Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Venezuela geht zur Wahlurne

Präsidentschaftswahl im ölreichsten Land Lateinamerikas

Rivalen ums Präsidentenamt: Hugo Chavez (l.) und Henrique Capriles
Rivalen ums Präsidentenamt: Hugo Chavez (l.) und Henrique Capriles (picture alliance / dpa / David Fernandez)

Der seit 1999 amtierende sozialistische Staatschef Venezuelas, Hugo Chávez, muss erstmals um seine Wiederwahl fürchten. Anders als in den vergangenen Jahren werden einem Herausforderer Chancen eingeräumt.

Der frühere Gouverneur Henrique Capriles Radonski tritt für ein Bündnis von rund 30 Oppositionsparteien an. Der 40-Jährige propagiert eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und Sozialpolitik. Als Vorbild nennt er den früheren brasilianischen Präsidenten Lula da Silva. In den meisten Umfragen liegt allerdings Chávez vorn.

Opposition fürchtet unfairen Ablauf der Wahlen

Der 58-jährige Chávez ging erneut mit seinem Programm eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ins Rennen. In den rund 13 Jahren seiner Amtszeit pflegte er eine enge Allianz mit anderen linken Regierungen in Lateinamerika, allen voran Kuba. Er unterstützt international die Regierungen im Iran, Syrien und Weißrussland. Chávez sieht sich als Vorkämpfer der so genannten "Bolivarischen Revolution". Die antineoliberale Bewegung hat unter anderem die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der lateinamerikanischen Staaten und eine bessere Beteiligung der Bevölkerung an demokratischen Prozessen und am Wohlstand zum Ziel.

Die Opposition befürchtet, dass die Wahl weder geheim noch fair verlaufen könnte. Tatsächlich hat die Regierung keine internationalen Wahlbeobachter eingeladen. Das Lager von Capriles will deshalb in jedem Wahllokal mitzählen. Trotz aller Unwägbarkeiten wird eine Wahlbeteiligung von mehr als 75 Prozent erwartet. Das Interesse an der Präsidentschaftswahl ist groß: Vor den Wahllokalen bildeten sich schon in den frühen Morgenstunden lange Schlangen. Ergebnisse werden in der kommenden Nacht erwartet.

Benzinimporte trotz Ölreichtums

Venezuela verfügt über riesige Erdölreserven. Nach offiziellen Angaben sind es mit schätzungsweise 300 Milliarden Barrel sogar die größten der Welt. Ölexporte machen über 95 Prozent der Exporterlöse aus, und die Öleinnahmen füllen zu etwa 50 Prozent die Staatskasse. Benzin wird in Venezuela hoch subventioniert und fast verschenkt. Trotzden importiert das Land Sprit, denn die Raffineriekapazitäten reichen nicht - auch das war ein Streitpunkt im Wahlkampf.

Derzeit leiden die knapp 29 Millionen Venezolaner unter einer starken Inflation. Die Rate erreichte 2011 über 27 Prozent. Zudem kämpft das Land mit einer hohen Kriminalitätsrate. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Observatorio Venezolano de Violencia wurden 2011 mehr als 19.300 Morde in Venezuela registriert.

Seit wenigen Monaten ist Venezuela nach jahrelanger Wartezeit Mitglied im südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur, wovon sich die Regierung Vorteile verspricht. Viele Unternehmer sehen die Wirtschaft dagegen nicht vorbereitet auf einen Wettbewerb vor allem mit der Konkurrenz aus Brasilien.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Für und gegen Hugo Chavez
Venezuela wählt einen neuen Präsidenten (Hintergrund)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:52 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Welthunger Nahrungsergänzungsmittel in der Kritik

Eine Frau wartet sitzend auf eine Hilfslieferung an Nahrungsmitteln.

Zahlreiche Unternehmen wollen den Welthunger mindern, indem sie mangelnde Nährstoffe im Essen bekämpfen - mit Nahrungsergänzungsmitteln. Für die Organisationen Welthungerhilfe und terre des hommes ist das ein zweischneidiges Schwert.

Investigativ-RechercheDas erste gemeinnützige Journalisten-Büro

Ein Mann sitzt an einem Computer, daneben eine Kamera.

In Sachen Non-Profit-Journalismus war Deutschland bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte. Correctiv will das ändern. Die Journalisten finanzieren ihre Recherchen aus Stiftungsgeldern und Spenden - und stellen sie Medien kostenlos zur Verfügung.

Rechtsextremismus Der Aussteiger

Thomas* war 14 Jahre alt, als er Kontakt zur rechten Szene aufnahm. Mit 16 war er sogar in der lokalen Hierarchie zum Vorsitzenden aufgestiegen. Doch als er 18 war, machte er damit Schluss. Droh-Mails bestärkten ihn nur in seinem Entschluss. 

Israels arabische MinderheitZwischen allen Stühlen

Menschen auf einer Straße vor Häusern, halten die palästinensische Flagge hoch, Arme in der Luft, rufen.

Von ihr spricht im Nahost-Konflikt niemand: der arabischen Minderheit in Israel. Dabei macht sie mit 1,7 Millionen Menschen fast ein Fünftel der Bevölkerung aus. Sozial und wirtschaftlich werden sie jedoch ausgegrenzt. Eine Verbindung zu den Palästinensern in Gaza besteht kaum.

ÜbergewichtFish & Chips und viele britische Pfunde

Die Briten sind die dicksten Europäer. Auch wenn das auf der Insel seit Jahren bekannt ist und Politiker den Röllchen ihrer Mitbürger mit gesunden Speiseplänen zu Leibe rücken – durchschlagenden Erfolg hatten sie bislang nicht.

BiologieNeue Zähne für den Buntbarsch

Evolutionstheorie für Dummys? Viele Tiere passen sich perfekt an die Umgebung an: Der Eisbär hat ein weißes Fell, die Giraffe einen langen Hals. Forscher der Uni Konstanz haben jetzt Buntbarsche genauer unter die Lupe genommen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Kreise:  Keine Beweise für direkte russische Verwicklung in MH17-Abschuss | mehr

Kulturnachrichten

David Wagner  bekommt Kranichsteiner Literaturpreis | mehr

Wissensnachrichten

Astronomie  Extrasolarer Planet mit dem längsten Jahr gemessen | mehr