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Verkehrsausschuss berät über ICE-Hitzepannen

Grube kündigt unbürokratische Entschädigung an

Bahnchef Rüdiger Grube verspräch unbürokratische Entschädigung. (AP)
Bahnchef Rüdiger Grube verspräch unbürokratische Entschädigung. (AP)

Während einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses des Bundestages hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) seine Forderung nach mehr Zuverlässigkeit bei der Deutschen Bahn erneuert.

Ramsauer sagte, er wolle im Zulassungsverfahren künftig stärker auf die Funktionstüchtigkeit der Klimaanlagen zu achten. Grundsätzlich müssten die Züge zwischen 40 Grad plus und 40 Grad minus einwandfrei fahren.

Bahn-Chef Rüdiger Grube versprach, die hitzebedingten ICE-Störungen der letzten Wochen aufzuarbeiten. Er erklärte, künftige Generationen des Zuges für Außentemperaturen von bis zu 45 Grad zu rüsten.

Entschädigung für Fahrgäste

Bereits am Mittwoch bemühte sich die Bahn um Glättung der Wogen - der Vorstand beschloss zusätzliche Entschädigungen für Fahrgäste, die aufgrund der Ausfälle der Klimaanlagen ärztlich behandelt werden mussten. Die Passagiere erhalten 150 Prozent des Fahrpreises in Reisegutscheinen und 500 Euro als zusätzliches Schmerzensgeld, wie Grube verkündete. Alle anderen Betroffenen bekommen 50 Prozent des Fahrpreises in Gutscheinen erstattet.

Grube kündigte inzwischen auch an, bei der Entschädigung von Hitzeopfern auch nachzubessern. So sollen Bahnfahrgäste mit Gesundheitsproblemen durch überhitzte Züge auch ohne ärztliches Attest 500 Euro Schmerzensgeld erhalten. Grube betonte, dass die Entschädigungen unbürokratisch abgewickelt werden sollten.

Als zu gering kritisierte Anja Dewitz, Referentin für Verkehr und Nachhaltigkeit beim Verbraucherzentrale Bundesverband, im Deutschlandfunk die geplanten Entschädigungen der Bahn.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sieht in den Sparmaßnahmen zum ehemals geplanten Börsengang einen Grund für die Probleme der Bahn, wie er im Deutschlandfunk-Interview erklärte. Versäumnisse seinerseits kann er hingegen nicht erkennen:

" Mein Haus, mein Ministerium trägt die amtliche Verantwortung dafür, dass bei solchen Vorkommnissen sofort eingeschritten wird und alles in die Wege geleitet wird, dass Schäden kompensiert werden, dass aber auch Vorkehrung getroffen wird, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Und das ist sofort getan worden."

Ein ICE fährt in Berlin durch den Bahnhof Friedrichstraße. Im Hintergrund sieht man den Reichstag, den Sitz des Deutschen Bundestages. (AP)Die Pannen der ICE-Klimaanlagen waren Thema im Verkehrsausschuss. (AP)Als Grund für die Technik-Defizite macht die Gewerkschaft GDBA die Sparmaßnahmen der Bahn aus. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Peter Tröge führte das auf Grubes Vorgänger zurück. Im Deutschlandradio Kultur forderte Tröge aber von Grube, Lösungen anzubieten.

Die Kritik am Bahn-Personal und dessen Umgang mit den Fahrgästen während der Hitze-Probleme wollte Tröge nicht so einfach gelten lassen - und plädierte für Konsequenzen aus der jüngsten Pannenserie.

"Deswegen fordern wir ja auch vom Unternehmen, dass sie ihre Beschäftigten gerade in solchen Situationen, solchen Konfliktsituationen, besser vorbereitet, besser schult und im Besonderen ganz eindeutige Anweisungen über Handlungsmöglichkeiten dem Personal zu geben."

Das Hinarbeiten auf den Börsengang lässt Bahnexperte und Sachbuchautor Winfried Wolf zu. Es sein sicher nicht einfach, dieser ehemaligen Ausrichtungen schnell eine neue Richtung zu geben. Doch Wolf kritisiert, dass der als Kommunikator und Erneuerer eingesetzte Grube bei den aktuellen Pannen ganz im alten Stil gearbeitet habe:

Grube habe "irgendwann mitgeteilt bekommen, dass seine Klimaanlagen in den ICEs bis 32 Grad noch richtig ticken und dann austicken, beim ICE 1 und ICE 2, beim ICE 3 bis 35 Grad. Man könnte es erwarten, dass er da ein Problem sieht und in irgendeiner Form, zumal es im Frühjahr einen sogenannten Frühjahrsputz bei Klimaanlagen und Toiletten und Türen gab, bei allen ICEs, darauf eingehen würde."


Links auf dradio.de:
"Natürlich ist Druck im System" <br> Verkehrsminister zur Problemanalyse bei der Deutschen Bundesbahn
"Der Ausfall eines Zuges ist schon ein Zug zu viel" <br> DB-Chef Rüdiger Grube über die Pannen im Bahnverkehr
Bahnexperte: Deutsche Bahn geht unverantwortlich mit Fahrgästen um <br> Winfried Wolf über die strukturellen Probleme der Bahn
Tröge: Bahn-Beschäftigte besser für Konfliktsituationen schulen <br> Stellvertretender GDBA-Vorsitzender kritisiert Sparkurs des Unternehmens
Chaos-Bahn?
"Aus den Fehlern lernen bei der Bestellung des neuen Materials" <br> FDP-Verkehrspolitiker Döring fordert Nachrüstung der vorhandenen Klimaanlagen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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