Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Verhindern oder aufschieben - das ist die Frage

Weiter Streit um Wulffs Mailbox-Nachricht an den "Bild"-Chef

Was hat Christian Wulff auf die Mailbox des "Bild"-Chefredakteurs gesprochen? (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
Was hat Christian Wulff auf die Mailbox des "Bild"-Chefredakteurs gesprochen? (dpa / picture alliance / Jens Büttner)

Wollte Christian Wulff den Bericht über seinen Hauskredit stoppen - oder nur aufschieben? In der Diskussion um die Mailbox-Nachricht des Bundespräsidenten legt die "Bild"-Zeitung nach. Wulffs Anwalt widerspricht.

Der Streit um die Nachricht des Bundespräsidenten auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann geht weiter. Christian Wulffs Medienanwalt Gernot Lehr bekräftigte im Deutschlandfunk, Wulff habe die Geschichte über seinen Hauskredit nur aufschieben, aber nicht stoppen wollen. "Der Bundespräsident wollte diese Berichterstattung nicht verhindern", sagte Lehr. Wulff habe in seiner Nachricht lediglich um die Chance gebeten, die Angelegenheit mit der Redaktion zu besprechen.

Wulff, so Lehr weiter, sei bei dem Anruf "in höchster Sorge" um die Privatsphäre seiner Kreditgeberin Edith Geerkens gewesen. Er habe befürchtet, "dass die von ihm der 'Bild' zuvor bereitgestellten Fakten, Unterlagen, Einsicht in die Kreditverträge nicht genügend berücksichtigt würden."

Zu einer möglichen Veröffentlichung der Mailbox-Nachricht sagte der Jurist: "Es ist nicht richtig, dass hier eine große Angst besteht vor einer Veröffentlichung, aber es ist Angelegenheit der 'Bild'-Zeitung, diesen Tabubruch zu begehen." Über diese Frage müsse die "Bild" in eigener Verantwortung entscheiden. "Wenn sie das tun will, dann mag sie es tun", sagte Lehr.

"Bild"-Vize Blome: Wulff wollte Bericht verhindern

Die "Bild"-Zeitung beharrt unterdessen darauf, dass Wulff die Publikation des Artikels über seinen Hauskredit unterbinden wollte. Deren stellvertretender Chefredakteur Nikolaus Blome sagte in der Sendung "Günther Jauch", der Bundespräsident habe "das Verschieben als Etappe gesehen, das Verhindern ganz eindeutig als Ziel".

In der vergangenen Woche hatte Wulff in einem TV-Interview beteuert, er habe die Geschichte nur um einen Tag verschieben wollen, bis er von einer Auslandsreise zurück sei. Die "Bild"-Zeitung bat den Bundespräsidenten daraufhin um sein Einverständnis, den Wortlaut der Nachricht veröffentlichen zu dürfen. Dies lehnte Wulff ab.

Dennoch wurden inzwischen mehrere Passagen der Nachricht publik. Laut "Spiegel" fragte Wulff auf Diekmanns Mailbox unter anderem, warum die "Bild" nicht akzeptieren könne, "wenn das Staatsoberhaupt im Ausland ist, zu warten, bis ich Dienstagabend wiederkomme, also morgen, und Mittwoch eine Besprechung zu machen, wo ich mit Herrn ..., den Redakteuren, rede, wenn Sie möchten, die Dinge erörtere, und dann können wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen, und dann können wir entscheiden, wie wir den Krieg führen".

SPD und Grüne bieten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterdessen an, gemeinsam nach einem Nachfolgekandidaten zu suchen, falls Wulff zurücktritt. "Wir wollen nur, dass dieses unwürdige Theater endlich ein Ende hat", sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel im ZDF. Die Forderung nach Neuwahlen würde die SPD in diesem Fall nicht erheben, sagte Gabriel weiter. Damit widersprach er SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die am Wochenende Neuwahlen im Fall eines Rücktritts von Wulff verlangt hatte.

Merkel ließ am Montag über ihren Sprecher Steffen Seibert erklären, sie sehe keine Veranlassung, über eine Nachfolge für das Amt des Bundespräsidenten nachzudenken.


Mehr zum Thema bei dradio.de:

Debatte: Soll Christian Wulffs Telefonat veröffentlicht werden?

Interview: Medienwissenschaftler Norbert Bolz über "Meutejournalismus" und die Affäre Wulff

Interview: CSU-Chef Horst Seehofer will keine Personaldiskussion um Wulff

Der ungeschickte Präsident - Christian Wulff demontiert sich selbst

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Jens Spahn (CDU)"Rechtliche Hürden für Abschiebungen abbauen"

Jens Spahn, CDU-Präsidiumsmitglied (picture alliance / Rolf Vennenbernd / dpa)

Jeder, der nicht vor Krieg und Verfolgung flüchte, müsse wieder aus Deutschland ausreisen, sagte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn im Deutschlandfunk. Dafür müssten auch rechtliche Hürden für Abschiebungen abgebaut werden, wie sie etwa durch ärztliche Atteste entstünden.

Big Data und PsychometrieInternetdaten als Wahlkampfhelfer?

Donald Trump während seiner Rede in New York nach seinem Wahlsieg bei der US-Präsidentschaftswahl (AFP/ Mandel Ngan)

Hat Donald Trump den US-Wahlkampf aufgrund der gezielten Auswertung von Internet-Profilen gewonnen? Ein Artikel aus dem Magazin des Schweizer Tagesanzeigers legt genau das nahe. Für den Netzaktivisten Markus Beckedahl greift die Erklärung allerdings zu kurz.

SCHNELLER AN DER KASSESpeed-Shopping

Immer erwischt ihr die langsamste Schlange im Supermarkt? Wir haben uns schlau gemacht, wie es wirklich schneller an der Kasse geht.

Entschädigungs-Urteil für AtomkonzerneTrittin: "Krachende Niederlage" für Ausstiegsgegner

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Entschädigungen für Energiekonzerne grundsätzlich begrüßt. Die Entscheidung sei eine "krachende Niederlage" für diejenigen, die versucht hätten, den Atomausstieg für verfassungswidrig zu erklären, sagte Trittin im DLF.

FrauenrechteEine freie Frau treibt nicht ab

Frauen demonstrieren für das Recht auf Abtreibung in Warschau. (imago/Pacific Press Agency)

Tausende von Frauen gehen für ihre Selbstbestimmung, etwa in Polen, auf die Straße. Radikale Konservative fürchteten, dass sie ohne staatliche oder kirchliche Kontrolle ihre Babys töten würden, sagt Gesine Palmer. Dabei würden wirklich freie Frauen anders entscheiden.

Mordfall Freiburg"Man darf nicht den Umkehrschluss ziehen, dass alle so drauf sind"

Freiburgs Oberbürgermeister Salomon (Bündnis 90/Die Grünen) (Imago / Winfried Rothermel)

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon hat nach dem Mord an einer Studentin in seiner Stadt vor Pauschalurteilen gewarnt. Tatverdächtig ist ein junger Mann aus Afghanistan. Man dürfe Probleme nicht verschweigen, etwa beim Frauenbild von Flüchtlingen. Aber die Reaktionen in sozialen Netzwerken seien "ekelerregend", sagte Salomon im DLF.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

OSZE-Ministerrat  Steinmeier fordert Lawrow zu konstruktiver Mitwirkung auf | mehr

Kulturnachrichten

Jürgen Todenhöfer wird Herausgeber beim "Freitag"  | mehr

Wissensnachrichten

Ernährung  Männer essen in Gesellschaft mehr | mehr