Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Vereint gegen von der Leyens Rentenpläne

Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Altersarmut in der Kritik

Altersarmut: Ein Mann in Berlin sucht in einem Papierkorb nach Pfanddosen
Altersarmut: Ein Mann in Berlin sucht in einem Papierkorb nach Pfanddosen (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

FDP, Grüne, DGB und Sozialverbände lehnen die Pläne von Bundesarbeitsministerin von der Leyen zur Bekämpfung der Altersarmut ab. Die Zusatzrente für Geringverdiener verschmähen sie als "Herdprämie" im anderen Gewand und als "Sozialhilfe plus".

Geht es nach den Plänen von der Leyens, soll der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung Anfang 2013 von 19,6 auf 19,0 Prozent gesenkt werden. Über eine Zuschussrente sollen Geringverdiener, die ihr Leben lang gearbeitet, aber nur einen geringen Rentenanspruch erworben haben, unter bestimmten Voraussetzungen eine Aufstockung vom Staat bekommen.

Weder in der FDP noch bei Sozialverbänden und Grünen findet der Entwurf Anhänger. Die geplante Verknüpfung von Altersarmutgesetz und Rentenbeitragssenkung provoziere Altersarmut statt sie zu bekämpfen, schimpfte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in der "Berliner Zeitung". "Es wäre unverantwortlich, die Rücklagen der Rentenversicherung aufzubrauchen."

Döring (FDP): Freibeträge sind bestes Mittel zur Armutsvermeidung

Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte, Altersarmut lasse sich mit dem Gesetz nicht wirksam bekämpfen. Die Hürden zur Erlangung der Zuschussrente seien so hoch gelegt, dass die neue Leistung ins Leere laufen müsse - die Forderung nach Pflichtbeitragsjahren und zusätzlicher privater Vorsorge gehe an der Lebenswirklichkeit der von Altersarmut Bedrohten vorbei. Das Gesetz biete deshalb bestenfalls eine "Sozialhilfe plus", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".

Der Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, kritisierte, die Anrechnung von nicht erbrachten Beitragsleistungen führe zu zusätzlichen Kosten in der Rentenversicherung und zu höheren Beitragssätzen. Das beste Mittel zur Vermeidung von Altersarmut seien Freibeträge für private und betriebliche Altersvorsorge - damit würden eigene Anstrengungen belohnt.

Rentenexperte (Grüne): Zuschussrente eine Art "Herdprämie"

Der Referentenentwurf des Arbeitsministeriums zum Alterssicherungsgesetz sieht neben der Absenkung des Beitragssatzes vor, dass insbesondere geringverdienende Frauen die Aufstockung ihrer Altersbezüge leichter erreichen können, wenn sie Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben. Voraussetzung sind allerdings 30 Beitragsjahre in der Rentenversicherung.

Grünen-Rentenexperte Wolfgang Strengmann-Kuhn kritisierte die Ausgestaltung dieser Zuschussrente. "Die Anrechnung der Kindererziehungszeiten klingt gut, macht die Zuschussrente aber zu einer Art Herdprämie", sagte Strengmann-Kuhn der "Berliner Zeitung". Für Elternteile, die zwischen 800 und 2000 Euro verdienten, lohne sich das Arbeiten mit Blick auf die Rente kaum. Zudem sei die Berechnung sehr unübersichtlich.

Weitere Informationen zur Altersarmut auf Deutschlandradio.de:

Alt und arm - eine Zukunftsvision?
Weiblich, 70, mittellos - Was tun gegen die drohende Altersarmut?
Den Babyboomern droht die Altersarmut - Tagung des Forschungsprojektes "Lebensläufe und Alterssicherung im Wandel"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:10 Uhr Deutschland heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Obdachlose in GriechenlandFührung durch die Hinterhöfe Athens

Ein Obdachloser liegt auf seinem Schlafplatz auf dem Bürgersteig vor einer Filiale der Emporiki Bank in Athen

Die Wirtschaftskrise hat die Griechen besonders hart getroffen - auf Arbeitslosigkeit folgte häufig ein Leben auf der Straße. Doch einige der Obdachlosen haben nun einen neuen Job: Sie organisieren Stadtführungen in die dunklen Ecken Athens.

TarifverhandlungenGewerkschaften sollen Verhältnismäßigkeit wahren

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky (M), gibt am 17.10.2014 in Dresden (Sachsen) auf dem Hauptbahnhof ein Pressestatement zu neuen Streiks am Wochenende

Spartengewerkschaften wie die GDL hätten durchaus ihren Sinn, um bestimmte Berufsgruppen adäquat zu vertreten, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap. Allerdings müssten diese in sensiblen Bereichen wie bei der Bahn gewissen Verhaltensregeln einhalten.

Sprechende Tiere"Hello there"

Ein Seehund imitiert menschliche Stimmen, eine Elefantendame klingt wie ein LKW - und Mäuse singen bei ihrem Balzgesang auch gern mal fremde Noten. Ein Tiergespräch über Stimm-Imitatoren und copycats.

Georgiens Aussenministerin"Russland will wieder Sowjetunion herstellen"

Die georgische Außenministerin Maia Panjikidze

Mit Sorge beobachtet Georgiens Außenministerin die Ereignisse in der Ukraine. Russland verfolge den Plan, "möglichst viele Länder unter seinen Einfluss zu bringen", sagte Maia Panjikidze im DLF. Ihr Land arbeite daran, fit für EU und Nato zu werden.

Osmanische WiedergeburtHistorische Erfahrung ins Positive wenden

Ein Mann macht während einer Demonstration kurdischer Gruppen am 16.11.2013 in Berlin das Victory-Zeichen.

Auf der Suche nach Verbündeten hatte Präsident Erdoğan einen Friedensprozess zwischen Türken und Kurden eingeleitet, doch mit dem Konflikt um Kobane werden alte Ressentiments wieder aktiv. Eren Güvercin spricht sich für die Fortsetzung der Aussöhnung aus.

VerweigererSehnsucht nach Unberührtheit

Jean Paul Sartre 1979. Schwarz-Weiß-Aufnahme.

Der Schriftsteller und Philosoph Jean Paul Sartre wehrte er sich zeitlebens gegen den Status einer "Institution". Er wollte allein auf seine eigenen Mittel vertrauen und misstraute Ehrungen - zumal durch eine kleine Elite im Nobelpreiskomitee.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Europäisches Parlament  stimmt für neue EU-Kommission | mehr

Kulturnachrichten

"heute-show":  Online-Petition unterstützt ZDF-Redaktion im Streit mit dem Bundestag | mehr

Wissensnachrichten

3-D-Drucker  Japaner muss zwei Jahre ins Gefängis, weil er Pistolen hergestellt hat | mehr