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Vatikan "geradezu entsetzt" über Papst-Kritik aus Deutschland

Brunnhuber: Rom spricht von antikatholischen Ressentiments

Blick auf die italienische Hauptstadt Rom, im Vordergrund der Petersplatz im Vatikan. (Stock.XCHNG / Matic Zupancic)
Blick auf die italienische Hauptstadt Rom, im Vordergrund der Petersplatz im Vatikan. (Stock.XCHNG / Matic Zupancic)

Der Vatikan ist nach Angaben der Union verärgert über die Papst-Kritik aus Deutschland. Nach einem Gespräch mit Benedikt dem XVI. in Rom sagte der CDU-Politiker Brunnhuber der "Financial Times Deutschland", im Vatikan sei man über die Diskussion geradezu entsetzt.

Der Vorsitzende der baden-württembergischen Landesgruppe in der Unionsfraktion fügte hinzu, es herrsche im Vatikan der Eindruck, dass antikatholische Ressentiments an die Oberfläche kämen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jüngst wegen der Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Williamson öffentlich eine Klarstellung des Papstes gefordert.

Nach der Generalaudienz des Papstes am Mittwoch veröffentlichte der Vatikan eine Mitteilung, in der er von Bischof Richard Williamson verlangt, seine Leugnung des Holocaust zu widerrufen. Williamson solle sich eindeutig und öffentlich von seinen Äußerungen distanzieren.

Der Schriftsteller Ralf Hochhuth findet es "fabelhaft", dass der Vatikan auf die Kritik im Fall Williamson reagiert hat. Ein Ausschluss des Holocaust-Leugners
geht Hochhuth indes zu weit. Papst Benedikt XVI. wirft er angesichts einiger umstrittener Entscheidungen vor, "mittelalterlich fanatisch" zu agieren.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis hat seine Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkels Äußerungen Richtung Vatikan bekräftigt. Sie habe ihre Kompetenz überschrittenund einen Fehler gemacht, sagte Geis.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hält die Position des Vatikans gegenüber der Pius-Bruderschaft weiterhin für halbherzig. Die Bruderschaft sei eine Gruppe von intoleranten Fanatikern, die nicht nur gegen Juden, sondern auch gegen Moslems oder Homosexuelle hetze, sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann.

Der jüdische Publizist und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christen und Juden beim Evangelischen Kirchentag, Günther Bernd Ginzel, hat die Pius-Bruderschaft scharf attackiert. Die Bruderschaft sei rückwärtsgewandt und eigensüchtig, sagte Ginzel.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nahm Benedikt XVI. gegen Kritik in Schutz. Vieles, was dem Kirchenoberhaupt unterstellt werde, sei beinahe bösartig, sagte der CDU-Politiker der Online-Ausgabe des "Hamburger Abendblatts". Zweifel an der Position der katholischen Kirche und des Papstes halte er in der Sache für völlig unbegründet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

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