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Vatikan schweigt zu "Vatileaks"

Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. festgenommen

Papst Benedikt XVI. (dpa / Eckehard Schulz)
Papst Benedikt XVI. (dpa / Eckehard Schulz)

Pfingsten wird im Vatikan vom Enthüllungsskandal "Vatileaks" überschattet . Am Mittwoch war der Päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele verhaftet worden. Doch der Vatikan hüllt sich in Schweigen.

Mit keinem Wort erwähnte Papst Benedikt XVI. in seiner Pfingstpredigt den Enthüllungsskandal und die Verhaftung seines Dieners wegen Diebstahls von Geheimdokumenten. Stattdessen prangerte das Kirchenoberhaupt Egoismus und Oberflächlichkeit an. Die ständige Verbesserung der Kommunikation führe die Menschen paradoxerweise nicht zusammen und trage nicht zu einem besserem Verständnis in der Welt bei, sagte er bei der Festmesse im Petersdom.

Der Fortschritt in Wissenschaft und Technik habe dem Menschen Macht gegeben, die Natur zu beherrschen, Elemente zu manipulieren und Lebewesen herzustellen, fast bis zum Menschen. In dieser Situation scheine es überholt und nutzlos, zu Gott zu beten, weil man selbst das schaffen könne, was man wolle. Demzufolge seien "ein neues Herz und eine neue Sprache" gefragt, sagte der Papst.

Nicht nur der Papst, sondern der ganze Vatikan schweigt zum Enthüllungsskandal, der in Anlehnung an die Platform "Wikileaks" mittlerweile "Vatileaks" genannt wird. Die vatikanische Tageszeitung "Osservatore Romano" widmete dem Vorgang bislang keine Zeile und auch Radio Vatikan beschränkte sich am Wochenende auf die verkürzte Wiedergabe des Kommuniques von Vatikansprecher Federico Lombardi. Dieser hatte zuletzt klargestellt, dass gegen den Päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele derzeit nur wegen des Verdachts auf schweren Diebstahl ermittelt werde. Für anderslautende Spekulationen gebe es keinen Grund.

Papstdiener soll geheime Dokumente gestohlen haben

Seit Jahresbeginn waren mehrere als geheim eingestufte Vorgänge aus dem Vatikan in TV-Sendungen und Zeitungen publik geworden. Vertrauliche Papiere ließen auf eine ungenügende Zusammenarbeit zwischen der Vatikanbank IOR und den italienischen Behörden schließen. In einem angeblichen Kardinals-Dossier war die Rede von einem Mordkomplott gegen den Papst: Binnen zwölf Monate werde Benedikt XVI. einen Nachfolger erhalten, und zwar den Mailänder Kardinal Angelo Scola. Die obskure Quelle waren chinesische Gesprächspartner eines sizilianischen Kardinals.

Vor einer Woche erschien ein Buch des TV-Journalisten Gianluigi Nuzzi mit neuen Enthüllungen. Darin wird aus vertraulichen Briefen und Mitteilungen von und an Benedikt sowie seinen persönlichen Sekretär zitiert. Der Vatikan kündigte daraufhin ein entschiedeneres Vorgehen an. Personen, die vertrauliche Dokumente gestohlen, widerrechtlich weitergegeben und kommerziell genutzt hätten, müssten sich vor Gericht verantworten, hieß es. Bereits Ende April hatte Benedikt XVI. eine Untersuchungskommission aus drei pensionierten Kardinälen eingesetzt, um die undichten Stellen zu finden.

Am Mittwoch war dann Paolo Gabriele verhaftet worden. In seinem Besitz hätten sich als vertraulich eingestufte Dokumente befunden, sagte Vatikansprecher Lombardi. Der Kammerdiener arbeitete in Benedikts Wohnung im Apostolischen Palast. In dieser Vertrauensstellung hatte er Zugang zu den streng abgeriegelten Privaträumen des Kirchenoberhauptes und war mit den Vorgängen dort bestens bekannt. Er bediente den Papst bei Tisch, begleitete ihn im Papamobil und überreichte Würdenträgern, die das Kirchenoberhaupt aufsuchen, den Rosenkranz. Benedikt XVI. soll entsetzt auf die Nachricht reagiert haben, dass ein Mitarbeiter aus seiner engsten Umgebung verhaftet wurde.

Die meisten Beobachter halten es für ausgeschlossen, dass Kammerdiener Gabriele der einzige Verantwortliche dieses Skandals ist. Vielmehr tobe im Vatikan ein Machtkampf, ist "La Repubblica"-Journalist Orazio La Rocca überzeugt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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