Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Verfassungsschutz warnt vor Salafisten

Radikale Muslime verteilen kostenlos Korane in Deutschland

25 Millionen Korane wollen die Salafisten in Deutschland verteilen (dapd / Patrick Sinkel)
25 Millionen Korane wollen die Salafisten in Deutschland verteilen (dapd / Patrick Sinkel)

Die Verteilung von kostenlosen Koranausgaben durch die islamistischen Salafiten sorgt weiter für Debatten. Politiker verschiedener Parteien befürchten, dass die Organisatoren die Aktion für extremistische Zwecke missbrauchen. Ungeachtet dessen soll die Verteilung in 38 deutschen Städten fortgesetzt werden.

Mit der Aktion "Lies!" wollen Anhänger der Salafisten Nichtmuslime missionieren. Ihr Ziel: 25 Millionen Korane an deutsche Haushalte zu verteilen. An diesem Wochenende wollen sie bundesweit in 38 Städten ihre "Info-Stände" aufbauen. Manche Passanten reagieren durchaus mit Interesse auf solche Stände, wie Murat Koyuncu in Düsseldorf beobacht hat. Doch Verfassungsschutz und Politiker sind alamiert. "Koran-Verteilung ist das falsche Stichwort", sagte Verfassungsschutzsprecher Bodo W. Becker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Es geht hier um salafistische Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern. Der Koran ist nur ein Vehikel."

Becker sagte, Salafisten stellten Grundelemente der freiheitlichen Demokratie infrage und hätten ein unklares Verhältnis zur Gewalt. Weiterhin gelte der Satz des Verfassungsschutzpräsidenten Heinz Fromm aus dem letzten Jahr: "Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist; aber jeder uns bekannte Terrorist war irgendwann einmal in salafistischen Zusammenhängen unterwegs", so Becker.

"Die Koranverteilung an sich ist nicht das Problem, sondern die Gruppe, die dahinter steht", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger der Tagesschau (Video). "Sie ist eine der gefährlichsten Strömungen innerhalb des Islamismus, und wir haben sie fest im Blick."

Imame sollen vor Salafisten warnen

Der SPD-Innenpolitiker Michael Hartmann sagte im Deutschlandfunk, dass die islamische Gruppierung der Salafisten "gründlich geprüft" werden müsse. Dennoch sei das kostenlose Verteilen des Korans nicht verfassungswidrig. Unionspolitikern rät er, in Dialog mit islamgläubigen Menschen zu treten, ohne diese in eine extremistische Ecke zu stellen.

Aus Sicht des parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sollten islamische Prediger in den Moscheen vor der radikalen Strömung der Salafisten warnen. "Die wichtigste Prävention gegen diese Gruppe ist natürlich das Wort", sagte Beck im Deutschlandfunk. "Dieses Wort muss natürlich vor allen Dingen von den Imamen in den Moscheen kommen, damit dadurch junge Leute nicht in diese Richtung verführt werden."

Das Verteilen des Koran an sich ist nach Ansicht der islamischen Religionspädagogin Lamya Kaddor nicht problematisch. Allerdings könne in Deutschland nun angenommen werden, dass alle Muslime "fanatische Eiferer" und fundamentalistische Salafisten seien, kritisierte Kaddor im Deutschlandradio Kultur.

Journalisten in einem Video bedroht

Für Empörung sorgte ein Video auf "Youtube". Darin sollen Journalisten bedroht worden seien, die in den vergangenen Tagen kritisch über die Verteilung kostenloser Koran-Exemplare in deutschen Städten berichtet hatten. Das Video ist inzwischen offline. Das Bundesinnenministerium verurteilte die Attacken scharf. In den bisher bekanntgewordenen Fällen seien bereits strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche mit.

Unterdessen will die Ulmer Druckerei Ebner und Spiegel einen Auftrag von Salafisten zum Druck von Koranen überprüfen. Seit vergangenem Herbst habe derselbe Auftraggeber, die Organisation "Die wahre Religion", dort bereits rund 300.000 Exemplare der unkommentierten Koran-Ausgabe in deutscher Sprache drucken lassen, sagte der Geschäftsführer der Druckerei, Stefan Auer. Bereits vor dem ersten Auftrag habe sich die Druckerei an den Verfassungsschutz gewendet, erklärte Auer. Die Behörden hätten dies als unbedenklich eingestuft.

Der "Südkurier" kommentiert die Koran-Verteilung: "In deutschen Fußgängerzonen wird vieles verteilt, das befremdlicher ist." Und auch der "Bonner General-Anzeiger" findet: "Eine andere Frage ist, wen das überhaupt interessiert. Es steht jedenfalls nicht zu befürchten, dass die Koran-Exemplare ihren Verteilern aus den Händen gerissen werden." Mehr Stimmen in der Presseschau.

Mehr zum Thema:

Beck: Moscheengemeinden müssen vor Salafisten warnen - Kostenlose Koranverteilung löst heftige Debatte aus (Interview)

SPD-Politiker: Kostenlose Koranverteilung nicht verfassungswidrig - CDU-Politiker wollen Koran-Aktion der Salafisten stoppen (Interview)

Islam-Expertin: Koran-Aktion könnte Muslimen schaden <br> Religionspädagogin plädiert dafür, Deutungshoheit über den Koran nicht den Salafisten zu überlassen (Interview)

Koran-Verteilung in deutschen Fußgängerzonen sorgt für Kritik (Tagesschau)

Presseschau vom 13.04.2012

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:10 Uhr DLF-Magazin

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Ringen um FriedenslösungSyrien-Diplomatie in München

Sergej Lawrow und John Kerry, die Außenminister Russlands und der USA (AFP/Stache)

Russland steht wegen seiner Luftangriffe in Syrien in der Kritik. Nun bestätigt die Regierung in Moskau, was die USA bereits verraten haben: Man hat eine Waffenruhe vorgeschlagen. Bei der Syrien-Konferenz in München dürfte es heute Abend vor allem darum gehen, wann diese beginnen soll.

Crispr-TechnologieGenforscher fordern Debatte über Designer-Baby

Mikroskopische Aufnahme einer Eizelle im Acht-Zellen-Stadium: Klon eines menschlichen Embryos (imago/UPI Photo)

Theoretisch kann man damit ein Baby im Labor designen: Crispr heißt die Technologie, die Abschnittes eines Genoms aufspüren und durch andere ersetzen kann. Wollen wir das? Die Erfinder der Technologie fordern eine öffentliche Debatte - doch kaum jemand macht mit.

Folgen der Migration Schweden und die Flüchtlinge

Die schwedische Regierung hat eine radikale Wende in der Flüchtlingspolitik vollzogen. Unser Reporter hat im nordeuropäischen Land vorbeigeschaut - und eine gespaltene Gesellschaft erlebt.

Vor den Syriengesprächen in MünchenSind Russen und Assad-Regime an Kompromissen interessiert?

Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zeitschrift "Zenith" (Zenith)

Russland hat sich bereit erklärt, über eine Waffenruhe für Syrien zu reden. Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zeitschrift "Zenith" bezweifelt, dass das Interesse dieser beiden Parteien ernsthaft ist.

Berlinale-Ehrenbär für Michael Ballhaus"Diese Auszeichnung bedeutet mir eine Menge"

Der Kameramann Michael Ballhaus zu Besuch im Studio vom Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio/Stefan Ruwoldt)

Die Berlinale sei für ihn enorm wichtig, sagt Michael Ballhaus, einer der international bedeutendsten Kameramänner. Deshalb freue er sich auch sehr über die Auszeichnung für sein Lebenswerk auf dem diesjährigen Filmfestival.

Jakob Augstein"Angela Merkel hat kein großes Interesse an Integration"

Der Publizist Jakob Augstein (imago)

Man müsse Angela Merkel einerseits dafür bewundern, mit welcher stoischen Ruhe sie ihren Kurs fahre, sagte der Publizist Jakob Augstein im DLF. Andererseits habe sie kein politisches Projekt und kein politisches Programm. So könne man in Krisenzeiten keine Politik machen. Augstein warf der Politik zudem vor, die Mehrheit der Bevölkerung im Stich zu lassen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien-Gespräche  Einigung in München erzielt | mehr

Kulturnachrichten

Berlinale mit großem Staraufgebot eröffnet  | mehr

Wissensnachrichten

Religion  Angst vor Gott machte Menschen sozial | mehr