Höhle haben die Soldaten Bin Laden aufgespürt, sondern in einem gut gesicherten Gebäude, keine 60 Kilometer von Islamabad entfernt. Die Zuverlässigkeit Pakistans steht deshalb für viele infrage. Grundsätzliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Kooperation Pakistans gegenüber den USA hat Charles King IV. Mallory, Direktor des Aspen-Instituts in Berlin, nicht. Allerdings weise einiges darauf hin, dass es Kreise im pakistanischen Nachrichtendienst gebe, die mit den Terroristen sympathisierten, sagte Mallory.

Pakistans Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani hat sich gegen die negative Berichterstattung über sein Land verwehrt. Gleichzeitig bat er um internationale Unterstützung beim Kampf gegen den Terrorismus.

BND-Chef sieht Al-Kaida geschwächt

Der Bundesnachrichtendienst sieht im Tod des Al-Kaida-Chefs eine Schwächung des Terrornetzwerks. Kurzfristig werde es keinen Zuwachs an Sicherheit geben, sagte BND-Chef Ernst Uhrlau dem "Hamburger Abendblatt". Zuletzt sei der Einfluss Bin Ladens auf das Tagesgeschäft des Netzwerks nur noch gering gewesen sei, dennoch werde der Tod der Identifikationsfigur eine Lücke reißen, die erst mit der Zeit wieder gefüllt werden könne.

Westerwelle warnt vor überzogenen Reaktionen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnt unterdessen vor überzogenen Reaktionen des Westens auf die Tötung des Al-Kaida-Chefs. Es gelte, religiöse Kulturen zu achten und den Islam zu respektieren, sagte Westerwelle der Zeitung "Die Welt". Die Gefahr einer Heroisierung Bin Ladens müsse ausgeschlossen werden.

Westerwelle schlug vor, ein neues Kapitel zwischen dem Westen und der arabischen Welt aufzuschlagen - mit Entspannung, Verständnis und Dialog. Für die Mehrheit der Jugend in den arabischen Ländern sei der Terrorismus von gestern. Die Entwicklungen in Tunesien und Ägypten hätten gezeigt, dass die jungen Menschen freiheitlicher leben wollten.

Merkel wegen Freude über Bin Ladens Tod in der Kritik

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird wegen ihrer Reaktion auf die amerikanische Kommandoaktion unter anderem von Vertretern der Kirchen kritisiert. Man könne sich darüber freuen, dass Bin Laden nicht mehr Anführer der Terroristen sein könne, sagte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt, der "Berliner Zeitung".

Über seinen Tod könne man sich als Christ nicht freuen, meinte auch der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. Auch andere CDU-Politiker betonten, eine Festnahme und Anklage bin Ladens wären besser gewesen als seine Tötung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Mays Bündnis mit der DUP"Diese Regierung wird lange bestehen"

Die britische Premierministerin Theresa May mit der Vorsitzenden der nordirischen DUP-Partei Arlene Foster vor Downing Street Nummer 10 (26.6.2017). (AFP / Daniel Leal-Olivas)

Für ihre Minderheitsregierung ist die britische Premierministerin Theresa May ein Bündnis mit der nordirischen Partei DUP eingegangen. Der britische Historiker Brendan Simms ist optimistisch, was den Bestand dieses Bündnisses angeht: " Ich rechne damit, dass diese Regierung relativ lange bestehen wird", sagte er im Dlf.

Türkei verbannt Charles Darwin aus den Schulen "Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben"

Die Evolution des Menschen (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)

Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von "Borniertheit" in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

ETHEREUMCrash bei der Cyberwährung

Ethereum ist eine Kryptowährung, die in den vergangenen Wochen einen sagenhaften Aufstieg hinter sich. Doch jetzt gab es einen Crash. Die zeigen ziemlich deutlich, wo die Gefahren dieser Währung liegen.

WohnprojektFlüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge unter einem Dach

Sharehaus Refugio - mit Flüchtlingen leben. (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Flüchtlinge sollen nicht abgeschottet in Asylbewerberheimen leben. Das ist die Grundidee des Share-Hauses "Refugio". Das mächtige Gründerzeithaus in Berlin-Neukölln gehört der Evangelischen Kirche – genauer: der Berliner Stadtmission. Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge wohnen unter einem Dach. Funktioniert das?

Religion und WirtschaftUmverteilen mit Luther

Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)

Allzu oft werde übersehen, dass es bei Luthers Kritik am Ablasshandel auch ums Geld ging, meint der Theologe Christoph Fleischmann. Gottes Gnade sei umsonst - und das habe auch Konsequenzen für die Verteilung von Geld und Ressourcen in der Gesellschaft.

Vor 10 Jahren: Mumie identifiziertHatschepsut - die mächtigste Frau Ägyptens

Büste des weiblichen Pharao Hatschepsut im Terrassentempel im Tal der Königinnen in Theben-West. (imago / Harald Lange)

Von 1479 bis 1458 v. Chr. regierte die Pharaonin Hatschepsut als mächtigste Frau Ägyptens. Ihre Mumie galt über 3.000 Jahre als verschollen. 2007 gelang es ägyptischen Wissenschaftlern, eine bereits 1903 entdeckte Mumie als die der Pharaonin Hatschepsut zu identifizieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Washington  US-Senat verschiebt Votum zu Obamacare | mehr

Kulturnachrichten

Brönner hält an "House of Jazz" fest  | mehr

 

| mehr