Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Verhaltenes Echo auf Gaucks Äußerungen zum Islam

Bundespräsident distanziert sich von Amtsvorgänger Christian Wulff

Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Koen Van Weel)
Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Koen Van Weel)

Mit seinen Äußerungen zur Rolle des Islam in Deutschland hätte Joachim Gauck beinahe eine Debatte losgetreten. Grünen-Politiker Cem Özdemir reagierte mit Unverständnis, Vertreter deutscher Muslime geben sich betont gelassen.

In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" distanzierte sich Gauck von Aussagen seines Amtsvorgängers Christian Wulff, wonach der Islam zu Deutschland gehört. "Aber seine Intention nehme ich an", sagte Gauck. Wulff, so die Auffassung Gaucks, habe mit seiner Aussage die Bürger auffordern wollen, sich der Wirklichkeit zu öffnen. Und die sehe so aus, "dass in diesem Lande viele Muslime leben".

Er selbst "hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland", sagte der Bundespräsident, der gestern von seiner Nahostreise zurückkehrte. Er könne allerdings auch diejenigen verstehen, die fragten: "Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?... Ich bin hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islam". Gauck ist auch evangelischer Theologe.

Grünen-Parteichef Özdemir: Islam gehört zu Deutschland

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Der Parteichef der Grünen, Cem Özdemir, reagierte mit Unverständnis auf die Äußerungen des Bundespräsidenten. "Wenn der Bundespräsident erklärt, dass Muslime, die hier leben, zu Deutschland gehören, dann gehört natürlich auch ihr Islam zu Deutschland", widersprach Özdemir.

Muslime seien seit den 60er Jahren nach Deutschland eingewandert. Neben ihren Sprachen und ihrer Kultur hätten sie auch ihre Religion mitgebracht. Bereits der heutige Bundesfinanzminister und damalige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe daher 2006 mit gutem Grund festgestellt, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei, sagte Özdemir. "Es kann keinen Zweifel daran geben, dass der Islam, der Teil unseres Landes ist, unter dem Dach unseres Grundgesetzes gelebt werden muss." Das gelte für jede Religion, ob eingewandert oder nicht.

Vertreter der Muslime reagieren gelassen

Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) (ZMD)Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) (ZMD)Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, distanzierte sich derweil von einem Bericht in der "Passauer Neuen Presse". Darin bezichtigt Mazyek Gauck der "Geschichtsfälschung", weil er die Rolle des Islam für Deutschland nicht anerkenne. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bezeichnete Mazyek den Bundespräsidenten als "klugen Moderator", der die begonnen Debatte weiterführe statt mit bisherigen Vorstellungen zu brechen. "Wir dürfen nicht in ein Ihr und Wir abgleiten. Das ist der Vielfalt Deutschland nicht angemessen", so Mazyek.

Auch der Chef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, vertrat die Auffassung, man müsse jetzt keine Fronten aufbauen. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er, Gaucks Äußerungen könnten zu einer sachlichen Debatte über die Frage beitragen, wie eine christlich-jüdisch-islamisch geprägte Tradition Europa beeinflusst habe.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:52 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

RassismusDie Kindheit eines südafrikanischen Comedian

Trevor Noah beim Screening der Comedy-Show The Daily Show With Trevor Noah auf dem PaleyFest New York 2016 im Paley Center for Media. New York Foto:xD.xVanxTinex/xFuturexImage Trevor Noah the Screening the Comedy Show The Daily Show With Trevor Noah on the PaleyFest New York 2016 in Paley Center for Media New Yor Photo XD xVanxTinex xFuturexImage (imago stock&people)

Seit 2015 moderiert Trevor Noah eine erfolgreiche Show beim US-amerikanischen Sender Comedy Central. Geboren als Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters in Südafrika ist Rassismus sein Hauptthema. Mit "Farbenblind" legt der erst 33-Jährige seine Memoiren vor.

"Hauptstadtfußball" im Stadtmuseum BerlinNeue Zielgruppen anlocken

Ausstellung über Hertha BSC in Berlin - viele der Ausstellungsstücke stammen von Fans (picture alliance / dpa / XAMAX)

Vor anderthalb Jahren ist Paul Spies als neuer Direktor angetreten, um das Stadtmuseum Berlin zu modernisieren. Der niederländische Kunsthistoriker möchte neue Zielgruppen anlocken. Ein Thema, das ihm dabei helfen könnte, ist der Fußball.

Digitale Ausstattung für Schulen"Riesenpaket an offenen Fragen"

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) (picture alliance / dpa / Ole Spata)

Vor der Sommerpause verabschiedete die Große Koalition die Eckpunkte zum Haushalt 2018: Darin fehlt der seit 2016 versprochene Digitalpakt für Schulen. Viele Fragen zur IT-Ausstattung seien offen, sagte Bildungsministerin Johanna Wanka, im Dlf. Die Nutzung im Unterricht müsse erst auf Arbeitsebene geklärt werden.

#DeineWahl - YouTuber fragen die KanzlerinMerkel im Neuland

(picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Knapp fünf Wochen vor der Bundestagswahl stellte sich Kanzlerin Angela Merkel heute eine Stunde lang den Fragen von vier YouTubern. Nadine Lindner aus unserem Hauptstadtstudio findet: "Es war eine unterhaltsame Stunde."

SommerserieGerechtigkeit - jeder will sie, keiner kriegt sie?

Zwei Männer sitzen sich auf einer zerbrochenen Wippe über einer Euromünze gegenüber (imago stock&people)

Gerechtigkeit ist eines der wesentlichen Themen im Bundestagswahlkampf. Die Parteien diskutieren und positionieren sich. Aber wie gerecht geht es heute tatsächlich zu? Was macht der Staat, um Gerechtigkeit zu fördern und was unterlässt er?

Gewalt in Charlottesville"Das ist der typische Trump-Sound"

US-Präsident Trump spricht im Weißen Haus in Washington ins Mikrofon. (AP Photo / Evan Vucci)

US-Präsident Trump hat seine erste Reaktion auf die Gewalt bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville verteidigt und erneut beiden Seiten die Schuld gegeben. Das war das Härteste, was Trump bisher vom Stapel gelassen habe, so Politikwissenschaftler Jan Techau.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Berlin-Tegel  Spitzengespräch zur Zukunft des Flughafens ohne Durchbruch | mehr

Kulturnachrichten

Bands boykottieren Berliner Pop-Kultur Festival  | mehr

 

| mehr