Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

US-Bürger "aus Versehen abgehört"

NSA bricht tausendfach die Rechte von Amerikanern

Der US-Geheimdienst NSA soll jahrelang US-Bürger abgehört haben. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Der US-Geheimdienst NSA soll jahrelang US-Bürger abgehört haben. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)

Laut eines Zeitungsberichts hat der US-Geheimdienst NSA in Tausenden Fällen Datenschutzrechte verletzt. Beim versehentlichen Abhören von Amerikanern soll die Vorwahl von Ägypten mit der von Washington verwechselt worden sein.

Der US-Geheimdienst NSA soll einem Bericht der "Washington Post" zufolge seit 2008 jedes Jahr tausendfach Datenschutzregeln gebrochen oder seine Kompetenzen überschritten haben. Das berichtet das Blatt unter Berufung auf eine interne Untersuchung der NSA und andere streng geheime Dokumente. Diese habe die Zeitung im Sommer von dem früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden bekommen. Die meisten der Vorstöße gegen die Vollmachten, die die NSA seit dem Jahr 2008 vom Kongress erhalten habe, habe es bei der nicht genehmigten Überwachung von Amerikanern oder anderen Zielen in den USA gegeben.

Vorwahlen verwechselt

Das Abhören der US-Bürger soll aber laut einer internen NSA-Untersuchung vom Mai 2012 ein Versehen gewesen sein. Eine "große Zahl von Gesprächen" sei in Washington abgehört worden, weil wegen eines Programmierfehlers die Telefonvorwahl von Washington (202) mit der von Ägypten (20) verwechselt worden sei. Bei der Untersuchung seien nur Vorfälle in der NSA-Zentrale in Fort Meade (US-Bundesstaat Maryland) und in der Region Washington gezählt worden.

Die schwerwiegendsten Vorfälle hätten die Verletzung einer Gerichtsanordnung und die nicht genehmigte Verwendung von Daten von mehr als 3000 US-Bürgern und Inhabern einer Green Card betroffen, schreibt die Zeitung. Dem Auslandsdienst NSA ist es verboten, Kommunikation von US-Bürgern zu überwachen. Die Dokumente enthielten auch Details, die weder dem Kongress noch dem Gericht, das die NSA-Aktivität überwacht, zugänglich gemacht worden seien. In einem der Dokumente seien NSA-Mitarbeiter instruiert worden, Details aus den Berichten an das Justizministerium und den Chef der Nachrichtendienste zu entfernen oder allgemeinere Formulierungen zu wählen, wie ARD-Korrespondent Martin Ganslmeier berichtet.

Deutsche Regierung sieht Spähaffäre als beendet an

Hans-Peter Friedrich (CSU) und der Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, Wolfgang Bosbach (CDU) (picture alliance / dpa)Hans-Peter Friedrich (CSU) sieht die NSA-Affäre in Deutschland als beendet an. (picture alliance / dpa)Die deutsche Regierung sieht hingegen die NSA-Affäre in Deutschland als beendet an. Erst erklärte Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) die Debatte für beendet, nun verkündet auch Innenminister Friedrich: Die NSA-Affäre könne abgehakt werden. Alle Verdächtigungen hätten sich "in Luft aufgelöst", so der CSU-Politiker.

Seit Juni läuft die Affäre um den US-Geheimdienst NSA. Der Computerexperte Snowden, der bei einem Vertragspartner des Geheimdiensts gearbeitet hatte, spielte mehreren Medien detaillierte Informationen über die Überwachungsprogramme der NSA im In- und Ausland zu.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
"Wirkung des NSA-Skandals nicht unterschätzen" - FDP-Politiker und Bürgerrechtler ist verwundert über sorglosen Umgang mit persönlichen Daten
USA sammeln "sicherlich auch zum Schutz deutscher Staatsangehöriger Daten" - Grosse-Brömer (CDU) rechtfertigt Arbeit der Geheimdienste in Amerika
Für ein No-Spy-Abkommen ist sehr viel Vertrauen erforderlich - Geheimdienstexperte sieht kaum Spielraum für Überprüfung solcher Vereinbarung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Jesidin in Deutschland"Es ist Angst, Angst, Angst"

Teilnehmer des Kulturtages der Jesiden sitzen am 20.08.2016 in einem traditionellen Zelt in Celle (Niedersachsen). Die gr (dpa)

Die Jesidin Irina Badavi erlebte ihre Ehe als Leidensweg. Ihr Mann vergewaltigte und verprügelte sie, Solidarität von anderen Familienmitgliedern blieb aus. Badavi macht die Religion mitverantwortlich für die Gewalt. Seit sie ihre Erfahrungen öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin.

Die Rhetorik des Joachim GauckBetroffenheit durch Kunstpause

Gauck mit ernstem Blick vor einem Weihnachtsbaum und einer Bundesfahne. (Markus Schreiber / dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck geht - und mit ihm ein ganz spezieller Redestil: pastoral, menschelnd, bedeutungsschwanger. Wie macht er das? Wir haben den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram nach den rhetorischen Kniffen des Präsidenten gefragt.

"Der Geschmack von Laub und Erde"Das Leben aus der Perspektive eines Tieres

Ein Dachs im Tierpark Eeckholt in der Nähe des schleswig-holsteinischen Großenaspe. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Skurrile Zivilisationsflucht: Tierarzt Charles Foster lebt versuchsweise wie ein Tier im Wald. Das gestattet ihm einen neuen Blick aufs eigene Menschsein. Seinen augenzwinkernden Bericht lesen auch Zivilisationsfreunde mit Gewinn.

WikileaksObama begnadigt Whistleblowerin Manning

ARCHIV - HANDOUT - Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke. Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. (U.S. Army / dpa - Bildfunk+++)

Nur wenige Tage vor seinem Ausscheiden als US-Präsident hat Barack Obama die Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt. Sie soll schon im Mai freikommen. Manning hatte vertrauliche Dokumente des US-Militärs an Wikileaks weitergeleitet.

Politische MoralIst Solidarität aus der Mode gekommen?

Königsallee in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Foto: Martin Gerten)

Mehr Solidarität wagen! Dafür plädiert die Soziologin Sabine Hark. Sie sagt: Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral - in Zeiten globaler Ungleichheiten mehr denn je.

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik

18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Terrorabwehr  Minister de Maizière (CDU) will alle Gefährder erneut überprüfen lassen | mehr

Kulturnachrichten

Dokumente des Kölner Stadtarchivs kehren zurück  | mehr

Wissensnachrichten

Hamster  Mütter fressen auf Mais-Diät ihre Kinder | mehr