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Urlaub im Arabischen Frühling

ITB-Reisemesse öffnet mit Ägypten als Partnerland

Strand in der Dominikanischen Republik (Deutschlandradio - Janine Wergin)
Strand in der Dominikanischen Republik (Deutschlandradio - Janine Wergin)

Wo Urlaub machen? Antworten will die Internationale Tourismusbörse (ITB) in Berlin geben. Vor allem Ägypten buhlt dieses Jahr als Partnerland um die Reiseweltmeister aus Deutschland.

Niemand hat mehr Fernweh als die Deutschen. Allein für Auslandsreisen gaben die Bundesbürger trotz wirtschaftlicher Krisen knapp 61 Milliarden Euro im vergangenen Jahr aus. Spanien, Türkei, Griechenland sowie die Karibik, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate heißen die Reiseziele mit wachsenden Buchungszahlen.

Der Rekordumsatz mit dem Urlaub soll nach Einschätzung der deutschen Tourismuswirtschaft noch einmal steigen. "Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen", sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Jürgen Büchy. Die Urlaubskassen seien gut gefüllt.

Nur wohin? Im Trend liegen laut Deutschem Reiseverband All-inclusive-Reisen, Städtereisen und Kreuzfahrten. Auch Reisen für spezifische Zielgruppen boomen, zum Beispiel Spezialreisen für Trauernde, die so den Weg zurück ins Leben finden können.

Ägypten sucht Aufbruch im Gastgewerbe

Sphinx vor der Cheops Pyramide (r) und der Chephren Pyramide (l) in Giseh, Ägypten (picture alliance / dpa / Kurt Scholz)Sphinx vor der Cheops Pyramide (r) und der Chephren Pyramide (l) in Giseh, Ägypten (picture alliance / dpa / Kurt Scholz)Ausgerechnet Ägypten ist dieses Jahr Partnerland für die größte deutsche Reisemesse ITB. Doch die Deutschen seien wegen der Proteste und Unruhen dort zurückhaltend mit Urlaubsplänen, hieß es. Das wollen die Gastgeber der Pharaonen im Jahr nach der Revolution ändern. Nach dem Arabischen Frühling soll zwischen Rotem Meer und Mittelmeer auch das Geschäft mit deutschen Touristen wieder Fahrt aufnehmen. In den nächsten fünf Jahren sollen die Gästezahlen auf 30 Millionen Besucher verdreifacht werden.

Der ägyptische Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour bedauerte, dass sich die internationale Berichterstattung zuletzt auf die erneuten Unruhen rund um den Tahrir-Platz in Kairo fokussiert habe. Diese Unruhen seien nicht repräsentativ für die Lage im Land. "Es gibt nach wie vor viel zu tun, der Weg wird lang sein und gelegentlich chaotisch, aber wir sind zuversichtlich", sagte Abdel Nour. Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung müssen sich derzeit vor der Justiz verantworten. Ihnen wird Finanzierung und Betrieb einer illegalen Organisation vorgeworfen.

Politische Forderungen auf der ITB

Stacheldraht vor blauem Himmel (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)Urlaub hinter Stacheldraht? (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)Die Reisebranche ist diesmal vielen politischen Forderungen ausgesetzt. So verlangte der Vorsitzende des Bundestags-Tourismusausschusses, Klaus Brähmig (CDU), eine Art "Diktatur-Stempel" in Reisekatalogen. Urlauber müssten wissen und sich fragen, "ob sie tatsächlich in ein völlig abgeschottetes Resort fahren wollen, wo sie dann am Strand liegen, wenn wenige Kilometer weiter die Einheimischen abgeschlachtet werden", sagte Brähmig der "Berliner Zeitung".

Die Reisebranche kritisiert dagegen den Protest gegen Flughafen- und Bahnhofsbauvorhaben in Deutschland. Weiten Teilen der Bevölkerung mangele es an Verständnis für eine zukunftsfähige Infrastruktur, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple. Er wandte sich auch gegen Umweltzonen, Bettensteuern, Hygieneampeln in der Gastronomie, die Luftverkehrssteuer und den Emissionshandel. Laepple rechnet damit, dass 2012 auch der Deutschlandtourismus boomt. Die Zahl der Übernachtungen werde von 394 Millionen auf mehr als 400 Millionen steigen - bei leicht steigenden Preisen.

Die Internationale Tourismus-Börse gilt als Konjunkturbarometer. Laut Veranstalter präsentieren bis Sonntag 10.644 Aussteller aus 187 Ländern ihre Angebote. Im Vorjahr gab es noch 11 163 Messestände. Die Ausstellerfläche sei aber voll ausgebucht, hieß es. Auf der Messe werden jährlich Umsätze von mehr als sechs Milliarden Euro erzielt. Bis Freitag tummelt sich das Fachpublikum in den Messehallen, am Wochenende öffnet die ITB auch für Verbraucher.

Programmtipp:
Am Mittwoch hören Sie um 14:10 Uhr im Radiofeuilleton auf Deutschlandradio Kultur, wie sich Ägypten auf der ITB präsentiert. "Bikinis statt Scharia - Der Tourismus kann für Ägypten eine Bastion gegen Fundamentalismus sein." Gespräch mit Hamed Abdel-Samad, Politologe und Schriftsteller

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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