Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

USA drohen Ecuador mit Konsequenzen

Fall Snowden wird zur diplomatischen Belastungsprobe

Edward Snowden (picture alliance / dpa / The Guardian Newspaper / FILE)
Edward Snowden (picture alliance / dpa / The Guardian Newspaper / FILE)

Ein Ende im Thriller um Edward Snowden ist nicht in Sicht: Während der Ex-Geheimdienstmitarbeiter weiter in Moskau festsitzt, schlagen die USA scharfe Töne gegen Ecuador als möglichen Asyl-Geber an. Doch das Land reagiert gelassen.

Er kommt nicht aus der Transitzone des Moskauer Flughafens weg und doch ist er für die USA unerreichbar, die ihn doch so gerne fassen würden: Edward Snowden. Dennoch bemühen sich die USA weiter, Druck auf mögliche Länder zu machen, die dem Whistleblower Asyl gewähren könnten. Nach der scharfen Kritik an Hongkong, China und Russland, die Snowdens Flucht nicht verhindert hatten, wird jetzt auch der Ton gegenüber Ecuador deutlich schärfer.

Handelsprivilegien für Ecuador auf der Kippe

Mitglieder des US-Kongresses drohten dem Land in Südamerika offen mit schweren wirtschaftlichen Folgen, sollte Ecuador einen Asylantrag des 30-Jährigen positiv beantworten. Der Kongress kündigte an, in diesem Fall Handelsprivilegien nicht zu verlängern. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, Robert Menendez, erklärte: "Unsere Regierung wird Länder für schlechtes Verhalten nicht belohnen."

Der ecuadorianische Botschafter in Berlin, Jorge Jurado, wies die Kritik zurück. Er sagte im Deutschlandfunk, sein Land lasse sich nicht unter Druck setzen, Ecuador werde die Entscheidung über Asyl für Snowden selbstständig treffen. Unterdessen forderte die ecuadorianische Regierung die USA auf, schriftlich zu begründen, warum Snowden kein Asyl gewährt werden solle. Laut der Regierung hat er dort bereits einen entsprechenden Antrag gestellt – wann darüber entschieden wird, blieb offen. Die Reisepapiere für seinen Flug von Hongkong nach Moskau habe man ihm aber nicht ausgestellt.

Venezuela bietet Snowden Asyl an

Unterstützung für Snowden kommt auch aus Venezuela: Präsident Nicolas Madura machte deutlich, dass der Enthüller bei einer entsprechenden Anfrage "fast sicher" Asyl in Venezueala bekäme. Dabei handele es sich um eine "Einrichtung des internationalen Menschenrechts zum Schutz von Verfolgten". Allerdings liege Venezuela kein Asyl-Antrag Snowdens vor.

Schild im Flughafen Moskau-Scheremetjewo. Irgendwo auf dem Gelände, abseits der Öffentlichkeit, muss sich Edward Snowden derzeit aufhalten. (picture alliance / dpa / Lystseva Marina)Schild im Flughafen Moskau-Scheremetjewo. (picture alliance / dpa / Lystseva Marina)Der Enthüller der britischen und US-amerikanischen Spähprogramme sitzt nach wie vor im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest – sein Reisepass wurde ihm von den USA entzogen. Unsere Korrespondentin Gesine Dornblüth berichtet, dass es laut Journalisten im Transitbereich so viele Türen gibt, dass sich Snowden wohl von der Presse unbemerkt dort aufhalten kann. Die Vereinigten Staaten pochen weiter auf Snowdens Auslieferung, Russlands Präsident Putin hat das jedoch abgelehnt, da es kein Auslieferungsabkommen zwischen den Staaten gebe.

Edward Snowden war Ende Mai in Hongkong untergetaucht, nachdem er ein riesiges Ausmaß an Datenspionage durch die US-Geheimdienste gegenüber Internetnutzern auf der ganzen Welt aufgedeckt hatte. Vergangenes Wochenende floh er weiter nach Russland.


Mehr zum Thema auf dradio.de:
Edward Snowden "ist schon ein Held" - Grünen-Politiker kritisiert "Totalüberwachung" durch die britischen und die US-Behörden
US-Außenminister: Snowden gefährdet Amerika - Flucht des Ex-CIA-Mitarbeiters sorgt weiter für Spannungen
Whistleblower auf der Flucht Offiziell ist nicht bekannt, wo Edward Snowden ist

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:30 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EEG-Reformgipfel"Die Deckelung ist durch nichts gerechtfertigt"

Der baden-württembergische Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). (dpa-Bildfunk / Philip Schwarz)

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller schlägt vor, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2025 auf 50 Prozent anzuheben. Der Grünen-Politiker sagte im DLF, auch die geplante Deckelung der Windkraft an Land sei fragwürdig. Ebenso müsse der Netzausbau besser vorankommen. Bund und Länder wollen heute Abend über den Ausbau von Ökostrom beraten.

Debatte um Gauland-Äußerungen Sich weltoffen geben, Vorurteile pflegen

Deutsche Fußballfans zeigen vor Spielbeginn ein Plakat mit der Aufschrift "Jerome zieh neben uns ein" beim Länderspiel Deutschland - Slowakei in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern). (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Einige Leute führen zwar gerne große Worte von Weltoffenheit im Munde, entpuppen sich aber voller Vorurteile, wenn beispielsweise ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich der Soziologe Armin Nassehi.

NahrungsmittelFrisch oder abgepackt: Was ist leckerer?

Welche Dinge des alltäglichen Küchengebrauchs darf ich auch mal aus der Dose kaufen und welche nicht? Es gibt große Unterschiede, sagt unsere DRadio-Wissen-Küchenfee Tina Kießling.

Kritik am "Milchgipfel""Die Verbraucher können gar nichts tun"

Der stellvertretende Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, auf einem Bild aus dem Jahr 2012. (imago / Metodi Popow)

Millionenhilfen der Politik und im Laden die teurere Milch: Die Maßnahmen und Vorschläge der Bundesregierung brächten gar nichts, sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch im DLF. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt erwecke nur den Anschein, den Landwirten helfen zu wollen.

Nato und RusslandDer Westen schafft eine neue militärische Front

Die Teilnehmer des Außenminister-Treffens der NATO-Länder sitzen im NATO-Hauptquartier in Brüssel zusammen. (picture alliance / dpa / EPA)

Die Nato rücke immer dichter an die europäischen Grenzen Russlands. Dadurch breche sie Vereinbarungen mit Moskau und schaffe eine neue militärische Front wie zu Zeiten des Kalten Krieges, warnt der Hamburger Friedensforscher Reinhard Mutz.

Erster WeltkriegVor 100 Jahren begann die Schlacht am Skagerrak

Ein deutsches Großkampfschiff beim Abfeuern einer Breitseite während der legendären Schlacht von Skagerrak Mai/Juni 1916. (dpa)

Es war die schwerste Auseinandersetzung auf hoher See im Ersten Weltkrieg: Skagerrak-Schlacht – unter diesem Namen kennt man sie in Deutschland. Die Briten sprechen von der "Schlacht von Jütland". 8.500 Seeleute kamen damals ums Leben, vor allem Briten. Heute vor 100 Jahren fiel der erste Schuss. Zu den offiziellen Gedenkfeiern wird auch Bundespräsident Joachim Gauck reisen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Merkel  Noch keine endgültige Einigung mit Ländern bei Ökostromreform | mehr

Kulturnachrichten

Kinderbuch-Aquarell für 133.000 Euro versteigert  | mehr

Wissensnachrichten

Regel-Studienzeit  Offensichtlich kaum zu schaffen | mehr