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UNO-Klimakonferenz in Durban gestartet

Allianz der Kleinen Inselstaaten AOSIS fordert rasche Einigung

Ein blattloser Akazienbaum in Namibia (Stock.XCHNG - Philip Niewold)
Ein blattloser Akazienbaum in Namibia (Stock.XCHNG - Philip Niewold)

Im südafrikanischen Durban sind Vertreter von über 190 Staaten zur 17. UNO-Klimakonferenz zusammengekommen. Ziel ist es, eine Nachfolgeregelung für das 2012 endende Kyoto-Protokoll zu finden. Russland, die USA und China stehen einer Regelung, die eine weitere Reduzierung von Klimagasen vorsieht skeptisch gegenüber.

Die Allianz der kleinen Inselstaaten (englischsprachig) verlangt eine schnelle Einigung auf ein neues verbindliches Klimaschutzabkommen. Deren Präsidentin Dessina Williams kündigte an, alle Entscheidungen abzulehnen, die nicht das Überleben ihrer Nationen garantierten.

Vor allem die USA, China, sowie mehrere Schwellenländer sind nicht bereit, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu verringern. Der Grünen-Klimapolitiker Hermann Ott plädiert dafür, die USA und China zunächst außen vor lassen. Ziel des UN-Klimagipfels müsse ein Vertrag sein, bei dem die beiden Staaten nicht unbedingt von Anfang an mit dabei seien. Ott forderte die Europäische Union auf, den Klimaschutz federführend voranzutreiben.

Die EU ist willig, ergreift aber nicht die Initiative. Wissenschaftler sind sich einig, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad im laufenden Jahrhundert erreicht werden muss. Jedes Grad darüber gefährdet ganze Ökosysteme und Inselstaaten auf Meereshöhe. Im Zuge der Erwärmung würden die Polkappen weiter abschmelzen und den Meeresspiegel ansteigen lassen. Die Malediven beispielsweise befürchten ihren Untergang.

Schon in diesem Jahrzehnt muss die Welt nach Expertenmeinung damit aufhören, das Klima durch den Bau von weiteren Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen zu belasten.Denn allein die dann bestehenden Kraftwerke werden in ihrer Laufzeit von bis zu 60 Jahren so viel Kohlendioxid ausstoßen, dass sich die Erdatmosphäre im Schnitt um die erwähnten rund zwei Grad erwärmt. Zu dieser Obergrenze hatte sich die internationale Staatengemeinschaft beim Klimagipfel im mexikanischen Cancun bekannt - und Wissenschaftler halten eine noch stärkere Erwärmung für unkontrollierbar. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagte im DLF-"Hintergrund":

"Wenn man mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln unter der Zwei-Grad-Marke bleiben will, können wir bis 2050 insgesamt noch etwa 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, und wenn man sich die Zahlen anschaut, wenn wir auf dem heutigen Level allein weitermachen, haben wir das schon in 20 Jahren, und daran sieht man, dass wir sehr schnell auf die Bremse treten müssen, wenn wir dieses Ziel noch einhalten wollen."

Der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif hält viele der heutigen extremen Wetterphänomene für vom Menschen verursacht. Schuld an sintflutartigen Niederschlägen, Stürmen oder auch Dürreperioden sei der Klimawandel, ausgelöst durch Umweltverschmutzung, Treibhausgase und Raubbau an der Natur. Die Klimaerwärmung gehe weiter, prognostiziert Latif. Noch in diesem Jahrhundert werde sich das Klima derart verändern, wie es in der Geschichte der Menschheit bisher nicht da gewesen sei.

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU), aufgenommen in Leverkusen. (picture alliance / dpa)Klaus Töpfer hält Erfolgschancen des UN-Klimagipfels für gering (picture alliance / dpa)Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer erwartet keine klaren Ergebnisse von der Konferenz. Im Deutschlandradio Kultur forderte Töpfer die Industrieländer auf, ihre Anstrengungen beim Klimaschutz zu verstärken. "Gelinge das hierzulande nicht, würde es auch extrem schwer, die Entwicklungsländer davon zu überzeugen." Deutschland sei bereits auf einem guten Weg. Schon jetzt würden etwas mehr als 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt.

Weitere Beiträge zum Klimagipfel in Durban finden Sie in unserem Themenportal.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

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