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Vater des Winnenden-Amokläufers ist mitschuldig

Urteil des Landgerichts Stuttgart lautet auf fahrlässige Tötung

Ein Blatt mit der Frage "Warum?" liegt 2009 in Winnenden vor der Albertville-Realschule. (AP)
Ein Blatt mit der Frage "Warum?" liegt 2009 in Winnenden vor der Albertville-Realschule. (AP)

Das Landgericht Stuttgart hat ein wegweisendes Urteil gefällt: Wer Waffen ungesichert aufbewahrt, mit denen ein Amoklauf begangen wird, macht sich wegen fahrlässiger Tötung mitschuldig. Jörg K., der Vater des Winnenden-Amokläufers, bekam dafür ein Jahr und neun Monate auf Bewährung.

Das Gericht sprach ihn der 15-fachen fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung in 14 Fällen schuldig. Außerdem habe er gegen das Waffengesetz verstoßen.

Jörg K. ist Sportschütze und bewahrte eine seiner Waffen unverschlossen im Schlafzimmer auf. Mit dieser Waffe tötete am 11. März 2009 sein Sohn 15 Mitschüler und sich selbst.

Durch seine Anwälte ließ der Vater des Amokläufers von Winnenden zum Prozessauftakt im September 2010 eine Erklärung verlesen, in der er sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer äußerte. Der Vater habe keine Hoffnung, dass die Angehörigen ihm jemals verzeihen, sagte Verteidiger Hubert Gorka vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Verteidiger forderte Straffreiheit für seinen Mandanten, der durch den Tod seines Sohnes und die Folgen der Tat schon gestraft genug sei.

Wie viel Verantwortung trägt der Vater?

Es ist der 11. März 2009, als Tim K. mit einer Waffe aus dem Schlafzimmerschrank seines Vaters in die Albertville-Realschule in Winnenden geht und Amok läuft. Neun Kinder und drei Lehrer sterben, im Laufe der Flucht drei weitere Menschen. Schließlich erschießt sich Tim K. selbst - ausweglos umzingelt von Polizei und Spezialeinsatzkräften.

Ein Polizist sichert die zur Albertville-Realschule in Winnenden bei Stuttgart führende Straße. (AP)Ein Polizist sichert 2010 eine Straße in der Nähe der Albertville-Realschule. (AP)Unmittelbar nach dem Amoklauf entbrannte eine Diskussion um eine Verschärfung des deutschen Waffenrechts, insbesondere um die Aufbewahrung von Waffen.

Einige Hinterbliebene der Opfer forderten die Politik auf, das Waffenrecht zu verschärfen - das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden entstand. Von hier aus wurde auch die Nebenklage gegen den Vater von Tim K. initiiert.

Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden

"Die Kinder sagen A statt Amoklauf" - Autor aus Winnenden beschreibt Stimmung in der Stadt

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

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