Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

USA versprechen langfristige Hilfe für Haiti

Weitere 6300 US-Soldaten landen bis Montag in der Katastrophenregion

US-Ausenministerin Clinton in Haiti. (AP)
US-Ausenministerin Clinton in Haiti. (AP)

Bei einem Kurzbesuch in Haiti am Samstag (Ortszeit) hat US-Außenministerin Hillary Clinton den Überlebenden des Erdbebens langfristige Unterstützung versprochen. Nach einem Treffen mit Präsident Preval auf dem internationalen Flughafen in Port-au-Prince erklärte sie: "Wir werden heute, morgen und in Zukunft hier sein."

Kritik am Einsatz der US-Armee wies Clinton zurück. Haiti und Frankreich hatten zuvor bemängelt, dass die Hilfsgüter nur schleppend am beschädigten Flughafen von Port-au-Prince abgefertigt werden. Seit Donnerstag wird er auf Bitte der haitianischen Regierung von US-Soldaten verwaltet.

Mit ihrem Besuch wollte Clinton sicherstellen, dass die USA alle Möglichkeiten zur Hilfe für die Betroffenen ausschöpften, sagte die Ministerin. Wegen des verheerenden Erdbebens hatte Clinton zuvor eine Asien- und Pazifikreise abgebrochen, um in Washington die Rettungseinsätze zu koordinieren.

Am heutigen Sonntag trifft auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in der Region ein, um sich ein Bild von den Rettungsbemühungen zu machen. Er wolle so viele Leben wie möglich retten, die humanitäre Unterstützung verstärken und die Koordination der Hilfe sicherstellen, sagte Ban vor seiner Abreise aus New York.

Bislang hat die US-Armee 4200 Soldaten in die verwüstete Region geschickt, weitere 6300 Angehörige des Militärs sollen bis Montag nach Port-au-Price entsendet werden. Die früheren amerikanischen Präsidenten Clinton und Bush haben die US-Bürger derweil zu Spenden für die Opfer aufgerufen.

Suche nach einem Verschütteten in Haiti nach dem Erdbeben (AP)Suche nach einem Verschütteten (AP)

Lage weiterhin dramatisch

Die Lage in der Region ist weiterhin dramatisch. Gut vier Tage nach dem Beben seien mehr als 25.000 Tote geborgen worden, berichtete die haitianische Regierung. Auf einem Friedhof begannen Baufahrzeuge, ein Massengrab auszuheben. Vor der Leichenhalle des Zentralkrankenhauses wurden mehrere 100 Tote zusammengetragen.

Doch noch immer liegen im Stadtgebiet von Port-au-Prince zahlreiche Leichen. Genaue Opferzahlen sind nicht bekannt, die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit bis zu 50.000 Toten. Es sei nur eine Frage der Zeit, dass Seuchengefahr drohe, sagt ZDF-Reporter Christoph Röckerath (Audio)über die Lage.

Nach Augenzeugenberichten sind 40 Prozent der Gebäude zerstört, darunter Krankenhäuser und Schulen. Die Energie- und Wasserversorgung ist weitgehend zusammengebrochen.

Gefahr von sozialen Unruhen steigt

Ein Sprecher der UNO-Friedensmission sagte, die Bevölkerung werde langsam wütender und ungeduldiger. Am Samstag kam es in der Hauptstadt vereinzelt zu Plünderungen, wie lokale Medien berichteten. Für ausländische Helfer bestehe allerdings keine Gefahr. "Wir erleben keine Feindseligkeiten in unserem Umfeld", sagte Tommy Ramm von der Diakonie Katastrophenhilfe aus Haiti.

US-Außenministerin Hillary Clinton schloss nicht aus, dass die haitianische Regierung den USA weitere Machtbefugnisse zugestehen könnte. Als Beispiel nannte sie die Möglichkeit, dass eine nächtliche Ausgangssperre von US-Soldaten verhängt und überwacht würde. Die Zustimmung des Parlaments sei dafür allerdings notwendig, so die Ministerin.

UN-Sondersitzung am Montag

Auf Initiative Mexikos hat der UN-Sicherheitsrat für Montag eine Sondersitzung einberufen. Dort soll beschlossen werden, wie die Rolle der Vereinten Nationen in Haiti gestärkt werden kann, erklärte das mexikanische Außenministerium. Es forderte eine "aktivere Rolle" der UN in der Katastrophenregion.

In der benachbarten Dominikanischen Republik wird am Montag zudem eine internationale Konferenz zum Wiederaufbau Haitis beginnen. Dort werden Präsident Preval sowie Vertreter der Europäischen Union, der USA und lateinamerikanischer Staaten erwartet, so die Regierung in der Hauptstadt Santo Domingo.

Spendenkontenübersicht - Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Haiti

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:35 Uhr Umwelt und Verbraucher

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Atomkatastrophe vor 32 JahrenDie Kinder von Tschernobyl

Kinder winken auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen (Niedersachsen) zur Begrüßung, nachdem sie zuvor aus der Republik Belarus (Weissrussland) eingetroffen sind (picture alliance/ dpa/ Holger Hollemann)

Nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl gründeten sich Hilfsvereine, die Kinder in deutsche, österreichische und Schweizer Gastfamilien holten. Noch heute reisen Jungen und Mädchen aus dem verstrahlten Gebiet regelmäßig nach Deutschland. In der Heimat haben sie mit den Folgen des GAUs zu kämpfen.

Frank Schätzing über künstliche Intelligenz"Sie kann uns das Paradies bereiten oder uns alle abmurksen"

Ein Porträt von Bestsellerautor Frank Schätzing (imago / Future Image)

In seinem neuen Buch "Die Tyrannei des Schmetterlings" beschäftigt sich Frank Schätzing mit künstlicher Intelligenz. Schätzing hält KI für das derzeit interessanteste Forschungsfeld überhaupt - und fragt sich, was noch vom Menschen bleibt, wenn die von ihm gebauten Maschinen Bewusstsein entwickeln.

Aus für den EchoGut für die Glaubwürdigkeit, schlecht für den Jazz

Die Echo-Trophäe (Bild aus dem Jahr 2015) (dpa-Bildfunk / Matthias Balk)

Der Echo ist Geschichte. Politisch wird das begrüßt, doch es sind auch andere Töne zu hören: Martin Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats, bedauert das Aus für den Musikpreis.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundestag  Abgeordnete würdigen Staatsgründung Israels | mehr

Kulturnachrichten

Kinofilm über Fall Harvey Weinstein geplant  | mehr

 

| mehr