Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

USA werfen Iran Anschlagspläne vor

Heimatschutz-Chef spricht von einem "Kriegsakt"

Von Klaus Remme

US-Justizminister Eric Holder wirft Iran Anschlagspläne vor (AP)
US-Justizminister Eric Holder wirft Iran Anschlagspläne vor (AP)

Hat der Iran Mittelsmänner beauftragt, den saudi-arabischen Botschafter in den USA zu ermorden? Das FBI, die Heimatschutzbehörde und die US-Regierung gehen nach der Festnahme von mehreren Verdächtigen davon aus. Und es gibt erster Rufe nach einer militärischen Antwort.

Auch wenn Teheran von einem lächerlichen Lügenkonstrukt spricht, für FBI-Direktor Robert Mueller steht fest:

Der Plan liest sich wie ein Hollywood-Skript, seine Auswirkungen aber wären höchst real gewesen, viele Menschen hätten ihr Leben verloren, so der FBI-Direktor an der Seite von US-Justizminister Erich Holder. Für die US-Behörden ist die Vereitelung der Anschlagspläne ein weiterer Erfolg im Anti-Terror Kampf.

Soviel steht fest: Am 29. September wurde am John-F.-Kennedy-Flughafen in New York der 56-jährige Mansoor Arbabsiar festgenommen. Der Verdächtige hat die iranische und die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er wurde in den vergangenen 12 Tagen vernommen und kooperiert. Vorausgegangen war eine monatelange Überwachungsaktion von FBI und DEA, der amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde. Präsident Obama war seit Juni über die Ermittlungen informiert. Der Festgenommene erschien gestern in New York vor Gericht. Zentraler Anklagepunkt: die geplante Ermordung des saudi-arabischen Botschafters Adel al Jubeir in Washington. Justizminister Eric Holder:

Der Anklage zufolge wurde dieser Plan im Iran entworfen, finanziert und organisiert, es handele sich um eine eklatante Verletzung internationalen Rechts, so der Justizminister. Neben Arbabsiar wurde ein zweiter Verdächtiger angeklagt, es handelt sich demnach um Gholam Shakuri, einen Iraner, Mitglied der Al Kuds Einheit der iranischen Revolutionären Garde. Der saudische Botschafter habe vermutlich durch einen Sprengstoffanschlag getötet werden sollen. Als Tatort ist die Rede von einem viel besuchten Restaurant in Washington. Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, einen Auftragsmord geplant zu haben. Arbabsiar hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach mit einem scheinbaren Komplizen in Mexico getroffen, er habe angenommen, es handele sich dabei um ein Mitglied eines Drogenkartells. Tatsächlich sprach er aber mit einem Undercover-Informanten der amerikanischen DEA. Noch einmal der amerikanische Justizminister:

Eric Holder sprach von Elementen in der iranischen Regierung, die dem Informanten ein Blutgeld in Höhe von 1,5 Millionen Dollar für den Mord zahlen wollten. Es ist auch tatsächlich eine erste Tranche auf ein New Yorker Bankkonto geflossen.

Wir wollen den Iran zur Verantwortung ziehen, sagte Eric Holder und stellte schnelle Konsequenzen in Aussicht. Konkret hat das US-Finanzministerium bereits Sanktionen gegen insgesamt fünf mutmaßliche Hintermänner und Mitglieder von Al Kuds verhängt. Republikanische Kongressabgeordnete werden sehr viel deutlicher. Peter King, Vorsitzender im Ausschuss für Heimatschutz im Abgeordnetenhaus, sprach von einer gefährlichen Eskalation. Über die Hintermänner macht er sich keine Illusionen.

Derartige Pläne müssen von ganz oben abgesegnet werden, wir sprechen hier praktisch von einem Kriegsakt, so King, der für deutliche Reaktionen plädiert, die Ausweisung von iranischen Diplomaten in New und Washington beispielsweise, auch militärische Signale will King nicht ausschließen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Gesichter Europas

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Claudia Roth zur Türkei"Eine unvorstellbare Entrechtung des Rechts"

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne), äußert sich am 30.05.2016 in Berlin zum Thema Rassismus. (dpa)

In der Türkei sei "eine Art ziviler Putsch in Richtung eines autokratischen Präsidialsystems" in Gange. "Man könnte es auch als Diktatur bezeichnen", sagte die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) im DLF. In dieser Lage müssten die Bundesregierung, die Europäische Union und auch die Nato klare Worte finden.

Terror in DeutschlandNicht in Hysterie verfallen

Vor dem Olympia Einkaufszentrum liegen Blumen, es brennen Kerzen. (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)

Die Angst oder zumindest die Sorge vor weiteren Anschlägen ist allgegenwärtig. Aber wir dürfen jetzt nicht in Hysterie verfallen, meint Marie Sagenschneider, Wortchefin von Deutschlandradio Kultur. Die größte Gefahr bestehe in einer Überreaktion.

Ermittlungen im Darknet"Uns als Polizei sind da Grenzen gesetzt"

Symbolfoto zum Thema Internetkriminalität: eine Hand vor einem Computer-Monitor (imago / epd / Annette Zoepf)

Das Darknet sei ursprünglich geschaffen worden, damit Bürger von Unrechtsstaaten ihre Meinung frei äußern könnten, sagte der Cyberexperte Frank Scheulen vom nordrhein-westfälischen LKA im DLF. Zunehmend hielten sich in dem separaten Bereich des Internets aber auch Kriminelle auf. Für die Polizei sei es schwierig, gegen sie vorzugehen.

Clinton oder TrumpWen wählt der amerikanische Wutbürger?

US-Wahlkampf 2016: Hillary Clinton und Donald Trump kämpfen um das Amt. (picture / alliance / dpa / Collage Deutschlandradio)

Ob die Demokratin Hillary Clinton als erste Frau das US-Präsidentenamt übernimmt oder ob die größte Demokratie der Welt künftig von dem republikanischen Populisten Donald Trump angeführt wird: Ausschlaggebend werden die Stimmen der Unentschlossenen sein.

GesellschaftGlücklichsein gegen den Terror

Ein kleines Mädchen wirft vor Freude die Arme in die Luft. (imago stock&people)

Ist es egoistisch, in Zeiten von Terror und Gewalt auch Glück zu empfinden? Nein, meint die Soziologin Hilke Brockmann. Vielmehr sei das auch ein Statement gegen Terroristen, die genau dieses Glück beschädigen wollten.

Armin Nassehi"Religion ist etwas Wildes"

(dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Der Münchner Soziologe Armin Nassehi ist Sohn einer katholisch sozialisierten Schwäbin und eines Iraners. Er hat sich als junger Mann für die Taufe entschieden. Heute bezeichnet er sich als Kultur-Katholik. Er hadert immer wieder mit der Religion. Denn "sie kann sehr gefährlich sein."

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Presse sorgt sich vor neuer Verhaftungswelle | mehr

Kulturnachrichten

Regisseur Wedel plant TV-Mehrteiler  auf Mallorca | mehr

Wissensnachrichten

Beziehungen  Beim Streiten an die Zukunft denken | mehr