Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

US-Mediziner Kim ist neuer Weltbankpräsident

Bisheriger Präsident der Dartmouth-Universität will Reformen einleiten

Neuer Präsident der Weltbank: Jim Yong Kim
Neuer Präsident der Weltbank: Jim Yong Kim (picture alliance / dpa /Who/P.Virot/Ho)

Wieder ist ein Amerikaner zum Präsidenten der Weltbank gewählt worden. Trotzdem ist Jim Yong Kim eine ungewöhnliche Besetzung: Er ist weder Banker noch Politiker.

In der Finanz- und Wirtschaftswelt war Jim Yong Kim bis Ende März ein nahezu unbekannter Name. Dann nominierte US-Präsident Barack Obama den 52-jährigen Gesundheitsexperten überraschend zum Kandidaten für den Chefposten der Weltbank mit Sitz in Washington.

Gestern wählte der 25-köpfige Exekutivrat der Weltbank Kim ins Amt. Weil das Gremium vorwiegend mit US-Amerikanern besetzt ist, behalten die USA auch weiterhin die Kontrolle über die Leitung der Weltbank - wie in den vergangenen 68 Jahren seit der Gründung der Institution. Wieder hatten Gegenkandidaten aus andere Ländern keine Chance: Zwei Finanzgrößen aus Kolumbien und Nigeria waren vergeblich ins Rennen gegangen.

Erfahren im Kampf gegen Aids

Trotzdem ist Kim eine ungewöhnliche Besetzung. Der 52-Jährige ist weder Banker noch Politiker, sondern ein international angesehener Gesundheitsexperte und früherer Harvard-Professor. Bei der Weltgesundheitsorganisation hat der Doktor der Medizin und der Anthropologie das Anti-Aids-Programm geleitet. Als Experte für Tuberkulose machte er sich einen Namen.

Derzeit leitet er das private Dartmouth College im Bundesstaat New Hampshire, das zu den Elite-Universitäten gezählt wird. In den 80er Jahren gründete Kim mit anderen die humanitäre Organisation "Partners in Health", die sich in Haiti, Peru, Russland, Ruanda, Lesotho und Malawi für die medizinische Behandlung von Aids-Kranken einsetzt. Kim kam als 5-Jähriger in die USA, seine Eltern stammen aus Nordkorea.

Kims Unterstützer erhoffen sich frischen Wind für die Weltbank. Für Obama ist er klar für den Weltbankchefposten qualifiziert: Wenn die Bevölkerung gesund sei, mache dies Wachstum und Wohlstand möglich, sagte er. "Es ist an der Zeit, dass ein Profi für Entwicklungshilfe die größte Entwicklungshilfe-Organisation der Welt führt".

Reformen sollten für mehr Gerechtigkeit und Effizienz sorgen

Das Gebäude der Weltbank in Washington, USANeuer Arbeitsplatz von Jim Yong Kim: das Gebäude der Weltbank in Washington, USA (picture alliance / dpa / Abaca Olivier Douliery)Doch der neue Weltbankpräsident steht vor einer großen Herausforderung, und seit Kims Nominierung wurden Zweifel laut, ob ein Mediziner der Richtige ist, um sie zu bewältigen. Die Weltbank mit ihren 10.000 Mitarbeitern steht vor einer großen Reform. Schon seit langem fordern Kritiker vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern eine effizientere und transparentere Struktur. Diskutiert wird unter anderem eine Neuregelung der Kapitalanteile der Mitgliedsländer, damit die dementsprechend festgelegten Stimmrechte zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern gerechter verteilt werden.

Die Weltbank versteht sich als Flaggschiff im Kampf gegen die weltweite Armut und ist der wichtigste Finanzier von Entwicklungsprojekten in den ärmsten Ländern. Zu ihren Programmen gehören Straßenbau, Energie und Wasserversorgung.

Kim: Weltbank soll an moderne Welt angepasst werden

Schon im Vorfeld hatte Kim alles getan, um die Zweifel auszuräumen. Die wirtschaftliche Entwicklung und der Kampf gegen Armut seien derart komplexe Themen, dass eine einzige Disziplin ohnehin nicht ausreiche, um sie voranzutreiben. "Die Weltbank hat viele extrem erfahrende Volkswirtschaftler. Ich kann es kaum erwarten, mit ihnen zu arbeiten", sagte er in einem Interview mit der "New York Times".

Kim sagte nach seiner Wahl, als Präsident werde er sich um eine Anpassung der Weltbank in einer sich rasch verändernden Welt bemühen. "Gemeinsam mit neuen und alten Partnern werden wir eine Institution schaffen, die effektiv auf die Nöte ihrer unterschiedlichen Kunden und Geldgeber reagiert, bessere Ergebnisse bei der Unterstützung eines nachhaltigen Wachstums liefert, erwiesenermaßen erfolgreiche Lösungen der Ideologie vorzieht, die Stimmen der Entwicklungsländer stärkt und sich der Erfahrung und Expertise ihrer Mitarbeiter bedient", sagte er.

Kritik am Auswahlverfahren

Ngozi Okonjo-Iweala, erfolglose Gegenkandidatin zu Jim Yong Kim bei der Wahl zur WeltbankspitzeNgozi Okonjo-Iweala, erfolglose Gegenkandidatin zu Jim Yong Kim bei der Wahl an die Weltbankspitze (picture alliance / dpa / Jeon Heon-Kyun)Eine der Reformen könnte auch die Reform der Wahl des Weltbankpräsidenten selbst sein. Bei der gestrigen Wahl hatten die Entwicklungsländer mit der nigerianischen Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala und dem früherem kolumbianischen Finanzminister José Antonio Ocampo zwei Gegenkandidaten aufgestellt. Ocampo hatte sich bereits vergangene Woche aus dem Rennen um den Posten zurückgezogen. Beide hatten gefordert, dass die Vorherrschaft der USA in der Weltbank zugunsten der Entwicklungsländer gebrochen werden sollte. Ähnlich hatte sich auch der südafrikanische Finanzminister Pravin Gordhan geäußert: Mittlerweile fielen zwar Entscheidungen über die Kandidaten für die Führung der beiden Institutionen nicht mehr in europäischen und amerikanischen Hinterzimmern, aber er sei besorgt, dass die etablierten Mächte weiterhin das letzte Wort hätten.

In Afrika wurde die Nominierung Kims allerdings auch positiv aufgenommen. Der ruandische Präsident nannte Kim einen "wahren Freund Afrikas".
Kim ist mit einer Kinderärztin verheiratet und hat zwei kleine Söhne.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:42 Uhr Musik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Die "Neue Rechte""Keine organisierte neue Kraft"

Porträtfoto von Alexander Häusler (undatierte Aufnahme), Sozialwissenschaftler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf

Die "Neue Rechte" bei den Montagsdemonstrationen lasse "keine klare einheitliche politische Linie" erkennen, sagte der Rechtsextremismusforscher Häusler im DLF. Dort dominiere "eine krude Mischung von Verschwörungstheorien und rechten Weltbildern".

RusslandWladimir Putin ist kein Peter der Große

Putin-Plakat bei einer Demonstration in Berlin.

Wladimir Putin will eine konservative Revolution, die sich als Antipode zu Europa inszeniert, meint die Journalistin Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik". Die Modernisierungspartnerschaft mit Europa ist für sie gescheitert. - nicht nur für Tempel eine Tragödie.

Datenschutz Was dürfen Schufa und Co. über Verbraucher wissen?

Eine Frau steht zum bezahlen in einem Supermarkt an der Kasse.

Unterschrift oder PIN? Schon an der Supermarktkasse werden Verbraucher umfangreichen Bonitäts-Tests unterzogen. In Sekundenschnelle wird die Zahlungsfähigkeit überprüft, um so das für den Handel günstigste Bezahlverfahren zu bestimmen.

Bergtouren in NepalSolidarisch mit den Sherpas

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner kritisiert den Tourismus am Mount Everest. Hunderte von nepalesischen Bergführern würden "ihren Kopf dafür in die Schlinge legen", damit "reiche Leute" den Gipfel erreichen.

20 Jahre BahnreformVerzögerungen im Betriebsablauf

Teil des Berliner Hauptbahnhofs (tief), aufgenommen am 12.09.2013. Der Bahnhof beherbergt fünf Verteilerebenen, der Höhenunterschied zwischen der obersten und untersten Ebene liegt bei 25 Metern. Foto: Peter Endig

Vor 20 Jahren entstand die Deutsche Bahn in ihrer heutigen Form. Die Länder bestimmen, wie viele Nahverkehrs- und Regionalzüge in ihrem Gebiet fahren sollen und es herrscht zudem Wettbewerb auf der Schiene. Doch es gibt auch Probleme.

Tourette-SyndromElektrische Ströme gegen die Tics

Das Modell eines menschlichen Gehirns

Unkontrollierte Zuckungen, Flüche und Beschimpfungen: Wer am Tourette-Syndrom erkrankt ist, leidet stark unter den Folgen. Nun aber gibt es Hoffnung für Betroffene: Hirnschrittmacher lassen die Tics fast völlig verschwinden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Putin droht  mit Konsequenzen wegen Militäreinsatzes | mehr

Kulturnachrichten

Asienexperte:  "Für Näherinnen in Bangladesch hat sich wenig geändert" | mehr

Wissensnachrichten

Technik  Technik: Bemannter Multicopter statt Helikopter | mehr