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UNO: Syrien befindet sich im Bürgerkrieg

Russland weist US-Kritik an Waffenlieferungen zurück

Eine Artilleriegranate auf einer Straße in einem Wohnviertel von Homs, Syrien (picture alliance / dpa / David Manyua / UNO)
Eine Artilleriegranate auf einer Straße in einem Wohnviertel von Homs, Syrien (picture alliance / dpa / David Manyua / UNO)

In Syrien herrscht Bürgerkrieg - jetzt spricht auch der Leiter der UNO-Friedensmissionen davon. Die Gewalt gegen Zivilisten und insbesondere gegen Kinder eskaliert. Das Terrornetzwerk al-Kaida ruft zum bewaffneten Kampf gegen das Assad-Regime auf. Der Syrien-Konflikt wird immer mehr zum Streitpunkt zwischen den USA und Russland.

Wer glaubt, die Gewalt in Syrien habe ihren Gipfel erreicht, der irrt. UNO-Beobachter registrierten in den vergangenen Tagen eine erhebliche Zunahme der Gewalt sowohl von den syrischen Streitkräften als auch den Rebellen. Die Regierungstruppen versuchen auch mit Kampfhubschrauber Gebiete zurückzuerobern, die Aufständische kontrollieren. Im Gegenzug verstärke die Opposition ihre Angriffe auf Regierungstruppen und zivile Infrastruktur. "Der Konflikt hat nahezu alle Regionen Syriens erfasst", erklärte der UN-Untergeneralsekretär für Friedensmissionen, Herve Ladsous.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad betet im Kreis seiner Generäle (picture alliance / dpa / Sana)Syriens Machthaber Baschar al-Assad betet im Kreis seiner Generäle (picture alliance / dpa / Sana)Was mit einem Aufstand zum Arabischen Frühling begann und zu einem blutigen Konflikt auswuchs, hat laut Ladsous Ausmaße eines Bürgerkriegs angenommen. Die Führung in Damaskus unter Machthaber Baschar al-Assad habe große Teile des Landes und mehrere Städte an die Regierungsgegner verloren und versuche diese nun zurückzuerobern, sagte Ladsous. Entsprechende Berichte kommen aktuell aus der Region Al-Haffe unweit der syrisch-türkischen Grenze.

Das Assad-Regime ließ auf seine Antwort nicht lange warten: Die Einschätzung der UNO sei "weit von der Realität entfernt", teilte das syrische Außenministerium mit. Die arabische Republik zwischen Türkei und Irak sei vielmehr mit einem "bewaffneten Konflikt" konfrontiert, um den "Terrorismus zu entwurzeln". Assad lässt sich neuerdings von einer US-britischen PR-Agentur beraten.

Flüchtlingswelle in die Türkei

Die Türkei ist unterdessen beunruhigt, dass die syrische Gewalt auf ihr Staatsgebiet übergreift. Außenminister Naci Koru sagte, die bewaffneten Auseinandersetzungen "betreffen unsere Sicherheit". Dazu habe auch eine neue Flüchtlingswelle beigetragen. In den vergangenen zwei Tagen seien 2000 weitere Syrer in der Türkei eingetroffen. Insgesamt seien nun 29.000 Syrer auf in die Türkei geflüchtet.

Kinder als Schutzschilde

Was genau in Syrien passiert, lässt sich nur schwer sagen. UN-Blauhelmsoldaten sind die einzigen unabhängigen Beobachter in dem Land. Doch auch sie drängen nur selten bis zu den Schauplätzen von Massakern vor. Seit Beginn des Aufstands im März 2011 sind nach UN-Angaben schätzungsweise 10.000 Menschen getötet worden.

Am Dienstag sollen bei Gefechten 30 Menschen getötet worden sein. Die Vereinten Nationen setzten Syrien erstmals auf eine Liste der Schande. Darin finden sich Staaten, in denen Kinder in bewaffneten Konflikten getötet oder sexuell missbraucht und rekrutiert werden. Kinder fungieren demnach auch als menschliche Schutzschilde; Minderjährige werden dafür gewaltsam aus Schulen und Wohnungen geholt, erklärte eine UNO-Sprecherin.

Zankapfel zwischen USA und Russland

US-Außenministerin Hillary Clinton (picture alliance / dpa / EPA / Olivier Hoslet)US-Außenministerin Hillary Clinton (picture alliance / dpa / EPA / Olivier Hoslet)Der nun offizielle Bürgerkrieg in Syrien gerät immer mehr zum Spielball zwischen Russland und den USA. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte in Washington, eine russische Lieferung von Kampfhubschraubern und anderen Waffen an Assad würde "den Konflikt ziemlich dramatisch eskalieren lassen". Der UN-Untergeneralsekretär für Friedensmissionen bestätigte, "dass nicht nur Panzer und Artillerie im Einsatz sind, sondern auch Kampfhubschrauber".

Moskaus Rüstungsgeschäfte mit der Führung in Damaskus verletzten nicht das Völkerrecht, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Im Gegenzug beschuldigte er die USA, die syrischen Rebellen im Kampf gegen die Regierung von Präsident Assad zu bewaffnen. Der Kreml hatte sich wiederholt gegen ein militärisches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in Syrien ausgesprochen und im UNO-Sicherheitsrat Resolutionen gegen das Land wiederholt verhindert.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach sich trotz der zunehmenden Gewalt gegen eine ausländische Militärintervention in Syrien aus. Diese wäre "nicht der richtige Weg für Syrien", sagte Rasmussen. Es gebe auch keine entsprechenden Pläne.

Al-Kaida ruft zum Kampf gegen Assad auf

Das Terrornetzwerk al-Kaida veröffentlichte unterdessen im Internet ein Video, in dem der inzwischen getötete Islamist Abu Jahja al-Libi zum Kampf gegen das Assad-Regime aufruft. Araber und Syrer sollten sich von "Illusionen der Friedfertigkeit" lösen und den bewaffneten Kampf aufnehmen, so al-Libi. Nach Angaben auf einer Webseite islamistischer Extremisten wurde das Video bereits im November aufgezeichnet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

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