Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Vatikan fordert Williamson zum Widerruf auf

Jüdischer Weltkongress begrüßt Papst-Erklärung

Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik. (AP)
Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik. (AP)

Der Vatikan hat den Traditionalistenbischof Richard Williamson aufgefordert, seine Leugnung des Holocaust zu widerrufen. In einer in Rom veröffentlichten Erklärung des Vatikans heißt es, Williamson solle sich eindeutig und öffentlich von seinen Äußerungen distanzieren. Papst Benedikt der XVI. sei sich nicht bewusst gewesen, dass Williamson den Holocaust bestritten habe, als er die Exkommunikation des britischen Bischofs aufgehoben habe.

Der Jüdische Weltkongress begrüßte die Forderung des Vatikans an den traditionalistischen Bischof Williamson begrüßt, seine Holocaust-Leugnung zu widerrufen. Dies sei das Signal, auf das die jüdische Welt gewartet habe, sagte der Präsident des Weltkongresses, Ronald Lauder

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel deutliche Worte in der Angelegenheit gefunden. Merkel erklärte, der Fall Williamson habe den Eindruck entstehen lassen, der Holocaust dürfe geleugnet werden. Das könne so nicht stehen bleiben. Merkel forderte den Papst auf, sich von Williamson deutlicher zu distanzieren.

Die Kirchenbeauftragte der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach, unterstützte die Forderung der Kanzlerin nach klaren Worten. In der Bundesrepublik sei das Leugnen der Judenvernichtung ein Straftatbestand, sagte Frau Fischbach. Daher sei es angebracht, dass die Kanzlerin in dieser Frage Position beziehe und öffentlich eine Klarstellung durch den Papst verlange. Dabei gehe es auch um das Ansehen Deutschlands.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte Merkels Einmischung in der Holocaust-Debatte. Dass sich die Kanzlerin in dieser Angelegenheit zu Wort melde, zeige ihre Umsicht und ihr Verantwortungsgefühl, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Lala Süsskind, hat gefordert, den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson sofort wieder zu exkommunizieren.

Nicht nur Beifall für die Kanzlerin

Dagegen protestierte das Landeskomitee der Katholiken in Bayern gegen die Äußerungen der Bundeskanzlerin. Merkel mische sich in kirchliche Angelegenheiten, sagte Helmut Mangold, der Vorsitzende des Landeskomitees. Ihre Kritik an Papst Benedikt XVI. sei "völlig überflüssig" gewesen und habe "nichts Neues gebracht".

Auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nahm Benedikt gegen Kritik in Schutz. Dem deutschen Papst sei die Position des britischen Bischofs Williamson zum Völkermord der Nazis an sechs Millionen europäischen Juden persönlich nicht bekannt gewesen, sagte Müller in der ARD. "Er selbst hat keinen Fehler gemacht und braucht sich nicht zu entschuldigen", sagte Müller über den Papst.

Bernd Posselt, außenpolitischer Experte der EVP-Fraktion (Europäisches Parlament)Bernd Posselt, außenpolitischer Experte der EVP-Fraktion (Europäisches Parlament)Der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke griff Bundeskanzlerin Merkel scharf an. Hanke nannte es am Mittwoch bestürzend, wie derzeit von offizieller staatlicher und politischer Seite die Integrität von Benedikt XVI. in Frage gestellt werde. Der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt warnte Merkel davor, "sich weiterhin als Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren". Die Bundeskanzlerin sollte sich lieber darum kümmern, in der Berliner Koalition verstärkt christliche Grundsätze durchzusetzen

ZdK sieht "zutiefst freiheitsfeindliche Einstellung" in der Pius-Bruderschaft

Für Hans-Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ist die Wiederaufnahme von vier Bischöfen der konservativen Bruderschaft Pius X. das Zeichen, dass sich der Papst als Brückenbauer versteht. Allerdings sei fraglich, ob in den Fällen der wiederaufgenommenen Bischöfe die Bereitschaft bestehe, sich in eine vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägte Kirche einzugliedern.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:10 Uhr Zur Diskussion

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Wirtschaftsexperte zum Brexit"Die Briten sind in dieser Situation schlechter gestellt"

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. (imago / Jürgen Heinrich)

Nach dem Brexit-Beschluss Großbritanniens müsse es jetzt darum gehen, die Interessen der Gemeinschaft in den Fokus zu rücken, sagte Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft. 

US-Podcast "S-Town"Ein exzentrischer Uhrmacher im White-Trash-Amerika

Brian Reed bei Aufnahmen für seinen Podcast "S-Town". (Photo Credit: Andrea Morales)

Der Podcast "S-Town" ist die neue Produktion des Teams hinter dem US-Erfolgspodcast "Serial". Die Ansprüche der Hörserien-Fans sind deswegen groß. Können die sieben Folgen über einen angeblichen Mord in Alabama die Erwartungen erfüllen?

Axel Scheffler über den Brexit"Wütend und enttäuscht"

Der Autor Axel Scheffler posiert in Köln vor einer Lesung im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Seit 35 Jahren lebt der deutsche Illustrator Axel Scheffler ("Der Grüffelo") mit seiner Familie in Großbritannien. Jetzt, da es mit dem Brexit ernst wird, fühlt er sich unsicher: Wird er bleiben können? Von seinem Gastland ist Scheffler enttäuscht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  EU-Parlament formuliert Leitplanken für Verhandlungen | mehr

Kulturnachrichten

Cardinale für Cannes-Plakat offenbar dünner gemacht  | mehr

 

| mehr