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Unruhen in Libanon nach Bombenattentat

Ministerpräsident Nadschib Mikati bietet Rücktritt an

Der Terroranschlag in Beirut forderte mindestens acht Tote (picture alliance / dpa)
Der Terroranschlag in Beirut forderte mindestens acht Tote (picture alliance / dpa)

Nach dem Bombenanschlag in Beirut fordert die Opposition den Rücktritt der Regierung. Im ganzen Land kam es zu gewalttätigen Protesten. Regierungschef Nadschib Mikati bot daraufhin den Rücktritt seiner Regierung an - bleibt aber vorübergehend noch im Amt.

Mit Trauer und wütenden Protesten haben die Libanesen auf den tödlichen Bombenanschlag in Beirut reagiert. Landesweit gingen zum nationalen Tag der Trauer insbesondere in den von Sunniten dominierten Regionen Menschen auf die Straße und forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Nadschib Mikati. Aufgebrachte Demonstranten zündeten Reifen an. Geschäfte und Schulen blieben geschlossen, an allen Regierungsgebäuden wehten die Fahnen auf halbmast.

Demonstraten blockierten die Zufahrt zum internationalen Flughafen in Beirut und sperrten Straßen in der nordlibanesischen Hafenstadt Tripoli. Proteste und Straßenblockaden wurden aus dem Bekaa-Tal im Osten und der Stadt Sidon im Süden gemeldet. In einem Dorf im Bekaa-Tal schossen Soldaten auf Demonstranten, die eine Straße besetzten, und verletzten laut Zeugenaussagen zwei Menschen.

Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren gestern acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Unter den Toten ist auch Wissam al-Hassan, ein Sunnit und hochrangiger Funktionär des libanesischen Geheimdienstes. Nach Ansicht von Beobachtern galt ihm dieser Anschlag. Hassan stand der anti-syrischen Zukunftsbewegung des libanesischen Oppositionspolitikers Saad Hariri nahe und war schon Sicherheitschef unter dessen Vater und früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri, der 2005 bei einem Autobombenanschlag getötet wurde. Damals geriet Syrien in den Verdacht, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein.

Opposition vermutet Syrien hinter dem Anschlag

Wissam al-Hassan wurde bei einem Attentat getötet (picture alliance / dpa / EPA / Lebanese Internal Security Forces)Wissam al-Hassan wurde bei einem Attentat getötet (picture alliance / dpa / EPA / Lebanese Internal Security Forces)In der Nähe des Anschlagsorts befindet sich das Büro der 14.-März-Bewegung. Die Parteien, die hinter dieser Bewegung stehen, sind Gegner der Regierungskoalition. Das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad steht der schiitischen Hisbollah im Libanon nahe, die mit ihrem Bündnis eine Mehrheit im libanesischen Parlament hat und die jetzige Regierung an die Macht brachte. Viele sehen daher die Verantwortlichen für den Anschlag in Damaskus.

Die libanesische Regierung bot als Reaktion ihren Rücktritt an. Auf Bitten vom Präsident Michel Suleiman bleibe die Ministerrunde für eine Übergangszeit im Amt, teilte Ministerpräsident Nadschib Mikati mit. Zuvor hatte die Opposition ein Abdanken der Regierung Mikati verlangt, weil ihr auch Mitglieder der pro-syrischen schiitischen Hisbollah angehören.

Mikati sagte, er sehe einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und einer kürzlich von al-Hassan aufgedeckten Attentatsverschwörung, die zur Anklage des Ex-Minister Michel Samaha geführt hatte. Samaha gilt als Anhänger des syrischen Staatschefs Assad.

Weltsicherheitsrat fordert Ende der Gewalt gegen Politiker

International wurde der Bombenanschlag scharf verurteilt. Der Weltsicherheitsrat verurteilte den Versuch, den Libanon "mit politischen Hinrichtungen zu destabilisieren" und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker. Das höchste UNO-Gremium forderte die Libanesen auf, an der nationalen Einheit festzuhalten und den nationalen Dialog fortzusetzen.

"Es gibt keine Rechtfertigung dafür, einen Mordanschlag als politisches Werkzeug zu nutzen", sagte Tommy Vietor, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in Washington. Die USA würden der Regierung in Beirut zur Seite stehen, wenn sie die Verantwortlichen für die "barbarische" Tat zur Verantwortung zöge. Vietor betonte, dass die Sicherheit des Landes sehr bedeutend für die Stabilität in der Region sei.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

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