Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Unruhen in Kirgistan

Tausende Flüchtlinge stehen vor usbekischer Grenze

Warten auf Einlass: Flüchtlinge an der kirgisischen Grenze zu Usbekistan. (AP)
Warten auf Einlass: Flüchtlinge an der kirgisischen Grenze zu Usbekistan. (AP)

Die Lage in Kirgistan bleibt örtlich angespannt. Die Vereinten Nationen haben trotz der Unruhen dazu aufgerufen, die geplante Volksabstimmung durchzuführen. Damit könnte die Übergangsregierung international legitimiert werden.

Bei den viertägigen gewaltsamen Ausschreitungen zwischen kirgisischen und usbekischen Gruppierungen kamen nach offiziellen Angaben mehr als 170 Menschen ums Leben. Das Rote Kreuz geht von mehreren Hundert Toten aus. Selbst die Interimspräsidentin Rosa Otunbajewa räumte ein, dass die Zahl vermutlich um ein Vielfaches höher liege. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, geht inzwischen von einem Flüchtlingsdrama aus. Rund 275.000 Menschen versuchten vor der anhaltenden Gewalt zu entkommen.

Es wird von Plünderungen und Bränden berichtet sowie von Hetzjagden auf die usbekische Minderheit. Diese zieht es aus Angst vor der Gewalt nun an die Grenze zu Usbekistan, welches den Flüchtlingsansturm jedoch vorerst blockiert hat und die Übergänge schloss. Am Grenzbereich sammeln sich nun Tausende Menschen, die unter mangelnder Wasser- und Nahrungsversorgung leiden sowie fehlender Medizin.

Deutschlandradio-Journalist Thorsten Jabs sagte im Deutschlandradio Kultur (Audio-Datei):

"Es deutet vieles darauf hin, dass das kirgisische Militär die Lage immer noch nicht unter Kontrolle hat."

Im April war Kirgistans Staatspräsident Kurmanbek Bakijew gestürzt worden. Nun wird das Land von einer Übergangsregierung geleitet. Was der Auslöser für die Eskalation der Gewalt vor vier Tagen war, vermag auch Jabs nicht eindeutig zu sagen:

"Es ist absolut nicht geklärt, woran es lag, dass von Donnerstag auf Freitag die Unruhen so schnell eskaliert sind. Es wird von einem Streit in einem Kasino berichtet. Dann gibt es eine Version, in der ein kirgisisches Mädchen von Usbeken vergewaltigt worden sein soll. Aber ich denke, diese Berichte sollten mit Vorsicht genossen werden."

Auch die Opferzahlen sind bisher unklar. Die Angaben schwanken zwischen 120 und 700 Toten.

Andrea Berg beobachtet die Unruhen für "Human Rights Watch" und sagte im Deutschlandfunk, in der Stadt Osch habe sich die Lage insofern beruhigt, dass fast keine Usbeken mehr in der Stadt übrig seien.

"Die sind entweder tot oder geflohen. Wir haben jetzt schwere Ausschreitungen in benachbarten Städten, in Basarkorgon und auch in Dschalalabat, und wir befürchten, dass das Ganze auch übergreift auf noch weitere Siedlungen, zum Beispiel Arawan und Usgenn."

Die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, hat die Entwicklung in Kirgistan als dramatisch bezeichnet. Die Gewalt im Süden des Landes könne als versuchte ethnische Vertreibung bezeichnet werden, sagte der Hohe Kommissar für nationale Minderheiten, Knut Vollebaek, in Wien. Die kirgisische Übergangsregierung habe nicht die Macht, um Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen.

ARD-Videobeitrag zur Lage an der kirgisisch-usbekischen Grenze

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:10 Uhr Die neue Platte

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Agenda 2010"Es ist immer wieder gut, Dinge in Frage zu stellen"

BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise nimmt am 25.02.2016 in Berlin im Haus der Wirtschaft an der Veranstaltung "Ankommen in Deutschland", dem Aktionsprogramm der Industrie- und Handelskammern zur Integration von Flüchtlingen teil. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat die Agenda 2010 gelobt und sich zugleich für Änderungen ausgesprochen. Berufe, Arbeitsverträge und Arbeitsorte veränderten sich. Deshalb könne man erwarten, dass die Politik diese Entwicklungen nach vorne gerichtet unterstütze, sagte er im Deutschlandfunk.

Aretha Franklins GeburtstagSoul-Ikone und Bürgerrechtlerin feiert 75.

Aretha Franklin  (picture alliance / dpa / Ron Sachs)

Aretha Franklin sang für Martin Luther King und bei der Amteinführung von Barack Obama, die afroamerikanische Sängerin gilt als eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt. Nun ist die Soul-Diva 75 Jahre alt geworden - und denkt über einen Abschied von der Bühne nach.

BuchprojektAuf einen Coffee to go nach Togo

Ein leerer Starbucks-Kaffeebecher (dpa picture alliance / Inga Kjer)

Coffee to go kennen wir alle. Bloß wo kommt eigentlich der echte Kaffee Togo her? Markus Weber wollte es wissen und machte sich auf den Weg. Mit dem Fahrrad nach Togo, durch 26 Länder, 14.000 Kilometer. Daraus entstand sein Buch "Ein Coffee to go in Togo".

KaczynskilandWie polnische Geschichte und Kultur umgedeutet werden

Das Denkmal "Westerplatte" zu Ehren der polnischen Verteidiger in der gleichnamigen Gedenkstätte in Danzig in Polen, aufgenommen am 17.06.2012. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Mit dem deutschen Beschuss der Westerplatte vor Danzig beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Die Polen wehren sich tapfer und unterliegen. So wird die Geschichte im Museum der Stadt Gdansk erzählt. Und das, findet die neue polnische Regierung, ist viel zu unpatriotisch.

FamilienkonflikteGeschichten vom Loslassen

Eine Frau zerreißt ein Foto ihrer Eltern. (imago/epd )

Wenn sich Familienkonflikte nicht lösen lassen, bleibt noch die Möglichkeit, sich ganz zu trennen. Die "Lange Nacht" porträtiert Menschen, die genau das getan haben.

Sir Elton John wird 70"Musik ist meine Liebe, Shoppen meine Sucht"

Elton John in Brasilien  (picture alliance / dpa / Foto: EPA/Antonio Lacerda)

Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht Elton John auf der Bühne. Er zählt zu den erfolgreichsten Popstars aller Zeiten. Rund 300 Millionen Alben hat der exzentrische Brite verkauft. Doch ans Aufhören denkt Sir Elton John noch lange nicht: Die Show wird weitergehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Saarland  Landtagswahl hat begonnen | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Trump-Kunstinstallation erneut abgebrochen  | mehr

 

| mehr