Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Verdacht der Untreue gegen Limburger Bischof

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst drohen nun auch Ermittlungen wegen Untreue. Grund ist die Kostensteigerung beim Bau der Bischofsresidenz. In einer anderen Angelegenheit ist bereits ein Strafbefehl gegen den Bischof beantragt.

<p>Seit Anfang der Woche seien wegen der Kosten für den Bischofssitz bereits vier Strafanzeigen eingegangen, sagte Behördensprecher Hans-Joachim Herrchen von der Staatsanwaltschaft Limburg. Nun werde geprüft, ob es einen "hinreichend konkreten Anfangsverdacht" gegen den Bischof gebe. Wann diese Prüfung abgeschlossen ist, konnte Herrchen nicht sagen. <br /><br />Zuvor hatte bereits die Hamburger Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, dass sie gegen Tebartz-van Elst einen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Erklärung beantragt hat. Darin gehe es um Aussagen des Geistlichen über einen Erste-Klasse-Flug nach Indien, teilte die Hamburger Ermittlungsbehörde mit. Dem katholischen Bischof wird vorgeworfen, im September 2012 "in zwei Fällen falsche Versicherungen an Eides Statt vor dem Landgericht Hamburg abgegeben zu haben". Über den Antrag entscheidet nun das Amtsgericht Hamburg.<br /><br /></p><p><strong>Zwei Wochen Zeit für einen Einspruch</strong></p><p>Im Raum steht eine Geldstrafe. Der Strafbefehl sei dem Bischof noch nicht zugestellt worden, sagte eine Gerichtssprecherin. Gemäß der Strafprozessordnung kann Tebartz-van Elst innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Strafbefehls Einspruch einlegen. Dann käme es zu einer mündlichen Hauptverhandlung. Akzeptiert Tebartz-van Elst den Strafbefehl, dann gilt er als rechtskräftiges Urteil und ist damit vollstreckbar.<br /><br />Hintergrund des Vorwurfs ist ein Rechtsstreit zwischen dem Bischof und dem Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» über die Berichterstattung zu einer Indien-Reise. In einem Zivilverfahren gab Tebartz-van Elst laut Staatsanwaltschaft in einer eidesstaatlichen Erklärung an, es habe keine erneute Rückfrage des "Spiegel"-Journalisten mit dem Vorhalt "Aber Sie sind doch erster Klasse geflogen?" gegeben und er selbst habe auch nicht auf einen solchen Vorhalt die Antwort gegeben: "Business-Klasse sind wir geflogen." Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überzeugt, dass diese Erklärung falsch gewesen sei.<br /><br /></p><p><strong>Zollitsch nimmt "Situation sehr ernst"</strong></p><p>Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, will derweil die die steigenden Kosten beim Bau des Bischofssitzes im Bistum Limburg genau untersuchen lassen. Die dafür zuständige Kommission werde "in Kürze" die Arbeit aufnehmen, sagte der Freiburger Erzbischof heute in Berlin. Wann Ergebnisse vorliegen, könne noch nicht gesagt werden. Zollitsch betonte: <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/10/dlf_20131010_1831_8cfc466e.mp3" title="DLF-Beitrag vom 10.10.2013">"Insgesamt nehme ich die Situation im Bistum Limburg sehr ernst."</a><br /><br />Die Kommission soll "Posten, Finanzierung und Entscheidungswege" untersuchen. Zollitsch kündigte zudem an, dass er die Probleme im Bistum Limburg auch bei seiner Audienz bei Papst Franziskus in der nächsten Woche ansprechen will.<br /><br /></p><p><strong>Bischof rechtfertigt Kostenexplosion</strong></p><p>Tebartz-van Elst begründete in der "Bild"-Zeitung die hohe Summe von 31 Millionen Euro unter anderem mit diversen Auflagen des Denkmalschutzes. Allerdings bestreitet die zuständige Behörde, jemals entsprechende Auflagen gemacht zu haben. Der 53 Jahre alte Bischof ist zudem wegen seines autoritären Führungsstils umstritten. Den Vorwurf des verschwenderischen Umgangs mit Kirchenmitteln wies Tebartz-van Elst in dem Interview zurück. "Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche", sagte er.<br /><br />Auf Forderungen nach einem Rücktritt ging der Bischof nicht direkt ein. Er bekräftigte seine Forderung, die Überprüfung durch eine Kommission der Bischofskonferenz abzuwarten, "bevor man den Stab über mich bricht". Er kündigte an, sich am Wochenende in einem Brief an die Gläubigen des Bistums zu wenden. Rücktrittsforderungen kamen unter anderem vom Priesterrat der Diözese, der das Vertrauen zerstört sieht, von der Reformbewegung "Wir sind Kirche" und Kirchenexperten.<br /><br /></p><p><strong>So kann ein Bischof sein Amt verlieren</strong></p><p>Ein Bischof der katholischen Kirche kann nicht eigenmächtig zurücktreten. Er braucht dafür die Zustimmung des Papstes. Wenn ein Bischof unhaltbar geworden ist, gibt es drei Möglichkeiten: die Absetzung, die erzwungene Amtsenthebung und den freiwilligen Amtsverzicht. Jedes Mal muss der Papst tätig werden. Er kann ihn aber auch versetzen.<br /><br />Die Absetzung ist eine schwere Strafe und kommt so gut wie nie vor. Der Codex des kanonischen Rechts nennt als möglichen Grund die Straftat eines Kirchenvertreters. Eine Amtsenthebung ist in der Regel nicht als Strafe gedacht. Ein möglicher Grund hierfür wäre zum Beispiel gegeben, wenn ein Bischof öffentlich erklärt, dass er vom katholischen Glauben abgefallen sei. Ein freiwilliger Verzicht ist die mildeste Form, wie ein Bischof sein Amt verlieren kann. Der Kodex des kanonischen Rechts nennt keinen konkreten Anlass für einen Amtsverzicht, legt aber fest: Ein Bischof, der aus "schwerwiegendem Grund nicht mehr recht in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen, ist nachdrücklich gebeten, den Amtsverzicht anzubieten".<br /><br /><br /><em>Mehr zum Thema auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264639" text="Rücktritt von Limburger Bischof gefordert" alternative_text="Rücktritt von Limburger Bischof gefordert" /> <br> Baukosten der neuen Bischofsresidenz verfünfzehnfacht<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264518" text="Baukosten im Limburger Bistum versechsfacht" alternative_text="Baukosten im Limburger Bistum versechsfacht" /> <br> Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sagt Termin für Buchvorstellung ab<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="261259" text="Bischof im Abseits" alternative_text="Bischof im Abseits" /><br> Unterstützung für Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bröckelt</p>


Mehr bei deutschlandradio.de

 

Externe Links:

Strafgesetzbuch

 

 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Sprechstunde

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Illegale Autorennen"Es geht nur darum, sich selbst zu bestätigen"

Blick auf eine befahrene Straße (imago stock&people)

Mit dem Urteil des Landgerichts Berlin werde klar aufgezeigt, dass man solches Verhalten im Verkehr nicht mehr toleriere, sagte die Schweizer Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry im DLF. Sie forderte, den Zugang zu hochmotorisierten Autos für junge Leute zu erschweren. Und generell die emotionale Bindung zum Auto zu lösen.

"Welt"-Korrespondent Deniz Yücel"Er konnte das wissen"

Yücel sitzt als Gast einer Talkshow auf dem Podium.  (dpa/Karlheinz Schindler)

Die Empörung in Deutschland ist groß: Ein türkischer Richter verhängte Untersuchungshaft gegen den Türkei-Korrespondenten der "Welt", Deniz Yücel. Die Anwältin Seyran Ates meint: Es war klar, dass man Yücel irgendwann "greifen" würde.

UnruheAs soon as possible? - Ohne mich!

Ein junger Geschäftsmann sitzt in Meditationshaltung auf seinem Arbeitstisch hinter seinem Laptop (imago stock&people)

Morgen ist Aschermittwoch, für Christen der Beginn der Fastenzeit. "Sieben Wochen ohne Sofort" ist die Fastenaktion der Evangelischen Kirche überschrieben. Innehalten sollen wir. Doch wer will das ernsthaft? Der Philosoph Ralf Konersmann, Autor einer Kulturgeschichte der Unruhe, sagt: So schnell kommt eine Gesellschaft aus dem Hamsterrad nicht raus.

Streit um Abschiebungen"Afghanistan ist kein sicheres Land"

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Tom Koenigs (picture-alliance / dpa / Arne Dedert)

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Tom Koenigs, lehnt die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan ab. Das Land sei nicht sicher, sagte Koenigs, im DLF. Die Bundesregierung sollte ihre Lageeinschätzung überdenken.

Frankreich und DeutschlandNeuer Schwung für ein altes Paar

Die französische und die deutsche Fahne am Rathaus von Frankfurt/Main (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)

Die Beziehung der Nachbarn Deutschland und Frankreich schwächelt. Doch US-Präsident Trump und der Brexit fordern die symbolische Partnerschaft zu engem Zusammenrücken und kraftvoller Kooperation heraus. Das kann eine reale Chance sein, meint der Historiker Klaus Manfrass.

125 Jahre DieselmotorEffizient, aber schadstoffreich

Eine Frau betrachtet am Mittwoch (12.03.2008) im MAN-Museum Augsburg (Schwaben) den ersten Versuchsdieselmotor, den Rudolf Diesel in den Jahren 1893 bis 1895 erbaute. Vor 150 Jahren, am 18.März 1858, wurde Rudolf Diesel als Sohn deutscher Eltern in Paris geboren. In Augsburg verwirklichte er seine Idee einer "neuen rationellen Wärmekraftmaschine" in Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Augsburg, einer Vorgängerfirma der heutigen MAN-Gruppe. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby (zu dpa-KORR vom 13.03.2008: "Rudolf Diesel - Genialer Erfinder und begnadeter Ingenieur") +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (dpa)

Jahrelang tüftelte Rudolf Diesel an einem Motor, der die ineffizienten Dampfmaschinen seiner Zeit ersetzen sollte. Heraus kam dabei der nach ihm benannte "Dieselmotor", der bis heute Schiffe, Lkw und Pkw antreibt. Vor 125 Jahren

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Deniz Yücel  Links-Fraktion beantragt Aktuelle Stunde | mehr

Kulturnachrichten

Oscar-Einschaltquote ungewöhnlich niedrig  | mehr

Wissensnachrichten

Namensforschung  Du siehst aus, wie du heißt | mehr