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USA verlegen Aufklärungsdrohne nach Japan

Washington hält neuen Raketenstart Nordkoreas für wahrscheinlich

Der nordkoreanische Machthaber spricht seit Tagen Drohungen aus (picture alliance / dpa / Kcna)
Der nordkoreanische Machthaber spricht seit Tagen Drohungen aus (picture alliance / dpa / Kcna)

Wegen der wachsenden Spannungen mit Nordkorea haben die USA eine Aufklärungsdrohne in Japan stationiert. Deutschland wird, trotz der Warnungen, vorerst keine Diplomaten aus der Hauptstadt Pjöngjang abziehen.

US-Regierungssprecher Jay Carney sagte vor Journalisten in Washington, ein erneuter Raketenstart Nordkoreas sei nicht auszuschließen. Ein solcher Schritt würde zur derzeitigen kriegerischen Rhetorik des kommunistischen Regimes passen. Angesichts der militärischen Drohungen aus Nordkorea verlegt die US-Armee daher eine Spionage-Drohne nach Japan. Die "Global Hawk"-Drohne ist ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das in großer Höhe operieren kann.

Man arbeite eng mit China und Russland zusammen, um auf Nordkorea Einfluss zu nehmen, fügte Carney hinzu. Das kommunistische Regime solle seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen.

Nordkorea spricht seit Wochen militärische Drohungen insbesondere gegen die USA und Südkorea aus. Am Donnerstag teilte die Armee mit, ein Atomangriff auf die USA sei genehmigt. Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, die sich auf ranghohe Regierungsvertreter in Seoul berief, verlegte Nordkorea zwei Mittelstrecken-Raketen an seine Ostküste und installierte sie auf mobilen Abschussrampen. Sie könnten jedes Ziel in Südkorea und Japan und möglicherweise sogar den US-Stützpunkt auf der Insel Guam im Pazifik erreichen.

Nordkorea-Botschafter der EU-Länder treffen sich

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang beraten die Botschafter der sieben dort vertretenen EU-Staaten heute über die jüngste Sicherheitswarnung des Regimes. Dazu gehören außer Deutschland auch Großbritannien, Schweden, Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechien. Die Führung in Nordkorea hatte ausländischen Vertretungen eine Evakuierung bis zum 10. April nahegelegt.

Trotz der Warnungen Nordkoreas wird Deutschland vorerst keine Diplomaten aus der Hauptstadt Pjöngjang abziehen. Die Botschaft sei bis auf weiteres arbeitsfähig, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Sicherheit der Vertretung werde ständig überprüft und Außenminister Westerwelle durchgehend unterrichtet. Außerdem spreche man sich mit den anderen Ländern ab, die ebenfalls Botschaften in Pjöngjang unterhalten. Derzeit sind acht aus Deutschland entsandte Diplomaten in Pjöngjang; außerdem beschäftigt die Botschaft einige Ortskräfte. Daneben halten sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gut 30 Deutsche in Nordkorea auf. Eine Reisewarnung hat das Auswärtige Amt bisher nicht ausgegeben.

Pflug (SPD): Geringe Gefahr

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug hält die Kriegsgefahr in Nordkorea für gering. Pflug, der auch Mitglied der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe ist, sagte im Deutschlandfunk, die jüngsten Eskalationen durch das Regime in Pjöngjang seien größtenteils innenpolitisch motiviert. Fraglich sei lediglich, inwieweit dies auch den unteren militärischen Ebenen klar sei. Er gehe davon aus, dass nach den Feierlichkeiten zum Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung am 15. April eine Deeskalationsstrategie einsetzen werde.

Susanne Höll von der "Süddeutschen Zeitung" wiederum sprach im Deutschlandradio Kultur von komplizierten Verstrickungen in der Region. Die Lage sei seit Dezember Stück für Stück ernster geworden. Japan sei sehr besorgt, und werde sich enger an seinen Verbündeten USA anschließen – was wiederum von Teilen der chinesischen Führung als Provokation aufgefasst werden könnte. Das internationale Puzzle sei in dieser Region sehr unübersichtlich und brenzlig, so Höll.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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