Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Urteil gegen Whistleblower Manning schaffe "gefährlichen Musterfall"

Amnesty International und Wikileaks kritisieren US-Regierung

Bradley Manning verlässt nach dem Urteil das Gerichtsgebäude in Ford Meade (AFP / Saul Loeb)
Bradley Manning verlässt nach dem Urteil das Gerichtsgebäude in Ford Meade (AFP / Saul Loeb)

Ein US-Militärgericht hat Bradley Manning in den meisten Anklagepunkten schuldig gesprochen. Dem Whistleblower droht lebenslange Haft. Wikileaks-Gründer Julian Assange findet harte Worte für die US-Regierung.

Held oder Verräter - unter dieser Überschrift wurde auch nach dem Urteil gegen US-Whistleblower Bradley Manning diskutiert, berichtete Korrespondentin Bettina Klein im Deutschlandradio Kultur. Auch wenn er dem Feind nicht direkt geholfen hat, so hat er doch geheime Informationen weitergegeben, so die eine Argumentation.

Anders sieht das Wikileaks-Gründer Julian Assange. Noch vor der Urteilsverkündung sagte er dem Sender CNN: "Bradley Manning ist ein Held." Sein Handeln habe niemandem geschadet. Der Prozess sei Teil "des Krieges gegen investigativen Journalismus", den die USA führe. Nach dem Urteil ergänzte Assange, dass der Schuldspruch einen gefährlichen Musterfall schaffe und ein Beispiel für extreme nationale Sicherheit sei.

Kritik von Amnesty International

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte das Urteil. Im Kampf um die nationale Sicherheit habe die US-Regierung mit dem Prozess gegen Manning die falschen Prioritäten gesetzt. "Es scheint, dass er das Richtige tun wollte: rechtswidriges Verhalten der Regierung mit glaubwürdigen Beweisen aufdecken."

Der Schuldspruch sei eine Warnung an alle Whistleblower und die Zukunft des investigativen Journalismus, teilte die US-Sektion des Reporter-Netzwerks "Reporter ohne Grenzen" mit. "Wir sind immer noch besorgt über die abschreckende Wirkung für die Presse, besonders für Reporter, die über Themen zur nationalen Sicherheit berichten", sagte der Vorsitzende des Komitees zum Schutz von Journalisten CPJ, Joel Simon, laut einer Mitteilung.

Manning war gestern von einem Militärtribunal in Ford Meade in fast allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. So ist er neben Verstößen gegen das Spionage-Gesetz von 1917 des Diebstahls von Dokumenten der Streitkräfte und der illegalen Übermittlung von 250.000 vertraulichen Diplomatendepeschen schuldig. Vom schwerwiegendsten Vorwurf der Unterstützung des Feindes wurde der 25-jährige Obergefreite der US-Armee alleridings freigesprochen.

Manning übergab 700.000 Dokumente an Wikileaks

Damit drohen Manning laut der Enthüllungsplattform Wikileaks eine Höchststrafe von 136 Jahren Gefängnis, eine vorzeitige Entlassung ist rechtlich aber möglich. Heute sollen die Beratungen über das Strafmaß beginnen, das voraussichtlich noch im August verkündet werden soll.

Manning hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 rund 700.000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und Wikileaks zugespielt. Die bekannteste Veröffentlichung im Enthüllungsskandal ist das Video "Collateral Murder", das die Tötung von zwölf Zivilisten, darunter zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, durch amerikanische Helikopterbesatzungen dokumentiert. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden.

In Deutschland gebe es einen ausreichenden gesetzlichen Schutz für Whistleblower, erklärte CSU-Politiker Max Straubinger im Deutschlandfunk. Dem widersprach Johannes Ludwig, Medienprofessor aus Hamburg und Vorstandsmitglied des Vereins Whistleblower-Netzwerk. Der Schutz funktioniere nämlich nicht. "Das lehrt uns die tägliche Praxis vor den Gerichten."

Tweets zum Thema




Mehr zum Thema:

Schlussplädoyer im Prozess gegen Manning
Urteil gegen Wikileaks-Informant in wenigen Tagen erwartet
Bradley Manning wird der Prozess gemacht
Mutmaßlicher WikiLeaks-Informant vor Militärgericht
Spionage mit Tradition
Die Abhöraffäre und das transatlantische Verhältnis
Snowden beantragt vorläufiges Asyl in Russland
USA verlangen erneut Auslieferung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Eine Welt

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Breitband

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Vinyl-Box: "The Beatles: The Christmas Records"Weihnachtsgrüße der Beatles

Die Beatles 1967 (imago/ZUMA/Keystone)

Von 1963 bis 1969 verschickten die Beatles an die Mitglieder ihres Fanclubs Weihnachtsbotschaften, die die Bandgeschichte erzählen: vier junge Musiker starten voller Elan, haben überraschend Erfolg und werden sich schließlich fremd.

Radikalisierung in DeutschlandWenn aus Nazis Islamisten werden

Der Angeklagte Sascha L. kommt am 20.09.2017 in Handschellen zum Prozessauftakt in die Staatsschutzkammer des Landgerichts Braunschweig (Niedersachsen). Dem Hauptangeklagten wird die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat sowie der unerlaubte Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vorgeworfen. Die drei weiteren Angeklagten sind wegen Beihilfe angeklagt. (Angeklagte auf Anweisung des Gerichts unkenntlich gemacht)  (dpa / Swen Pförtner)

Im Hass vereint: Die Radikalisierung von Islamisten und Rechtsextremen scheint ähnlichen Mustern zu folgen. Ein Fall in Braunschweig lässt aufhorchen: Dort ist ein mutmaßlicher Islamist angeklagt, der vor drei Jahren noch zur rechtsextremen Szene gehört haben soll.

Anita Rée-Ausstellung in Hamburg Die Menschen-, die Frauen-Malerin

"Selbstbildnis" der Malerin Anita Rée  (picture alliance/dpa/Foto: Georg Wendt)

Die Künstlerin Anita Rée stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, zeitlebens wehrte sie sich aber dagegen, dass ihre Arbeiten als jüdische Kunst gelte. Ihre sensiblen Portraits sind noch bis Februar in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Germanistin Sandra Richter"Deutschsprachige Literatur wird global wahrgenommen"

Eine junge Frau betrachtet im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar eine Porträtbüste von Johann Wolfgang Goethe. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Rockstars und Jeansdesigner nutzen Rilke-Verse als Kontext. Und es gibt viele weitere Bespiele für den weltweiten Einfluss deutscher Literatur. Die Germanistin Sandra Richter hat ein Buch über deren Weltgeschichte veröffentlicht – "eine Geschichte des kulturellen Austauschs".

Antisemitismus in Deutschland"Wir brauchen eine gesellschaftspolitische Offensive"

Volker Beck (Grüne) spricht am 03.06.2016 im Deutschen Bundestag in Berlin. (dpa)

Auf Demonstrationen in Berlin wurden kürzlich israelische Flaggen verbrannt. Volker Beck von den Grünen fordert deswegen mehr Aufklärung über Antisemitismus. Allein mit ordnungspolitischen Maßnahmen ließe sich das Problem nicht lösen, sagte er im Dlf.

80 Jahre Bunker in WünsdorfNazis, Russen und Touristen

Ein Bunker im Wald nahe dem brandenburgischen Ort Wünsdorf. (Philipp Buder/Thomas Klug)

1937 wurde im brandenburgischen Wünsdorf mit dem Bau streng geheimer Bunker begonnen – das Oberkommando der Wehrmacht sollte von dort den Zweiten Weltkrieg dirigieren. Die Bunkeranlagen sind mittlerweile ein Mahnmal und locken viele Touristen an.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

CSU-Parteitag  Die Doppelspitze steht | mehr

Kulturnachrichten

Edgar Reitz hofft auf einen Generationenaufstand | mehr

 

| mehr