Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Unsichere Lage in Tunesien

Erneuter Wechsel an der Staatsspitze

Massive Proteste am Freitag in Tunis gegen den mittlerweile geflohenen Ex-Präsidenten Ben Ali.
Massive Proteste am Freitag in Tunis gegen den mittlerweile geflohenen Ex-Präsidenten Ben Ali. (AP)

In Tunesien hat der Verfassungsrat den Chef des Parlaments Mbazaa zum neuen Übergangs-Präsidenten ernannt. Der 77-Jährige soll innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen vorbereiten. Nach der Flucht von Präsident Ben Ali ins Exil in Saudi-Arabien hatte zuerst Ministerpräsident Ghannouchi die Amtsgeschäfte übernommen.

<p>Das Zentrum der Hauptstadt Tunis ist komplett abgeriegelt, Scharfschützen haben auf dem Innenministerium Stellung bezogen, Panzer stehen davor. Auch am Samstag ging der Vandalismus der Vortage weiter. Nahe Monastir gab es bei einem Gefängnisbrand Tote. Es herrscht große Unsicherheit - auch darüber, wer im Land derzeit wirklich das Sagen hat.<br /><br />Am Morgen hieß es noch, Premierminister Mohamed Ghannouchi werde das Land in der kommenden Zeit führen. <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="123078" text="Ghannouchi stand immer in Treue fest an der Seite des geflohenen Präsidenten Ben Alis" alternative_text="Ghannouchi stand immer in Treue fest an der Seite des geflohenen Präsidenten Ben Alis" /> - und hat deshalb ein Glaubwürdigkeitsproblem. Dann ernannte der Verfassungsrat den 67 Jahre alten Mbazaa zum neuen Interimspräsidenten. <br /><br /></p><p><strong>Ziel ist jetzt eine Koalitionsregierung</strong></p><p>Der ist bisher im Ausland kaum bekannt. <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/15/drk_20110115_1710_c66d8432.mp3" title="Beitrag in Ortszeit, Deutschlandradio Kultur (Audio)">Mbaaza gelte nicht unbedint als Mann Ben Alis, sagte Thomas Schiller, Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tunis, im Deutschlandradio Kultur.</a> Er werde noch am ehesten als überparteilich wahrgenommen und könne vielleicht einen Übergang glaubwürdig verkörpern. Aber auch Mbaaza ist Mitglied der Ben-Ali-Partei RCD.<br /><br />Gemeinsam mit seinem Premier Ghannouchi und erstmals auch Teilen der Opposition will Mbazaa eine Koalitionsregierung bilden und Neuwahlen organisieren. <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/15/dlf_20110115_1842_06b2cc5a.mp3" title="Bericht in Hintergrund, Deutschlandfunk">Es ist fraglich, ob Mbazaa und Ghannouchi in der Lage sind, das Land zu beruhigen, wie Korrespondent Alexander Göbel im Deutschlandfunk berichtet.</a><br /><br /><papaya:media src="611a15157bd051acc7b4320f65d81c5a" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Ausschreitungen überall im Land: Ein Demonstrant entfernt sich von einer brennenden Barrikade in der tunesischen Stadt Regueb." popup="yes" /></p><p><strong>Unruhen und Plünderungen</strong></p><p>In der Hauptstadt Tunis wurde in der Nacht zum Samstag die Polizeipräsenz erhöht. Trotz Ausgangssperre kam es Augenzeugenberichten zufolge zu Unruhen und Plünderungen. <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/15/drk_20110115_1206_25c503a6.mp3" title="Beitrag in Ortszeit, Deutschlandradio Kultur (Audio)">Korrespondent Marc Dugge berichtete im Deutschlandfunk von einer Atmosphäre der Angst.</a> Die Menschen blieben zu Hause, wenn sie könnten. <br /><br />Mehrere deutsche Reiseveranstalter haben begonnen, Urlauber aus dem Land zurückzuholen. Unternehmen wie TUI oder Thomas Cook sagten bis auf weiteres alle Flüge nach Tunesien ab.<br /><br />Bundeskanzlerin Merkel hat die Verantwortlichen in Tunesien zu einem Neuanfang aufgerufen. In einer Botschaft forderte sie, auf die protestierende Bevölkerung einzugehen und eine wirkliche Demokratisierung einzuleiten. Die Arabische Liga rief die Menschen in Tunesien zur Ruhe und Besonnenheit auf.<br /><br /></p><p><strong>Unterdrückung im Polizeistaat</strong></p><p>Auslöser der Massenproteste in Tunesien waren Arbeitslosigkeit und Armut. Doch die Wut der Menschen war getragen von dem großen Frust, nicht sagen zu dürfen, was man denkt. <a class="link_audio_portal" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/15/drk_20110115_1207_05b2ea2a.mp3" title="Beitrag in Deutschlandradio Kultur (Audio)">Die Tunesier wollen frei leben, berichtet Korrespondentin Claudia Altmann.</a> "In Tunesien war die Situation tatsächlich so unterdrückt, dass die Leute nicht mal bis in die Familien hinein gewagt haben, den Mund aufzumachen und Kritik zu üben," beschreibt sie die Hintergründe.<br /><br /><h4>Mehr zum Thema:</hh4><a class="link_audio_portal" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/15/dlf_20110115_1846_e69f7cc6.mp3" title="Beitrag in Hintergrund, Deutschlandfunk (Audio)i">Tunesische Verhältnisse</a></p>


Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Das Feature

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Windräder bei Nacht Leuchtfeuer nur bei Bedarf

Windfeld aus Windrädern in Klanxbüll (Schleswig-Holstein)

Windräder von über 100 Meter Höhe müssen über Blinklichter verfügen, um nachts für Flugzeuge sichtbar zu sein. Doch das "Leuchtfeuer" genannte permanente Blinken nervt vor allem Anwohner. Ingenieure arbeiten daher seit Jahren daran, das Licht nur dann einzuschalten, wenn auch wirklich ein Flugzeug kommt.

Frauenquote bei TV- und Kino-Produktionen"Ein sehr, sehr wichtiger Weckruf"

Die Regisseurin Vanessa Jopp

Nur 15 Prozent der Regieaufträge von TV-Sendern gehen an Frauen, beklagt die Initiative "Pro Quote Regie" und fordert eine Frauenquote bei Regieaufträgen und Fördermitteln. Regisseurin Vanessa Jopp erklärt, warum sie die Initiative unterstützt.

Flüchtlinge"Wo es Kontaktmöglichkeiten gibt, funktioniert's"

Andreas Flick wundert sich nicht über die Ergebnisse der Neon-Umfrage, auch wenn die nicht repräsentativ ist. Die Ängste, die hinter der ablehnenden Haltung der befragten 18- bis 35-Jährigen steht, haben aber nicht unbedingt etwas mit Fremdenfeindlichkeit zu tun.

Daniel BahrVom Minister zum Manager

Daniel Bahr, hier bei einer Kabinettssitzung 2013, arbeitet nun für eine Krankenversicherung

Im letzten Jahr lobte der damalige Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sich noch selbst für seinen "Pflege-Bahr", eine Zusatz-Pflegeversicherung, die unter anderem die Allianz anbietet. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wird er nun just bei dieser Versicherung führender Manager.

Genschers Balkon-RedeEndlich! Ausreise!

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) steht am Mittwoch (30.09.2009) auf dem berühmten Balkon der Deutschen Botschaft im tschechischen Prag.

Es waren rund 4000 Menschen, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag verschanzt hatten und auf ihre Ausreise in den Westen warteten. Dann trat der Außenminister der Bundesrepublik, Hans-Dietrich Genscher, auf den Balkon.

Russland und UkraineDie Ukraine mauert

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk lässt eine Mauer bauen - an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland. Die Mauer soll verhindern, dass russische Kämpfer und illegale Waffen über die Grenze transportiert werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Irak:  Britische Kampfflugzeuge bombardieren IS-Stellungen | mehr

Kulturnachrichten

Bayerische Staatsoper ist Oper des Jahres | mehr

Wissensnachrichten

Filmbranche  Netflix will Kinofilm mitproduzieren | mehr