Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

US-Wahlkampf: "Early voting" wird immer beliebter

Obama hofft wieder von den Briefwählern zu profitieren

Von Marcus Pindur

US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney (picture alliance / dpa / Lesser-Krzaczynski)
US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney (picture alliance / dpa / Lesser-Krzaczynski)

Bei letzten US-Wahlen haben 30 Prozent der Bürger ihre Stimme vor dem eigentlichen Wahltag abgegeben - entweder persönlich oder durch Briefwahl. In 34 amerikanischen Bundesstaaten gibt es das sogenannte vorzeitige Wählen. Im <em>Swing State</em> Iowa hat es schon begonnen.

Insgesamt haben bei der letzten amerikanischen Präsidentschaftswahl 30 Prozent der Wähler vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgegeben, entweder persönlich oder durch Briefwahl. Diese Stimmen hat Obama mit 60 zu 40 Prozent für sich gewonnen. Dieses Mal werden sich wahrscheinlich noch mehr Bürger für das vorzeitige Wählen entscheiden. Das macht diese Form der Stimmabgabe immer wichtiger für die Wahlkampfstrategen.

Vorgestern begann die vorzeitige Stimmabgabe im Swing State Iowa, am Dienstag kommender Woche beginnt sie in Ohio – einem der für den Ausgang der Wahl wichtigsten Bundesstaaten.

In 34 amerikanischen Bundesstaaten gibt es das sogenannte frühe Wählen. "Early voting" kann nicht nur Briefwahl sein, in vielen Bundesstaaten können die Wähler auch persönlich ihre Stimme vor dem 6. November abgeben. Präsident Obama in Iowa:

"Ab dem 2. Oktober könnt ihr wählen, dann zählt eure Stimme. Ihr könnt euch noch bis zum 9. Oktober registrieren lassen, aber wenn bereits ihr registriert seid, könnt ihr schon früher wählen."

Iowa ist der erste Swing State, in dem das vorzeitige Wählen begonnen hat. Vor dem Wahlbüro im Polk County in Des Moines hatte sich bereits eine Schlange gebildet – Obama-Wähler und Romney Unterstützer nutzten die Möglichkeit, in Person ihre Stimme früher abzugeben, so zum Beispiel Lindsey Swan:

"I am here because I believe in President Obama and the direction he is taking our country. And I am very proud to be an American and proud to be able to vote early here in Iowa."

… und Virginia Sauerbier, die Mitt Romney wählen will:

"I just think that because of his background and his record in Massachussetts, that he dealt with difficult economic times there, that he will deal with the issue.”"

Traditionell hatten die Republikaner bei den Briefwählern die Nase vorn. Die Wahl 2008 stellte dieses Muster auf den Kopf: Der Obama-Kampagne gelang es, insbesondere Latinos und Schwarze Bürger früh an die Urnen zu bringen. Paul Gronke, Leiter des Center for Early Voting am Reed College in Oregon:

""2008 gingen die schwarzen Wähler in Scharen vorzeitig ihre Stimme abgeben. Besonders in den Südstaaten, in North Carolina, Florida, in Georgia. Sie hätten Obama am liebsten schon gewählt, als er nominiert wurde."

Schwarze Wähler in den Südstaaten gehen traditionell gemeinsam nach dem Sonntagsgottesdienst wählen. Deshalb war die Empörung bei den Demokraten groß, als die Republikaner in Florida genau dies abschaffen wollten. Die Südstaaten stehen jedoch aufgrund ihrer Diskriminierungsgeschichte unter besonderer Beobachtung der Bundesregierung und müssen sich Änderungen der Wahlgesetze genehmigen lassen. Ein Bundesrichter entschied, dass mindestens ein Sonntag zum Wählen reserviert werden muss und dass insgesamt der Zeitrahmen für das vorzeitige Wählen nicht eingeschränkt werden darf.

Vorzeitiges Wählen und Briefwahl können sich politisch sehr unterschiedlich auswirken, so Prof. Michael McDonald, er leitet das US Elections Project an der George Mason University in Virginia:

"Es profitiert diejenige Kampagne, die es für sich am besten nutzt. 2008 hatte Obama einen Vorteil, mit dem Enthusiasmus auf seiner Seite. Und es war zentraler Teil seiner Wahlstrategie. Romney wird die Briefwahl besser nutzen als McCain, er hat genügend Mittel zur Verfügung und auch mehr Enthusiasmus auf seiner Seite als John McCain vor vier Jahren. Das Wahljahr 2012 wird anders werden als das Wahljahr 2008."

Das vorzeitige Wählen hat also jetzt schon die Wahlkampfstrategien verändert. Obama ist früh und aggressiv ins Rennen gegangen und will jetzt ebenso frühzeitig die Ernte einfahren. Die Briefwahl ist also auch ein Test der Organisationskraft der Kampagnen.

Für genervte Wähler ist sie aber manchmal einfach nur ein Instrument, um die vielen lästigen Telefonanrufe aus den Wahlkampfparteizentralen loszuwerden. Jamie Fitzgerald ist für den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahlen im Polk County in Des Moines zuständig.

"Die meistgestellte Frage der Wähler am Telefon ist: Hören die Wahlkampagnen auf, mich anzurufen, wenn ich Briefwahl mache?"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Enttäuschung in der SPD-Hochburg Duisburg"Erschütternd"

Eine Frau trägt am am 25.09.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) nach der Bundestagswahl ein abgehängtes SPD-Wahlplakat mit Spitzenkandidat Schulz zu ihrem Auto.  (picture-alliance / dpa / Sebastian Gollnow)

Die SPD hat bei der Bundestagswahl ihr historisch schlechtestes Ergebnis eingefahren: 20 Prozent. Selbst in ihrer Hochburg Duisburg verzeichnen die Sozialdemokraten Verluste. Als die ersten Hochrechnungen kommen, herrscht hier Ratlosigkeit.

AfD-Fraktion zerlegt sichWem tut Jamaika am meisten weh?

Die AfD-Politiker Frauke Petry (von links), Jörg Meuthen, Alexander Gauland und Alice Weidel in der Bundespressekonferenz in Berlin (picture alliance/ dpa/ Julian Stratenschulte)

Tag eins nach der Bundestagswahl - und schon zerlegt sich die AfD. Welche Strategie steckt hinter Frauke Petrys Abschied aus der Fraktion? Außerdem: Wem würde ein Jamaika-Bündnis mehr weh tun. Den Grünen oder der CSU?

Matthias Lilienthal zur Besetzung der Volksbühne"Beide Seiten wollen dasselbe"

"Doch Kunst" steht am 22.09.2017 in Berlin auf dem Transparent an der Volksbühne. Aktivisten haben das Gebäude am Nachmittag besetzt, protestieren so gegen den neuen Intendanten Chris Dercon. Die Protestierenden bezeichnen ihre Aktion als Performance. (picture alliance / Paul Zinken / dpa)

Besetzer und Management der Volksbühne sollten aufeinander zugehen und einen vernünftigen Kompromiss suchen, meint der frühere Chefdramaturg der Volksbühne, Matthias Lilienthal, denn: "Eigentlich wollen sie dasselbe. Vielleicht haben sie es noch nicht ganz gemerkt."

BundestagswahlRekord-Bundestag mit 709 Abgeordneten

Innenansicht der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin mit Besuchern (dpa / picture-alliance / Ralf Hirschberger)

Der neue Bundestag wird so groß wie noch nie. Das geht aus dem vorläufigen Ergebnis hervor, das der Bundeswahlleiter am frühen Morgen bekannt gegeben hat. Die Parteien der großen Koalition haben massiv Stimmen verloren, die AfD ist drittstärkste Kraft. Merkel kann Kanzlerin bleiben - die Koalitionsverhandlungen dürften aber schwierig werden.

Herfried Münkler zum Wahlergebnis"Angst ist ein sehr gefährlicher Ratgeber"

Ein Gegendemonstrant hält ein Schild mit der Aufschrift "Habt keine Angst!" in der Hand am 12.09.2017 auf dem Holzmarkt in Jena (Thüringen) am Rande einer Wahlkampfveranstaltung der AfD. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Die AfD ist zweistellig in den Bundestag eingezogen. Doch jetzt in Angststarre zu verfallen oder gar zu versuchen, sich inhaltlich anzunähern, sei der falsche Weg, sagt Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Die AfD müsse politisch bekämpft werden.

Nach der Bundestagswahl Alle Demokraten sind herausgefordert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 24.09.2017 in Berlin in der Parteizentrale der CDU auf der Bühne. Merkel reagierte bei der Wahlparty der CDU auf die Veröffentlichung der Hochrechnungen zum Ausgang der Bundestagswahl 2017.  (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

Der Einzug der AfD in den deutschen Bundestag fordere alle Demokraten heraus, kommentiert Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Das Parlament werde mit Abgeordneten umgehen müssen, die rassistische Parolen nicht scheuen. In dieser Situation sei der künftige Bundestagspräsident besonders gefordert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kurden-Referendum  Klares Votum für Autonomie | mehr

Kulturnachrichten

Stadt Kassel stimmt Bürgschaft für die documenta zu | mehr

 

| mehr