Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

UNO warnt vor Flüchtlingsdrama in Syrien

Türkischer Außenminister fordert Schutzzone für Bevölkerung

Syrische Flüchtlinge im türkischen Lager Boynuyogun (picture alliance / dpa / Alexander Roth-Grisard)
Syrische Flüchtlinge im türkischen Lager Boynuyogun (picture alliance / dpa / Alexander Roth-Grisard)

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Die Lage der Flüchtlinge in Syrien werde immer kritischer. 2,5 Millionen Menschen bräuchten Hilfe. Unterdessen gehen die Kämpfe im Land weiter. Rebellen sollen ein Gebäude des Geheimdiensts in Aleppo angegriffen haben.

"Wenn die Kämpfe weitergehen, wird die Zahl der Flüchtlinge unsere Möglichkeiten überschreiten", warnte der stellvertretende UNO-Generalsekretär Jan Eliasson gestern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York. Mittlerweile benötigten schon 2,5 Millionen Menschen in Syrien Hilfe. "Damit hat sich die Zahl seit März verdoppelt", so Eliasson.

Nach UNO-Angaben sind 229.000 Menschen außerhalb Syriens als Flüchtlinge registriert. Innerhalb von nur 30 Stunden hätten mehr als 5000 Flüchtlinge sein Land erreicht, erklärte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu und bat um Hilfe: "Wie lange werden wir zusehen, wie eine ganze Generation mit willkürlichen Bombardements ausgelöscht wird?" Davutoglu forderte den Sicherheitsrat auf, eine Schutzzone für die syrische Zivilbevölkerung einzurichten.

Er mahnte, wer nicht gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit einschreite, «wie sie vor unseren Augen» in Syrien begangen würden, werde zum Komplizen. Er sei mit der Hoffnung nach New York gekommen, der Sicherheitsrat werden «lange überfällige Schritte» machen, um den leidenden Menschen zu helfen und Lager für sie in Syrien zu errichten, so Davutoglu. Großbritannien und Frankreich signalisierten Sympathie für den Vorschlag, Russland und China Ablehnung. Vom bisherigen Verhalten des Sicherheitsrates zeigte er sich enttäuscht: "Ich bin davon ausgegangen, dass die große Not den Rat zur Einigkeit drängt. Ich wurde enttäuscht."

Wittig: Wir sind zur Untätigkeit verdammt

Der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig (picture alliance / dpa / EPA / Justin Lane)Der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig (picture alliance / dpa / EPA / Justin Lane)Ähnlich enttäuscht zeigte sich der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig. Er beklagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP die anhaltende Blockade des Sicherheitsrats in der Syrien-Frage. "Wir sind zur Untätigkeit verdammt worden», so Wittig. Derzeit sei «keine Resolution oder robuste Reaktion» des UNO-Gremiums zu erwarten. Im Juli hatten Russland und China zum dritten Mal ein Veto gegen eine Resolution eingelegt, die den Druck auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad erhöhen sollte.

Unterdessen gehen die Kämpfe in Syrien weiter. In Aleppo haben Rebellen offenbar ein Gebäude des Geheimdiensts angegriffen. Es habe Kämpfe mit den dortigen Mitarbeitern gegeben, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Armee habe mehrere Stadtteile Aleppos bombardiert. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Auch in der Hauptstadt Damaskus und ihrer Umgebung sowie im Süden und Osten Syriens soll es zu neuen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen gekommen sein. Oppositionsangaben zufolge sind gestern landesweit 119 Menschen getötet worden. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Präsident Assad im März 2011 sollen nach Angaben der Beobachtungsstelle etwa 25.000 Menschen umgekommen sein.


Mehr zum Thema:

Wenig Interesse in Washington an Intervention in Syrien - USA-Experte Josef Braml charakterisiert Obamas Drohung als Abschreckungsstrategie
"Es wird ganz viel gedroht und gewarnt - nicht nur an dieser Front" - Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik über das internationale Säbelrasseln rund um Syrien
Syrienkonflikt weitet sich auf Libanon aus - Mehrere Tote und 100 Verletzte bei Feuergefechten zwischen Muslimen
USA lehnen Hollandes Vorstoß für Syrien ab - Schnelle Bildung einer Übergangsregierung sei "verfrüht"
Opposition: Syrien muss ein Rechtsstaat werden - Regimekritiker legen Konzept für Zeit nach Assad vor

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Abschluss des KatholikentagsKonstruktive Debatten ohne die AfD

Tausende Gäste nehmen am Abschlussgottesdienst des 100. Katholikentages am 29.05.2016 auf dem Augustusplatz in Leipzig (Sachsen) teil. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, betonte das unverhandelbare Recht verfolgter Menschen auf menschenwürdige Behandlung. Etwa 40.000 Besucher kamen nach Leipzig - die AfD wurde dabei von den Diskussionen ausgeschlossen.

PhilosophieHappy Birthday Aristoteles!

China: Nanchang Shan Qing Lake Aristotle Sculpture.  (imago)

Der griechische Philosoph Aristoteles prägt unser Denken, unsere Wissenschaft bis heute. Aber was genau hat er uns noch zu sagen? Eine Sondersendung beschäftigt sich damit.

LandpaddelingSurfen ohne Wasser

Sieht gewöhnungsbedürftig wie alles Neue aus, ist aber der urbane Trend: Landpaddling. Rauf aufs Onda-Board, mit dem Paddel abstoßen und los geht's! Neben dem Spaß gibt es dabei einen Trainingseffekt für die Bauch- und Rückenmuskulatur. 

AfD-Vorsitzende Petry zur Flüchtlingshilfe"Die Kirche betreibt eine Art modernen Ablasshandel"

Frauke Petry mit ihrem Laptop auf dem Parteitag der AfD. (imago stock&people/Sven Simon)

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat der Kirche vorgeworfen, in der Flüchtlingspolitik lediglich eigene Interessen zu verfolgen. Mit Nächstenliebe habe das nichts zu tun, sagte Petry im Deutschlandfunk. Diakonie und Caritas erhielten staatliche Gelder dafür, dass sie Flüchtlinge aufnehmen und Räumlichkeiten bereitstellten.

Seelenrave"Nacktheit ist für mich das Natürlichste auf der Welt"

Ludwig Schwankl ist Seelenraver und will weg vom rationalen Denken. Er hört lieber auf sein Gefühl und will zurück zur Natur des Menschen. Die Nacktheit ist Teil seiner Selbstverwirklichung und steht sinnbildlich dafür, sein nacktes Selbst zu leben.

100 Jahre Schlacht von VerdunMerkel und Hollande setzen ein Zeichen

Vor dem Jahrestag anlässlich von 100 Jahren Erster Weltkrieg (1914 - 1918) - Schlacht von Verdun. Ein Mann und ein Junge durchstreifen die Gedenkkreuze für die gefallenen Soldaten. Anlässlich der Hundertjahrfeier der Schlacht von Verdun soll das neue "Verdun Memorial" eröffnet werden.  (picture alliance / dpa / MAXPPP)

Hunderttausende Franzosen und Deutsche starben vor 100 Jahren während der Schlacht von Verdun. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande treffen sich dort zu den Gedenkfeierlichkeiten, um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Milchgipfel  Agrarminister Schmidt berät mit Bauern und Handel über Preise | mehr

Kulturnachrichten

"Rockavaria": Räumung wegen drohenden Unwetters  | mehr

Wissensnachrichten

Hybride  Pizzlys verdrängen Eisbären | mehr